Wachstumsmärkte So könnte Deutschland von einem EU-Handelsabkommen mit Indien profitieren

Am Montag empfängt Angela Merkel den indischen Premier Narendra Modi. Eine Studie zeigt nun: Mit einem Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU könnte die deutsche Wirtschaftsleistung um rund fünf Milliarden Euro wachsen.
Hafen von Mumbai

Hafen von Mumbai

Foto: Shailesh Andrade/REUTERS

Die deutsche Wirtschaft würde nach einer aktuellen Studie von einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien kräftig profitieren. Deutschland könne in diesem Fall mit einem um jährlich 4,6 Milliarden Euro höheren Bruttoinlandsprodukt kalkulieren, berechnete das Ifo-Institut im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Ein echtes Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ist jedoch noch lange nicht in Sicht. Bereits seit 2007 laufen die Verhandlungen zwischen Indien und der EU, liegen jedoch seit 2013 offiziell auf Eis. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfängt am Montagabend den indischen Premierminister Modi und die Mitglieder seines Kabinetts zu den vierten deutsch-indischen Regierungskonsultationen.

Ein Abkommen habe nicht nur ökonomische Vorteile für beide Seiten, sondern würde grundsätzlich ein wichtiges Zeichen für den Freihandel setzen, sagte Bertelsmann-Asienexpertin Cora Jungbluth. Zudem könne das Abkommen dazu beitragen, den Wachstumsmarkt Indien besser für europäische Unternehmen zu erschließen.

Langfristig könnte die indische Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent pro Jahr zusätzlich wachsen, betonten die Autoren. Das für Deutschland kalkulierte Plus entspricht 0,15 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

In Deutschland würden besonders Hersteller von Kraftfahrzeugen, Maschinen und Ausrüstung profitieren. Sie könnten ihre Wertschöpfung um bis zu 1,5 Milliarden Euro im Jahr steigern, heißt es. Verlierer wären demnach Dienstleister sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie mit einem erwarteten Minus von jeweils mehreren Hundert Millionen Euro. Indien habe in diesen Bereichen - vor allem aufgrund niedrigerer Löhne - einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.

Hindernisse im Auto- und Pharmasektor

Die größten Hemmnisse aus deutscher Sicht liegen bislang im Automobil- und im Pharmasektor. Wer fertig montierte Pkw nach Indien einführt, zahlt dafür je nach Größe des Fahrzeugs Zölle in Höhe von 60 bis 100 Prozent des Neupreises. Die EU würde diese Hürden auf lange Sicht gerne abschaffen. Indien sähe darin jedoch eine Gefahr für die heimische Produktion. Außerdem wären die indischen Standorte ausländischer Firmen bedroht, die auch wegen der hohen Zölle aufgebaut wurden.

In der Pharmabranche hakt es besonders beim geistigen Eigentum. Indiens gigantische Industrie für Generika - Nachahmermedikamente, die nach Ablauf des Patentschutzes von Originalmitteln günstiger auf den Markt kommen, wird geschützt durch sehr strikte Gesetze. Trotz Patentschutz können indische Gerichte etwa anordnen, dass ausländische Konzerne Zwangslizenzen an indische Generikahersteller vergeben müssen. Ein anderes Gesetz erschwert, dass der Patentschutz für ein Medikament verlängert wird, obwohl der Hersteller es in der Zwischenzeit verbessert hat.

hej/dpa-AFX
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