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26. Juni 2012, 19:22 Uhr

Rettungsschirme

Deutschland haftet mit bis zu 310 Milliarden Euro

Die Bundesrepublik haftet in der Euro-Krise mit Milliarden, nun wird erstmals eine offizielle Summe bekannt: Laut "Handelsblatt" rechnet die Regierung mit Verpflichtungen aus den Rettungsschirmen von bis zu 310 Milliarden Euro. Ein Zerbrechen der Euro-Zone käme noch weitaus teurer.

Berlin - Kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel räumt die deutsche Regierung erstmals ein, wie teuer die Euro-Krise die Bundesrepublik kommen könnte. Die Haftungssumme für Deutschland aus allen Rettungsschirmen summiere sich laut einem Regierungsbericht auf 310,3 Milliarden Euro, schreibt das "Handelsblatt".

Berücksichtigt sei die Kombination aus dem maximalen von Deutschland verbürgten Kreditvolumen des neuen Rettungsfonds ESM mit dem zeitweise parallel laufenden EFSF, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine Mitteilung des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Diese Summe betrage 285,3 Milliarden Euro. Hinzu komme der deutsche Anteil an Hilfen aus dem EU-Haushalt mit 9,8 Milliarden Euro und an ausbezahlten Krediten aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket mit 15,2 Milliarden Euro.

Bei der Summe von 310,3 Milliarden Euro handelt es sich dem Bericht zufolge um den maximalen Bürgschaftsrahmen für den Fall, dass sowohl die noch nicht belegten Mittel des EFSF als auch alle Hilfen des ESM tatsächlich angefordert werden. Weitaus teurer wäre aber ein Auseinanderfallen der Euro-Zone, heißt es. Eine Summe für dieses Szenario benennt das Finanzministerium jedoch nicht.

Der ESM-Rettungsschirm muss in Deutschland derweil noch warten: Das Bundesverfassungsgericht hat der Bundesregierung immer wieder Grenzen aufgezeigt. In der vergangenen Woche bat das Gericht Bundespräsident Joachim Gauck, die Gesetze zum ESM-Rettungsschirm und dem Fiskalpakt, die in dieser Woche im Bundestag verabschiedet werden sollen, vorerst nicht zu unterschreiben.

bos/dpa

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