Forderung nach Ausnahmeregel DGB für Frauenquote light in Männerbetrieben

Die Arbeitgeber sollen sich strikt an die Frauenquote in Aufsichtsräten halten - doch für Vertreter der Belegschaft fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund eine Ausnahmeregel. "Wir müssen uns am Geschlechterverhältnis im Betrieb orientieren."
Maschinenbau: Häufig ist der Frauenanteil in der Belegschaft gering

Maschinenbau: Häufig ist der Frauenanteil in der Belegschaft gering

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa

Berlin/Passau - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht sich bei der geplanten Frauenquote in Aufsichtsräten für Ausnahmeregeln in Betrieben mit hohem Männeranteil aus. "Bei der Wahl der betrieblichen Vertreterinnen und Vertreter der Beschäftigten müssen wir uns am Geschlechterverhältnis im Betrieb orientieren", sagte DGB-Vize Elke Hannack der "Passauer Neuen Presse".

Grundsätzlich solle es sowohl für Arbeitgeber - als auch für externe Gewerkschaftsvertreter in Kontrollgremien eine "Geschlechterquote" von 30 Prozent geben. Vertreter der Belegschaft sollen davon aber ausgenommen sein. Ihre Entsendung in den Aufsichtsrat müsse sich am konkreten Anteilsverhältnis von Frauen und Männern im jeweiligen Unternehmen orientieren, schreibt das Blatt mit Verweis auf ein DGB-Papier. Sonst drohten Probleme dabei, feste Quotenvorgaben etwa in Betrieben mit stark männerdominierten Berufsgruppen umzusetzen.

Wie aus einer am Mittwoch von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) vorgestellten Studie hervorgeht, liegt der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der öffentlichen Unternehmen von Bund, Ländern und Kommunen derzeit bei 25,1 Prozent. Manche Betriebe in der Industrie kommen aber auf geringere Frauenanteile in der Belegschaft. Bei den öffentlichen Unternehmen will Schwesig mit schärferen Vorgaben dafür sorgen, dass große Bundesfirmen wie Bahn, Flugsicherung oder Bundesdruckerei mehr Frauen ins Management holen.

Hoffmann lobt Mindestlohn

Den flächendeckenden Mindestlohn, den der Bundestag heute verabschieden will, wertet DGB-Chef Reiner Hoffmann als Erfolg der Gewerkschaften: "In der politischen Gesamtbewertung allerdings ist ganz klar: Der Mindestlohn ist ein Erfolg für uns Gewerkschaften", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Die SPD hat in der großen Koalition viele von unseren Vorstellungen durchgesetzt."

Vorwürfe, der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gefährde mehr als eine Million Arbeitsplätze, wies Hoffmann als "Propaganda" zurück. "Der Mindestlohn wird kein Jobkiller sein, das bestätigen seriöse Studien und die Erfahrungen aus unseren europäischen Nachbarländern oder den Vereinigten Staaten."

Unakzeptabel an der jetzt gefundenen Regelung sei unter anderem, dass Langzeitarbeitslose in einem neuen Job das erste halbe Jahr außen vor blieben. "Und bei den Saisonarbeitern hat sich die Bauernlobby durchgesetzt", kritisierte Hoffmann. Er sei aber froh, "dass es keine regionalen Ausnahmen gibt und keine dauerhaften Ausnahmen für bestimmte Wirtschaftsbereiche.

mik/dpa-AFX
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