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15. Januar 2019, 10:15 Uhr

Plus 1,5 Prozent

Deutschlands Wachstum schwächt sich ab

Europas größte Volkswirtschaft wächst das neunte Jahr in Folge - aber nicht mehr so stark. Handelskonflikte und Probleme der Autoindustrie dämpfen die Entwicklung in Deutschland. Eine Rezession ist aber offenbar nicht in Sicht.

Nach zwei Boomjahren in Folge wächst die deutsche Wirtschaft nicht mehr ganz so stark. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent zu, nach jeweils 2,2 Prozent in den beiden Vorjahren, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin anhand vorläufiger Daten mitteilte.

2018 war das neunte Wachstumsjahr in Folge seit 2010. Damals musste sich Europas größte Volkswirtschaft von der tiefen Rezession 2009 infolge der globalen Finanzkrise erholen.

Im viertel Quartal dürfte die Wirtschaft gewachsen sein. teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin mit. Die Wirtschaft vermied damit voraussichtlich eine sogenannte technische Rezession. Von einem solchen Fall sprechen Experten, wenn das BIP zwei Quartale in Folge sinkt. Eine genauere Schätzung zum vierten Quartal wird Mitte Februar erwartet.

Konsum stützt die Wirtschaft

Gestützt wurde die Konjunktur im vergangenen Jahr von der Kauflust der Verbraucher. Hinzu kamen gestiegene Investitionen vieler Unternehmen sowie der Bauboom. Auch die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge zu.

Der Export fiel als Wachstumstreiber aus. Nach vorläufigen Berechnungen legten die Importe stärker zu als die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen. Die von den USA angeheizten Handelskonflikte belasten das Exportgeschäft.

Hinzu kamen Probleme der für Deutschland so wichtigen Autoindustrie bei der Einführung des neuen Abgas- und Verbrauchsstandards WLTP. Die Hersteller mussten deswegen zeitweise ihre Produktion drosseln. Das belastete die Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal.

Staat erzielt großen Überschuss

Von der seit Jahren positiven Konjunktur und den anhaltend niedrigen Zinsen profitiert weiterhin auch der Fiskus. Der deutsche Staat konnte nach Berechnungen der Statistiker 2018 zum fünften Mal in Folge mehr Geld einnehmen als ausgeben.

Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen machte unter dem Strich 1,7 Prozent des BIP aus, nach 1,0 Prozent im Vorjahr.

Wirtschaftsforschungsinstitute und Bankökonomen hatten zuletzt zwar ihre Konjunkturprognosen für Deutschland gesenkt. Sie gehen aber davon aus, dass der Aufschwung auch in diesem Jahr insgesamt weitergeht.

ssu/dpa

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