Rettungsschirme Deutschland haftet mit bis zu 310 Milliarden Euro

Die Bundesrepublik haftet in der Euro-Krise mit Milliarden, nun wird erstmals eine offizielle Summe bekannt: Laut "Handelsblatt" rechnet die Regierung mit Verpflichtungen aus den Rettungsschirmen von bis zu 310 Milliarden Euro. Ein Zerbrechen der Euro-Zone käme noch weitaus teurer.


Berlin - Kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel räumt die deutsche Regierung erstmals ein, wie teuer die Euro-Krise die Bundesrepublik kommen könnte. Die Haftungssumme für Deutschland aus allen Rettungsschirmen summiere sich laut einem Regierungsbericht auf 310,3 Milliarden Euro, schreibt das "Handelsblatt".

Berücksichtigt sei die Kombination aus dem maximalen von Deutschland verbürgten Kreditvolumen des neuen Rettungsfonds ESM mit dem zeitweise parallel laufenden EFSF, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine Mitteilung des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Diese Summe betrage 285,3 Milliarden Euro. Hinzu komme der deutsche Anteil an Hilfen aus dem EU-Haushalt mit 9,8 Milliarden Euro und an ausbezahlten Krediten aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket mit 15,2 Milliarden Euro.

Bei der Summe von 310,3 Milliarden Euro handelt es sich dem Bericht zufolge um den maximalen Bürgschaftsrahmen für den Fall, dass sowohl die noch nicht belegten Mittel des EFSF als auch alle Hilfen des ESM tatsächlich angefordert werden. Weitaus teurer wäre aber ein Auseinanderfallen der Euro-Zone, heißt es. Eine Summe für dieses Szenario benennt das Finanzministerium jedoch nicht.

Der ESM-Rettungsschirm muss in Deutschland derweil noch warten: Das Bundesverfassungsgericht hat der Bundesregierung immer wieder Grenzen aufgezeigt. In der vergangenen Woche bat das Gericht Bundespräsident Joachim Gauck, die Gesetze zum ESM-Rettungsschirm und dem Fiskalpakt, die in dieser Woche im Bundestag verabschiedet werden sollen, vorerst nicht zu unterschreiben.

bos/dpa



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Dr.pol.Emik 26.06.2012
1. Bei den Nullen kann man schnell durcheinander kommen …
… und wie immer werden da nur einige Werte genannt. Nur mal das Target 2 der Bundesbank von 700 Milliarden hinzugerechnet, dann haben wir schon die 1 Billion Risiko und Haftung im Sack (psst nicht so laut, Taschenspielertrick). Andere Experten sehen das Risiko schon eher bei 2 Billionen, also zur Höhe der ohnehin bereits bestehenden Staatsverschuldung. Dank ESM, EFSF und anderer kleiner Nettigkeiten dürfte der Aufwärtstrend wohl kaum zu bremsen sein. Dagegen nimmt sich dann der Spiegel-Artikel ja wie ein richtige Beruhigungspille aus. Bundestag will am 29. Juni deutsches AAA Rating in Zahlung geben (http://qpress.de/2012/06/15/bundestag-29-juni-deutsches-aaa-rating-zahlung-geben/) … und wenn wir dann am 29. Juni beginnen die deutsche Bonität zu Markte zu tragen, besser gesagt zu Grabe, dann kommt eine weiter indirekte Last auf die Michel zu Kann man nur noch auf die BVG Bremse hoffen). Mit einem jeden Prozentpunkt, um die sich die bisherige Staatsverschuldung verteuert, werfen wir dann *pro Jahr weitere 20 Milliarden* in den Ring (gehört also auch zu diesem Themenkomplex) … ok, kann man natürlich unter Kollateralschaden buchen, aber auch dieses Geld möchte ja bitte vom Michel und die Schale geworfen werden … für die Banken, bei gleichbleibender Leistung dieser Häuser … (°!°)
dhanz 26.06.2012
2.
Zitat von sysopErstmals wird eine offizielle Summe für die maximale Bürgschaft der Bundesrepublik bekannt: Deutschland haftet für Verpflichtungen aus den Rettungsschirmen laut "Handelsblatt" insgesamt mit bis zu 310 Milliarden Euro. Ein Zerbrechen der Euro-Zone käme noch weitaus teurer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,841116,00.html
Das ist schlimm. Aber dann wäre der EURO-Alptraum aber wenigstens vorbei und Deutschland könnte sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.
reiisa 26.06.2012
3. Warum zahlen?
Der Euro-Austritt kostet nichts, im Gegenteil, wenn D die Forderungen aus dem Target2 gegenrechnet bzw. verrechnet, dann kriegen wir nnoch Geld dazu. Hier sollte jede Regierung ganz hart am Wind Segeln, und den vermeintlichen Partnern in der EU klarmachen, das die Haftungsgarantien nur dann bedient werden, wenn auch die Forderungen aus Target2, die ja übrigens nur aufgelaufen sind, weil sich die EZB trotz deutschem Widersatand bestimmungswidrig verhält, in dem sie Staatsanleihen aufkauft. Und wer garantiert denn, das es bei 31o Mrd. bleibt. Wenn die Gelder aus dem ESM aufgebraucht sind, werden Frau Merkel/Herr Schäuble alternativlos den Bundestag zur Freigabe neuer Mittel drängen. Das tun sie, weil ihnen die Nase weh tut. Denn dort ist schon der Ring an dem die Griechen und ihre Schuldengenossen die Bundesregierung herumführen.
chalchiuhtlicue 26.06.2012
4.
Und wie teuer wird es für uns, wenn der "Rettungsschirm" versagt und keine Wirkung hat und die Eurozone dann auseinander bricht? Dann sind die 310 Mrd. futsch und wir verlieren zusätzlich genauso viel, wie wenn wir erst gar nicht in diesen Rettungsschirm einzahlen! Die Gewinner sind in jedem Fall außereuropäische Investoren, deren Investments wir mit unserem Geld absichern! Es wird Zeit für eine Zwangsverstaatlichung ALLER Banken auf der ganzen WELT und einem kontrollierten Ende dieses Investmentwahnsinns!
tweetybird277 26.06.2012
5. Unaufhaltsam
Die Eurozone wird in jedem Fall auseinanderbrechen, da die Kreditwürdigkeit der Nordeuropäer nicht reicht, um die Krisenländer zu stützen. Dies haben die Märkte hinreichend deutlich gemacht. Daher ist es immer noch besser, wenn Deutschland keine weitere explizite Mithaftung mittels des ESM übernimmt. Hoffentlich stoppt das Verfassungsgericht diese fürchterlichen Pläne.
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