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08. März 2018, 12:44 Uhr

Demografischer Wandel

Überalterung der Gesellschaft bereitet vielen Deutschen Sorge

Immer mehr Ältere, immer weniger Jüngere: Die Deutschen nehmen den demografischen Wandel zunehmend als Risiko wahr - und richten sich darauf ein, länger zu arbeiten.

In der Bevölkerung wächst offenbar das Bewusstsein für die Folgen des demografischen Wandels. Dabei verbindet eine Mehrheit der Deutschen die Überalterung der Gesellschaft vor allem mit Risiken. Fast zwei Drittel denken dabei vor allem an Altersarmut, längere Lebensarbeitszeit und steigende Rentenbeiträge, wie eine Befragung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt.

Konkret antworteten 65 Prozent der Befragten, die Alterung der Gesellschaft bedeute für Deutschland mehr Risiken als Chancen, nur acht Prozent sahen es umgekehrt. Im Jahr 2014 überwogen mit 55 Prozent zwar auch schon für eine Mehrheit die Risiken, diese war aber deutlich kleiner als bei der jüngsten Befragung.

Demografischer Wandel bedeutet, dass es immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen gibt. Das hat unter anderem große Auswirkungen auf die Rente. Im nächsten Jahrzehnt werden verstärkt die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, die sogenannten Babyboomer. Heute zahlen sie noch Beiträge in die Rentenkasse ein, bald sind sie dann Rentenbezieher.

Demgemäß ist die Bereitschaft gestiegen, länger zu arbeiten. 2002 wollten noch 52 Prozent der Befragten früher als gesetzlich vorgeschrieben in den Ruhestand gehen, 2017 ist dieser Anteil auf 25 Prozent zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil derer, die über die Ruhestandsgrenze hinaus arbeiten wollen, von fünf auf zwölf Prozent.

"Wir waren überrascht, wie stark die Präferenz abgenommen hat, lieber früher als gesetzlich vorgesehen in Rente zu gehen", sagt Bertelsmann-Experte André Schleiter.

Allerdings offenbart die Umfrage auch ein Problem, das die ohnehin bestehende soziale Ungleichheit im Alter noch vergrößern könnte: Ausgerechnet Berufstätige mit niedrigen Einkommen können voraussichtlich wesentlich häufiger nicht über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten, weil sie es gesundheitlich nicht schaffen.

Das gaben 38 Prozent der über 40-jährigen Berufstätigen mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 2500 Euro netto für sich an - bei jenen mit einem Einkommen von mehr als 3500 Euro waren es hingegen nur 21 Prozent. Bei Arbeitern waren es 45 Prozent, bei Angestellten lediglich 26 Prozent.

Auffallend ist, dass eine Mehrheit der Befragten für das Land insgesamt Risiken sieht, aber nur eine Minderheit - etwas mehr als ein Viertel der Befragten - Folgen für sich und das persönliche Umfeld befürchtet.

Von der Politik wünschten sich die Befragten beispielsweise, "dass der Pflegeberuf attraktiver wird und dass sie beim Aufbau einer privaten Altersvorsorge unterstützt werden", sagt Schleiter. Bei den Maßnahmen, die aus Sicht der Bürger wichtig seien, um den demografischen Wandel in den Griff zu bekommen, zeigten sich die Sorgen der Befragten sehr deutlich.

Im Video: Pflegenotstand in Deutschland

Die repräsentative Umfrage führte das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durch. Befragt wurden 1454 Deutsche ab 16 Jahren im Zeitraum von 7. bis 19. Oktober 2017 in persönlichen Interviews.

fdi/dpa

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