Knappes Angebot in Großstädten Jede dritte Familie wohnt in zu kleiner Wohnung

Betroffen sind vor allem Haushalte mit älteren Kindern sowie Menschen mit Migrationshintergrund: In Großstädten lebt ein Drittel der Familien in überbelegten Wohnungen. Dabei gibt es Lösungsansätze.
Hochhaussiedlung in Baden-Württemberg: Gerade in Großstädten fehlt bezahlbarer Wohnraum

Hochhaussiedlung in Baden-Württemberg: Gerade in Großstädten fehlt bezahlbarer Wohnraum

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum zwingt Menschen zum Zusammenrücken. So wohnt jede dritte Familie in deutschen Großstädten in einer zu kleinen Wohnung. Zu dieser Erkenntnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), das Zahlen für das Jahr 2020 ausgewertet hat . Besonders betroffen sind zudem Menschen mit Migrationshintergrund: Ein Fünftel von ihnen wohnt demnach beengt.

Insgesamt leben in deutschen Großstädten etwa sechs Prozent der Mieterhaushalte in beengten Verhältnissen – also in Wohnungen mit weniger Räumen als Bewohnerinnen und Bewohnern. Auf der anderen Seite der Skala wohnen ebenfalls sechs Prozent in großzügigen Wohnungen: Das ist der Fall, wenn die Zahl der Räume die der Bewohnenden um drei übertrifft, also etwa ein Single in einer Vier-Zimmer-Wohnung.

Familien könnten sich wegen der hohen Mieten oft einen Umzug nicht leisten, außerdem zögen Studierende immer später von zu Hause aus, erklärte das IW die Entwicklung. Während 2003 nur 22,3 Prozent der Studierenden noch zu Hause wohnten, stieg die Quote bis 2018 auf 25,2 Prozent.

Zu knapper Wohnraum könne auch zu innerfamiliären Spannungen beitragen und etwa den Erfolg von Kindern in der Schule gefährden, geben die Forscher zu bedenken.

Energiekrise könnte Umdenken bewirken

In großzügigen Wohnungen wohnen demnach vor allem ältere Bestandsmieter. Das Tauschpotenzial der großen gegen die kleinen Wohnungen zeige sich »nur in der Theorie«, schreiben die Forscher. Denn für viele Bestandsmieterinnen und Bestandsmieter mit Altverträgen sei es schlicht günstiger, in einer größeren Wohnung zu bleiben, als in eine kleinere Wohnung mit teurerem Neuvertrag umzuziehen.

Die Energiekrise könne hier aber ein Umdenken bewirken. »Die gestiegenen Energiepreise setzen Anreize, von größeren in kleinere Wohnungen umzuziehen«, sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. »Die Bereitschaft sich zu verkleinern könnte durch Umzugshilfen und Unterstützungen bei der Wohnungssuche weiter gesteigert werden.«

Das Institut appellierte an die Politik, ihren Teil dazu beizutragen, »den Wohnungsbestand in Deutschland besser zu nutzen«. Das IW nannte etwa Dachausbauten, Aufstockungen oder die Schaffung von Einliegerwohnungen.

Grundsätzlich sei die Quote der Überbelegung im Vergleich zur Wohnkostenbelastung ein besserer Indikator für die Lage am Wohnungsmarkt, schreiben die Forscher.

So liege die Wohnkostenbelastung – also der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Einkommen – in den vergangenen zehn Jahren konstant bei einem Niveau von rund 25 Prozent in den Großstädten. Ursächlich hierfür seien positive Einkommensentwicklungen, geringe Anstiege von Mieten im Bestand und auch die Reaktion vieler Haushalte, nicht umzuziehen. Das wiederum führe dann zur Überbelegung.

mmq/AFP
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