Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben Deutschland setzt EU-Regeln für Vaterschaftsurlaub später um

Berufstätige Väter in der EU haben von nun an Anspruch auf zehn Tage Vaterschaftsurlaub. In Deutschland wird die Vorschrift zunächst nicht umgesetzt – Eltern seien hierzulande schon jetzt besser gestellt.
In ihrem Koalitionsvertrag hat die Regierung aus SPD, Grünen und FDP sich zum Vaterschaftsurlaub bekannt

In ihrem Koalitionsvertrag hat die Regierung aus SPD, Grünen und FDP sich zum Vaterschaftsurlaub bekannt

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Zehn Tage Vaterschaftsurlaub – darauf haben berufstätige Väter durch eine neue EU-Richtlinie Anspruch. Außerdem hat den Vorgaben zufolge jeder Elternteil Anspruch auf mindestens vier Monate Elternurlaub, wobei zwei Monate bezahlt sind. Die Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben tritt am Dienstag in Kraft.

Mit der Maßnahme soll etwa die Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt geregelt werden. Einer Mitteilung der Europäischen Kommission  zufolge liegt die Beschäftigungsquote von Frauen in der EU um 10,8 Prozentpunkte niedriger als die der Männer. Darüber hinaus würden nur 68 Prozent der Frauen mit Betreuungs- und Pflegeverpflichtungen im Vergleich zu 81 Prozent der Männer mit denselben Verpflichtungen arbeiten.

Bis zu drei Jahre Elternzeit in Deutschland

Deutschland setzt neue EU-Regeln für den Vaterschaftsurlaub nach der Geburt eines Kindes zunächst nicht um. Die Bundesregierung hat nach Angaben des Familienministeriums in der EU eine Ausnahme ausgehandelt. Grund seien bereits bestehende Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die teils weit über die neuen EU-Regeln hinausgingen.

»Insbesondere durch das umfassende System aus Elterngeld und Elternzeit werden Eltern in Deutschland schon jetzt besser gestellt, als dies durch die Vereinbarkeitsrichtlinie verpflichtend wird«, sagte eine Sprecherin des Ministeriums der Nachrichtenagentur dpa. In Deutschland können Arbeitnehmer bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen. Teilen sich beide Eltern die Zeit, können bis zu 14 Monate davon bezahlt werden.

Einigen Verbänden reicht das jedoch nicht: Das Väterzentrum Dresden  etwa fordert auch in Deutschland zehn Tage Vaterschaftsurlaub. In ihrem Koalitionsvertrag hat die Regierung aus SPD, Grünen und FDP sich bereits dazu bekannt. »Dazu soll noch in diesem Jahr ein eigenes Gesetz auf den Weg gebracht werden«, sagte die Ministeriumssprecherin der dpa.

Eltern in Dänemark haben Anspruch auf insgesamt 48 Wochen Elternzeit

In Dänemark sind neue Regelungen zur gleichmäßigeren Verteilung der Elternzeit in Kraft getreten. Seit Dienstag sind jeweils elf Wochen für beide Elternteile vorgesehen. Hinzu kommen insgesamt 26 weitere bezahlte Wochen, die in der Praxis beliebig aufgeteilt werden können.

Eltern haben in Dänemark gemeinsam Anspruch auf insgesamt 48 bezahlte Wochen Elternzeit. Bislang waren nur zwei davon für Väter festgeschrieben, für Mütter 14. Die Neuregelung ist Ergebnis einer Vereinbarung, der das Parlament im März mit breiter Mehrheit zustimmte.

Gewerkschaften halten die Neuregelung für einen wichtigen Schritt für bessere Chancen von Müttern auf dem Arbeitsmarkt. Als Vorbilder dienten die nordischen Partnerländer Island, Schweden und Norwegen. Bislang nahmen Mütter in Dänemark den Großteil der Elternzeit in Anspruch.

ani/dpa
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