Teilhabeatlas Boomendes Deutschland - abgehängtes Deutschland

Welche deutsche Region bietet ihren Bewohnern Teilhabe - und welche nicht? Eine Studie zeigt Lebensqualität und Zukunftschancen in jedem Kreis der Republik - vom Einkommen bis zur Versorgung mit schnellem Internet.

Arnulf Hettrich / imago images/SPIEGEL ONLINE

Von und  (Grafik)


Wie lebt es sich in Deutschland? Wer diese Frage mit "Im Schnitt ziemlich gut" beantwortet, liegt damit sicherlich nicht falsch. Aber das wird der Vielfalt der Lebensverhältnisse und Möglichkeiten nicht gerecht, die Menschen in diesem Land alltäglich erfahren. Wer also eine angemessene Antwort sucht, muss erst einmal zumindest eine Gegenfrage stellen: "Wo genau in Deutschland meinen Sie denn?"

Denn vom Wohnort hängt vieles ab, worauf der oder die Einzelne angewiesen ist, um seine Möglichkeiten zu entfalten und an der im Schnitt reichen deutschen Gesellschaft teilzuhaben - aber dennoch nur wenig Einfluss hat: Gibt es dort einen Arbeitsplatz mit einem auskömmlichen Lohn - oder eine gute Verkehrsverbindung zu ihm? Liegt die Schule der Kinder in der Nähe? Ist sie gut? Wie weit ist es bis zum Hausarzt, wie weit zum nächsten Supermarkt? Hat meine Gemeinde genug Geld, um Schwimmbad und Jugendtreff zu finanzieren - oder zumindest die Straßen in Schuss zu halten?

Eine Studie des Berlin-Instituts im Auftrag der Wüstenrot-Stiftung verdeutlicht die enormen Unterschiede der Lebensverhältnisse und Zukunftschancen in Deutschland - und wie sich die objektiv messbare Ungleichheit für die Bewohner reicher und abgehängter Regionen ganz subjektiv anfühlt.

Für den "Teilhabeatlas Deutschland" untersuchten die Forscher zuerst, wie erfolgreich - oder eben abgehängt - die 401 Landkreise und kreisfreien Städte jeweils hinsichtlich statistischer Indikatoren sind. So entstand eine auf objektiven Kriterien basierende Karte der Bundesrepublik, die in Wirklichkeit sechs Deutschlands zeigt: von den reichen Großstädten und ihren Speckgürteln bis hin zu abgehängten Regionen auf dem Land.

Zu welchem dieser sechs verschiedenen Deutschlands gehört Ihr Wohnort? Die folgende Karte zeigt es.

Teilhabeatlas: Sechsmal Deutschland

Cluster 1 umfasst städtische und Cluster 4 ländliche Regionen, die ihren Einwohnern gute Teilhabechancen ermöglichen. Im städtischen Cluster 2 sowie im ländlichen Cluster 5 stehen die Menschen vor vereinzelten Hürden. Im städtischen Cluster 3 sowie im ländlichen Cluster 6 bieten sich den Menschen die geringsten Chancen zur Teilhabe.

Doch zeigt diese Karte wirklich zuverlässig, wo man in Deutschland gut lebt - und wo nicht? Wie empfinden die Menschen vor Ort selbst ihre Lage und ihre Möglichkeiten? Um das herauszufinden, ergänzten die Forscher des Berlin-Instituts ihre Studie mit einem zweiten, subjektiven Teil: Sie fuhren in 15 ausgewählte, auf ihre Art typische Regionen und sprachen mit den Menschen - mit Politikern und Amtsträgern ebenso wie mit ganz normalen Bürgern. Die Auskünfte, die sie dort erhielten, bestätigten zwar viele der objektiven Befunde - lagen aber auch manchmal erstaunlich im Widerspruch zu ihnen. (Hier finden Sie einen ausführlichen Artikel.)

Doch wie bestimmten die Forscher überhaupt, welche Region abgehängt ist oder nicht? Sie beschränkten sich nicht wie viele andere ähnliche Untersuchungen auf ein einziges Kriterium wie das durchschnittliche Einkommen oder die Armutsquote. Vielmehr betrachteten sie insgesamt acht Indikatoren für die wirtschaftliche, die soziale und die Versorgungslage. In einem weiteren Schritt verknüpften sie diese Indikatoren zu einem einheitlichen Messinstrument - einer Schablone, die charakteristische Ähnlichkeiten bestimmter Kreise und Städte erkennbar macht.

Sechs verschiedene dieser Muster identifizierten sie schließlich und ordneten jeden Kreis und jede Stadt einem dieser Muster zu - die Forscher sprechen von sogenannten Clustern. Dabei entschieden sie sich für eine Aufteilung in Stadt und Land, die sie jeweils in drei Cluster einteilten - von wohlhabend und erfolgreich über durchschnittlich zu problembeladen und abgehängt.

Die Regionencluster im Überblick
Lesen Sie hier die Details zu den einzelnen Clusterstufen.
1. Reiche Großstädte und ihre Speckgürtel
- mittlere Hartz-IV-Quote (Im Schnitt 7,1 Prozent der Bevölkerung unter 65 Jahren)
- sehr hohes Einkommen (Im Schnitt 27.032 Euro jährliches verfügbares Haushaltseinkommen)
- sehr hohes Steueraufkommen (Im Schnitt 1498 Euro je Einwohner und Jahr)
- mittlerer Anteil Schulabbrecher (Im Schnitt 6 Prozent aller Absolventen)
- hohe Lebenserwartung (Im Schnitt 81,7 Jahre)
- sehr viele Zuzüge (Im Schnitt ziehen jährlich pro 1000 Einwohner 41,5 Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren mehr zu als fort.)
- sehr gute Breitbandversorgung (Im Schnitt 90,1 Prozent der Haushalte haben min. 50 Mbit/s)
- sehr gute Nahversorgung

Cluster 1, mit 19 Kreisen das kleinste, vereint die Wirtschaftszentren der Republik, die wohlhabenden Großstädte München, Stuttgart oder Frankfurt sowie Teile von deren Umland. Unter den städtischen Clustern (1 bis 3) weist Cluster 1 hinsichtlich der wirtschaftlichen Indikatoren die höchsten Durchschnittswerte auf und auch die Indikatoren sozialer Teilhabe weisen im Schnitt gute bis sehr gute Werte auf. Die Rahmenbedingungen für gesellschaftliche Teilhabe lassen sich - soweit Stadt und Land vergleichbar sind - am ehesten mit denen im ebenfalls gut abschneidenden ländlichen Cluster 4 vergleichen.

Quelle: Berlin-Institut
2. Attraktive Großstädte
- hohe Hartz-IV-Quote (Im Schnitt 9,7 Prozent der Bevölkerung unter 65 Jahren)
- mittleres Einkommen (Im Schnitt 21.450 Euro jährliches verfügbares Haushaltseinkommen)
- hohes Steueraufkommen (Im Schnitt 1007 Euro je Einwohner und Jahr)
- mittlerer Anteil Schulabbrecher (Im Schnitt 5,8 Prozent aller Absolventen)
- mittlere Lebenserwartung (Im Schnitt 80,8 Jahre)
- sehr viele Zuzüge (Im Schnitt ziehen jährlich pro 1000 Einwohner 46,1 Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren mehr zu als fort.)
- sehr gute Breitbandversorgung (Im Schnitt 92,7 Prozent der Haushalte haben min. 50 Mbit/s)
- sehr gute Nahversorgung

In Cluster 2 befinden sich 51 überwiegend kreisfreie Städte oder Landkreise mit großen Kreisstädten. Hannover, Aachen oder Braunschweig sind typisch für dieses Cluster. Cluster 2 liegt bei den meisten Indikatoren im guten Mittelfeld und weist die für Städte und Ballungsgebiete typische gute Versorgung auf. Die SGB II-Quote von knapp zehn Prozent weist allerdings darauf hin, dass für bestimmte Personengruppen wirtschaftliche Hürden bestehen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Einschränkungen der gesellschaftlichen Teilhabe dürften hier weniger durch ein strukturelles "Abgehängtsein" begründet sein als durch die individuellen Lebensumstände der Menschen.

Quelle: Berlin-Institut
3. Großstädte mit Problemlagen
- sehr hohe Hartz-IV-Quote (Im Schnitt 16,1 Prozent der Bevölkerung unter 65 Jahren)
- geringes Einkommen (Im Schnitt 19.133 Euro jährliches verfügbares Haushaltseinkommen)
- mittleres Steueraufkommen (Im Schnitt 720 Euro je Einwohner und Jahr)
- hoher Anteil Schulabbrecher (Im Schnitt 8,5 Prozent aller Absolventen)
- geringe Lebenserwartung (Im Schnitt 79,6 Jahre)
- viele Zuzüge (Im Schnitt ziehen jährlich pro 1000 Einwohner 27,9 Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren mehr zu als fort.)
- sehr gute Breitbandversorgung (Im Schnitt 88,4 Prozent der Haushalte haben min. 50 Mbit/s)
- sehr gute Nahversorgung

Die 51 Kreise - fast ausschließlich kreisfreie Städte - in Cluster 3 verteilen sich nahezu über das gesamte Bundesgebiet, mit Ausnahme von Süddeutschland, wo nur das oberfränkische Hof in dieses Cluster fällt. Lübeck, Dortmund oder Saarbrücken sind typisch für dieses Cluster. Viele der Großstädte liegen im Ruhrgebiet und in den neuen Bundesländern, aber auch in Norddeutschland, in der Pfalz und im Saarland. Es sind vor allem Städte, die einen harten Strukturwandel hinter sich haben und bislang nicht zu den attraktiven Ballungsräumen wie Hamburg, Köln oder Frankfurt aufschließen konnten. In dieses Cluster fallen auch die Städte, die aufgrund ihrer sozioökonomischen Probleme regelmäßig ins öffentliche Blickfeld geraten - etwa Gelsenkirchen, Offenbach am Main, Bremerhaven oder Berlin.

Quelle: Berlin-Institut
4. Erfolgreiche ländliche Regionen
- geringe Hartz-IV-Quote (Im Schnitt 4,3 Prozent der Bevölkerung unter 65 Jahren)
- hohes Einkommen (Im Schnitt 23.950 Euro jährliches verfügbares Haushaltseinkommen)
- hohes Steueraufkommen (Im Schnitt 1039 Euro je Einwohner und Jahr)
- geringer Anteil Schulabbrecher (Im Schnitt 5,3 Prozent aller Absolventen)
- hohe Lebenserwartung (Im Schnitt 81,7 Jahre)
- wenige Zuzüge (Im Schnitt ziehen jährlich pro 1000 Einwohner 9,9 Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren mehr zu als fort.)
- gute Breitbandversorgung (Im Schnitt 73,2 Prozent der Haushalte haben min. 50 Mbit/s)
- geringe Nahversorgung

Die 89 Kreise von Cluster 4 liegen vorwiegend im wirtschaftsstarken Süden der Republik, in Baden-Württemberg und im Südwesten Bayerns. Nördlich davon finden sich nur vereinzelt Kreise in diesem Cluster, die den Speckgürtel größerer Städte bilden. In Ostdeutschland schafft es nur der Landkreis Dahme-Spreewald in Cluster 4. Der Ostalbkreis, Schwäbisch Hall oder der Schwarzwald-Baar-Kreis sind typisch für dieses Cluster. Die Mehrheit der Menschen dürfte hier nicht durch sozioökonomische Rahmenbedingungen an der Teilhabe gehindert sein. Aufgrund der ländlichen Prägung der Regionen sind Versorgungsangebote jedoch weniger gut fußläufig zu erreichen als in urbanen Räumen.

Quelle: Berlin-Institut
5. Ländliche Regionen mit vereinzelten Problemen
- mittlere Hartz-IV-Quote (Im Schnitt 6,4 Prozent der Bevölkerung unter 65 Jahren)
- mittleres Einkommen (Im Schnitt 21.697 Euro jährliches verfügbares Haushaltseinkommen)
- mittleres Steueraufkommen (Im Schnitt 773 Euro je Einwohner und Jahr)
- mittlerer Anteil Schulabbrecher (Im Schnitt 6 Prozent aller Absolventen)
- mittlere Lebenserwartung (Im Schnitt 80,5 Jahre)
- leichte Abwanderung (Im Schnitt ziehen jährlich pro 1000 Einwohner 2,1 Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren mehr fort als zu.)
- mittlere Breitbandversorgung (Im Schnitt 64,9 Prozent der Haushalte haben min. 50 Mbit/s)
- sehr geringe Nahversorgung

Die Regionen des mit 133 Kreisen größten Clusters 5 konzentrieren sich vor allem in den westlichen Bundesländern sowie im Osten Bayerns. In den östlichen Bundesländern fallen nur einzelne Kreise, die etwa an die Städte Berlin, Dresden oder Leipzig angrenzen, in dieses Cluster. Typisch für Cluster 5 sind zum Beispiel die Landkreise Rotenburg (Wümme), Osnabrück und Oldenburg. Diese ländlichen Regionen können ihren Bewohnern nicht die gleiche Versorgung bieten, wie sie in den Städten vorhanden ist. Dennoch lassen sich mit Blick auf Cluster 5 aus der Analyse der sozialen und wirtschaftlichen Indikatoren keine flächendeckenden oder besonders alarmierenden Herausforderungen in Bezug auf die sozialen Teilhabechancen ableiten.

Quelle: Berlin-Institut
6. "Abgehängte" Regionen
- hohe Hartz-IV-Quote (Im Schnitt 9,9 Prozent der Bevölkerung unter 65 Jahren)
- geringes Einkommen (Im Schnitt 19.106 Euro jährliches verfügbares Haushaltseinkommen)
- geringes Steueraufkommen (Im Schnitt 577 Euro je Einwohner und Jahr)
- sehr hoher Anteil Schulabbrecher (Im Schnitt 9 Prozent aller Absolventen)
- geringe Lebenserwartung (Im Schnitt 79,7 Jahre)
- stärkere Abwanderung (Im Schnitt ziehen jährlich pro 1000 Einwohner 11,2 Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren mehr fort als zu.)
- geringe Breitbandversorgung (Im Schnitt 50,8 Prozent der Haushalte haben min. 50 Mbit/s)
- sehr geringe Nahversorgung

In Cluster 6 fallen 58 ländliche Kreise, die überwiegend in den ostdeutschen Bundesländern liegen sowie vereinzelt in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Saarland - ländliche Regionen, die wirtschaftlich wie auch bei der Bereitstellung der Versorgungsinfrastruktur vor Problemen stehen. Cluster 6 hat bei fast allen Indikatoren den schlechtesten Durchschnittswert. Nur bei den Leistungsberechtigten nach SGB II und der Lebenserwartung weisen die durch den Strukturwandel gebeutelten Großstädte von Cluster 3 noch schlechtere Werte auf.

Quelle: Berlin-Institut

Die folgende Karte zeigt die einzelnen Indikatoren. (Tippen Sie auf die Schalter, um sich die verschiedenen Indikatoren anzeigen zu lassen.)

Teilhabeatlas: die Indikatoren

Tippen Sie auf die Karte für Details.

Dieses Vorgehen ähnelt dem der Friedrich-Ebert-Stiftung für ihren im April erschienenen Disparitätenbericht - und kommt in großen Teilen zu ähnlichen Befunden:

  • Der ländliche Raum im Osten ist weitgehend abgehängt. Hier ist ein großer Teil der Menschen von Hartz IV abhängig, oft seit vielen Jahren oder bereits in zweiter oder dritter Generation. Dabei sind in den vergangenen Jahrzehnten sehr viele im mittleren und jungen Alter weggezogen - dorthin, wo es Arbeit oder gute Ausbildung gibt: in den Westen oder die Großstädte des Ostens. Vielerorts bildet die ältere Generation die größte Bevölkerungsgruppe. Geschäfte, Restaurants oder Bäckereien mussten meist aufgeben.
    Nur im Speckgürtel um Berlin finden sich Landkreise, in denen die Bewohner ähnlich solide Chancen auf Teilhabe besitzen wie zumeist im Norden und der Mitte Westdeutschlands. Mit Dahme-Spreewald kann nur ein einziger Landkreis mit den wohlhabenden und erfolgreichen Regionen im Süden der Republik mithalten.
  • Auch die Großstädte in den Revieren der westdeutschen Altindustrie bieten vielen ihrer Bewohnern nur wenige Teilhabechancen. Zwar ist die Versorgungslage in Gelsenkirchen, Pirmasens oder Duisburg kaum schlechter als in Hamburg oder München - Ärzte und Supermärkte sind meist nur wenige Hundert Meter entfernt, schnelles Internet und ein guter öffentlicher Nahverkehr sind Standard. Aber der Anteil der Hartz-IV-Bezieher ist erschreckend hoch (in Gelsenkirchen ist es jeder vierte Bewohner, die Kinderarmut liegt noch höher), der der Schulabbrecher ebenfalls. Arbeitsplätze, zumal gute, sind vor langer Zeit verschwunden und keine neuen entstanden.
  • Der Süden Deutschlands ist geprägt von Wohlstand und wirtschaftlichem Erfolg. Fast alle der ländlichen erfolgreichen Regionen liegen in Baden-Württemberg und Bayern, auch die meisten der reichen Großstädte.

Allerdings kommt die Berlin-Stiftung zu einer anderen Einordnung der ostdeutschen Städte: Sie landen mit Ausnahme von Dresden alle in dem städtischen Cluster mit den schlechtesten Teilhabechancen - während die Ebert-Stiftung sie fast ausnahmslos der höchsten Kategorie zurechnete.

Das mag zum einen an einer etwas anderen Auswahl der Indikatoren liegen - vor allem aber scheint es darin begründet zu sein, dass das Berlin-Institut allgemein ein wesentlich größeres Stadt-Land-Gefälle konstatiert: Genau genommen bezeichnet das Berlin-Institut keine einzige Großstadt als "abgehängt", sondern verwendet den Begriff ausschließlich für ländliche Regionen.

Dennoch erscheint es fragwürdig, wenn sich das boomende und optimistische Leipzig im gleichen Cluster befindet wie Gelsenkirchen oder Duisburg. Im Text der Studie weisen aber auch die Forscher des Berlin-Instituts darauf hin, dass die ostdeutschen Städte aufgrund des Zuzugs junger Menschen durchaus Chancen haben, zu den dynamischen und reichen Großstädten des Westens aufzuschließen.

In den abgehängten Regionen befürchten die Forscher allerdings eine fatale Abwärtsspirale: Die schlechte Versorgung mit Geschäften, Arbeitsplätzen, Bildungseinrichtungen und öffentlichem Nahverkehr treibt stets weitere Menschen fort - vor allem die jungen und relativ gut gebildeten. In der Folge müssen die Kommunen die öffentliche Versorgung noch weiter ausdünnen, um sie an die schrumpfende Einwohnerzahl anzupassen und weil ihnen Steuermittel fehlen - was wiederum Menschen aus ihrer eigentlichen Heimat vertreibt.



insgesamt 145 Beiträge
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Seite 1
dolfi 22.08.2019
1. Ich bin zufrieden
... in meiner sehr erfolgreichen ländlichen Region. Gut Versorgung, schnelles Internet, hohe Lebenserwartung, gute Gehälter. Alles richtig gemacht, CSU.
Galluss 22.08.2019
2. Wer bezahle die "wissenschaftliche" Untersuchung?
Die Teilhabe wird die Rentner trösten, die sich die reichen Grossstädte nicht leisten können. Und damit die bloss nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, hat man denen die Rente auf Hartz-Niveau gekürzt und die ehemals verbilligten Eintritts- und Fahrkarten abgeschafft.
unixv 22.08.2019
3. Ich bin nicht zufrieden!
in meiner verlorenen Region. Keine Ärzte, unglaubliches DSL2000 Internet, keine Jobs, Hungerlöhne, alles falsch gemacht, SPD!
freeclimber 22.08.2019
4. Die, die es nie lernen!
Der ländliche Kreis im Osten, wo viele Menschen von Hartz IV leben. Genau dort wählen auch viele Menschen die AfD. Vielleicht sollte den Menschen dort jemand mal sagen, dass die auch völkisch orientierten historischen Vorgänger dieser Partei, so etwas wie Hartz IV nie eingeführt hätten. Sehr wahrscheinlich wird auch eine AfD Hartz IV abschaffen und durch den Arbeitsdienst ersetzen. Und die hartnäckigen Arbeitsverweigerer werden unter dieser Partei dann wohl das Arbeitslager kennen lernen. War alles schon mal da, bei den Völkischen.
NorddeutschePflanze 22.08.2019
5. Alles relativ....
Ich bin beim Überblick bei der Karte "Schnelles Internet" hängengeblieben. Kriterium 50 MBit/s. Das ist für Deutschland schon echt toll, aber vor zwei Wochen habe ich feststellen dürfen, dass das im internationalen Vergleich schlicht erbärmlich lahm ist und nur belegt, dass sich Deutschland zumindest bei diesem Thema auf dem Niveau "alle fahren Fahrrad und meins ist rasend schnell" bewegt und dabei völlig ignoriert wird, dass der Rest der Welt bereits mit dem Auto unterwegs ist. Ich hatte gerade das Vergnügen, in Dänemark in Mitteljütland in einem Studentenwohnheim einen Router anschließen zu dürfen. Geschwindigkeitstest: Download 540 MBit, Upload 440 MBit, also rd. Faktor 10 gegenüber dem, was in Deutschland als schnell bezeichnet wird, und das in einem Studentenwohnheim, wie erwähnt. Dass es in DK flächendeckend (!) ein 4G-Netz gibt, nur mal nebenbei. Es hätte der Studie gut getan, wenn die angesetzten Kriterien auch mit Nachbarländern verglichen worden wären, dann hätte man auch mal vergleichen können, wie abgehängt (oder sicher in manchen Bereichen auch nicht) die einzelnen Regionen wirklich sind.
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