Konjunktur OECD erhöht Wachstumsprognose für Deutschland drastisch

Der deutschen Wirtschaft geht es gut - sogar noch besser als bislang gedacht. Die OECD hat ihre Prognose für dieses und die kommenden Jahre deutlich angehoben. Grund zur Selbstzufriedenheit bestehe jedoch nicht.

Männer arbeiten auf einer Baustelle in München
DPA

Männer arbeiten auf einer Baustelle in München


Die Industriestaaten-Organisation OECD hat ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr von 1,7 auf 2,2 Prozent, für 2018 von 2,0 auf 2,3 Prozent angehoben. 2019 werden 1,9 Prozent erwartet.

"Die Konjunkturbelebung im Euroraum kurbelt Exporte und die Unternehmensinvestitionen an", erklärte die OECD. "Eine niedrige Arbeitslosigkeit und Lohnzuwächse stützen den privaten Konsum." Niedrige Zinsen und die kräftige Nachfrage nach Wohnraum kurbeln zudem die Bauwirtschaft an.

Ungeachtet dessen sieht die Industriestaaten-Organisation OECD eine Menge Reformbedarf in Deutschland: Bessere Kinderbetreuung, schnellerer Breitbandausbau, Entlastung von Geringverdienern. "Angesichts der sehr soliden Haushaltslage besteht Spielraum für die Finanzierung von prioritären Ausgaben- und Steuerreformen", betonte sie. Trotz Fortschritten werde die Nachfrage nach ganztägigen Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder immer noch nicht gedeckt, während die Qualität der Kinderbetreuung nicht überall gleich gut sei.

"Diese Maßnahmen würden es vor allem Frauen erleichtern, familiäre Aufgaben mit einer Vollzeitbeschäftigung zu vereinbaren", erklärte die OECD. Auch seien gerade Kinder aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen auf eine frühe Förderung angewiesen.

Weltweites Wachstum so stark wie seit sieben Jahren nicht

Nachholbedarf sieht die Organisation auch beim schnellen Internet. "Der Ausbau der Hochgeschwindigkeits-Breitbandinfrastruktur ist unzureichend", stellte sie fest. "Eine Beschleunigung des Ausbaus könnte die wirtschaftliche Entwicklung strukturschwacher ländlicher Regionen verbessern."

Weltweit wächst die Wirtschaft so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr. In diesem Jahr dürfte das globale Bruttoinlandsprodukt um 3,6 Prozent zulegen, 2018 um 3,7 Prozent und 2019 erneut um 3,6 Prozent, heißt es. "Das globale Wirtschaftswachstum steigt", sagte OECD-Chefökonomin Catherine Mann.

Nur Grund zum Jubeln sehen die Experten aber nicht. "Die Konjunkturaufhellung ist zwar erfreulich, bleibt aber verhalten im Vergleich zu vergangenen Aufschwungphasen", heißt es in dem Bericht. Investitionen, Handel, Produktivität und Lohnentwicklung litten noch immer unter den Nachwehen der Finanzkrise. Für ein anhaltend starkes Wachstum seien kräftigere Investitionen notwendig.

Die Eurozone dürfte in diesem Jahr mit einem Plus von 2,4 Prozent die weltgrößte Volkswirtschaft USA hinter sich lassen, für die die OECD mit 2,2 Prozent Wachstum rechnet. Im kommenden Jahr soll es in der Währungsunion zu 2,1 und 2019 zu 1,9 Prozent reichen.

bam/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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Motorkopf 28.11.2017
1. Hab ich was verpasst?
"...und Lohnzuwächse stützen den privaten Konsum". Ach ja? Meint man damit vielleicht die Tarifgebundenen Großkonzern-Angehörigen? Durchschlagende Lohnzuwächse kennen die meisten doch seit 20 Jahren nicht mehr...?!
taglöhner 28.11.2017
2.
Zitat von Motorkopf"...und Lohnzuwächse stützen den privaten Konsum". Ach ja? Meint man damit vielleicht die Tarifgebundenen Großkonzern-Angehörigen? Durchschlagende Lohnzuwächse kennen die meisten doch seit 20 Jahren nicht mehr...?!
Die Aussage bezog sich auf den Euroraum.
muellerthomas 28.11.2017
3.
Zitat von Motorkopf"...und Lohnzuwächse stützen den privaten Konsum". Ach ja? Meint man damit vielleicht die Tarifgebundenen Großkonzern-Angehörigen? Durchschlagende Lohnzuwächse kennen die meisten doch seit 20 Jahren nicht mehr...?!
Gemäß Bundesbankdaten ist die Lohnsummer in Q3 2017 um 4,6% gegenüber Q3 2016 gestiegen, die beiden Quartale davor lag der Zuwachs bei 4,5%, im verangenen Jahr waren es zwischen 3,6% und 4,5%, 2015 ebenso, 2014 knapp unter 4%...
jupp78 28.11.2017
4.
Zitat von taglöhnerDie Aussage bezog sich auf den Euroraum.
Außerdem gibt es auch immer jemanden, der was verpasst hat. Treffer würde ich in dem Fall sagen ;).
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