Rekord in der Coronakrise Deutsche Haushalte besitzen so viel Geldvermögen wie noch nie

Obwohl gelockerte Coronaregeln den Konsum ankurbeln, hat das private Geldvermögen der Deutschen einen Rekordwert erreicht. Das liegt auch an der wachsenden Beliebtheit von Aktien.
Schließfächer in einer Hamburger Sparkasse (Archivbild)

Schließfächer in einer Hamburger Sparkasse (Archivbild)

Foto: Daniel Reinhardt/ DPA

Auch nach der schrittweisen Lockerung der Corona-Einschränkungen haben die Menschen in Deutschland ihr Geld zusammengehalten. Zugleich profitierten sie von gestiegenen Börsenkursen – das Geldvermögen kletterte im zweiten Quartal auf ein Rekordhoch. Nach Angaben der Bundesbank stieg das Vermögen der Privathaushalte aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen im Vergleich zum ersten Vierteljahr um 159 Milliarden Euro auf 7325 Milliarden Euro.

Ökonomen rechnen mit einem weiteren Anstieg im Laufe des Jahres. Wie die gewaltige Summe verteilt ist, geht aus den Bundesbank-Daten nicht hervor. Auch weltweit stiegen die Vermögen laut einer Studie der Allianz trotz der Coronakrise auf einen neuen Rekordwert.

Zwar kurbelte die schrittweise Lockerung der Einschränkungen zur Bekämpfung der Coronapandemie die Konsumlust der deutschen Verbraucher im zweiten Quartal an, die Sparquote sank nach Daten des Statistischen Bundesamtes. Dennoch legten die Menschen weiter Geld auf die hohe Kante. Bargeld und Bankeinlagen etwa auf Giro- und Tagesgeldkonten machten mit gut 2910 Milliarden Euro Ende Juni weiterhin den größten Posten aus. Im zweiten Quartal kamen rund 52 Milliarden Euro hinzu.

Zugleich trauen sich die als eher risikoscheu geltenden Sparer in Deutschland zunehmend an den Aktienmarkt. »Liquide oder als risikoarm wahrgenommene Anlageformen erfreuen sich insgesamt noch immer großer Beliebtheit, aber das Kapitalmarktengagement der privaten Haushalte nimmt seit Jahren zu«, resümierte die Notenbank.

So kauften die privaten Haushalte im zweiten Quartal den Angaben zufolge Investmentfondsanteile für 24 Milliarden sowie Aktien für sieben Milliarden Euro. Bewertungsgewinne bei Aktien und Investmentfondsanteilen spielten laut Bundesbank eine bedeutsame Rolle beim Zuwachs des Geldvermögens im zweiten Quartal.

Etwas weniger Geld als in den Vorquartalen steckten die Privathaushalte laut Bundesbank in Versicherungen und andere Altersvorsorgeprodukte. Hier legten die Bestände um rund 20 Milliarden Euro auf etwa 2529 Milliarden Euro zu.

Acht Billionen im nächsten Jahr?

Die DZ Bank rechnet im laufenden Jahr mit einem weiteren Anstieg des Geldvermögens. Zwar dürften die Menschen nach Einschätzung von DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel dank zunehmender Lockerung der Corona-Einschränkungen weniger sparen als 2020. Dennoch werde das Geldvermögen dank Wertzuwächsen bei Aktien, Fonds und Zertifikaten auf voraussichtlich 7,6 Billionen Euro steigen, hieß es in einer im Sommer veröffentlichten Analyse des genossenschaftlichen Spitzeninstituts. Im nächsten Jahr sei mit einem weiteren Zuwachs auf dann knapp acht Billionen Euro zu rechnen.

Abzüglich der Schulden stieg das Nettogeldvermögen gegenüber dem ersten Vierteljahr um rund 130 Milliarden Euro auf 5336 Milliarden Euro. Immobilien, die seit Jahren teils kräftige Wertsteigerungen verzeichnen, werden von den Daten nicht erfasst.

dab/dpa
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