Konflikt mit Russland Gewerkschaftsbund warnt vor »sprunghaftem Anstieg der Arbeitslosigkeit«

Was passiert mit Deutschlands Wirtschaft, wenn Russland den Gashahn abstellt – oder Berlin selbst einen Energieboykott verhängt? Möglicherweise eine Krise am Arbeitsmarkt, prophezeit der DGB.
Logo der Bundesagentur für Arbeit an einer Zweigstelle in Düsseldorf

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Foto: Fabian Strauch/dpa

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, hat angesichts eventuell ausbleibender Energielieferungen aus Russland vor einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit gewarnt. »Ein möglicher Lieferstopp hätte gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaftsstruktur«, sagt er den Zeitungen, die zum Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gehören.

»Es drohen irreparable Schäden an den industriellen Wertschöpfungsketten und ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit.« Eine derartige Rezession könne wiederum leicht zu einem Domino-Effekt führen und den gesamten europäischen Wirtschaftsraum schwer schädigen, warnte Hoffmann. Die Folgen seien »derzeit kaum seriös abzusehen«.

Post warnt vor »Zusammenbruch von Teilen unserer Industrie«

Diese Sorge wird von vielen energieintensiven Branchen geteilt. »Die Verfügbarkeit von Gas ist für die Aluminiumindustrie und ihre Produktionsprozesse von enorm hoher Bedeutung«, teilte der Branchenverband Aluminium Deutschland in Düsseldorf mit. Die Produkte durchliefen in der Fertigung eine mehrmalige Wärmebehandlung. »Diese Prozesse erfordern eine hohe Präzision und sind auf den Einsatz von Gasöfen zugeschnitten«, sagte ein Sprecher.

Um die erforderlichen Eigenschaften zu erreichen, könnten Gasöfen nicht ohne Weiteres durch Elektro- oder Wasserstoff-Öfen ersetzt werden. Ein Ersatz sei ein aufwendiger Prozess, der außerdem mit einem hohen Investitionsaufwand verbunden wäre. Die Aluminiumindustrie beobachte die jüngsten Entwicklungen daher »mit großer Sorge«.

Auch Post-Chef Frank Appel geht davon aus, dass ein Embargo für Deutschland und Europa verheerende Folgen haben könnte. »Es würde ein Zusammenbruch von Teilen unserer Industrie drohen«, sagt der Manager dem »Handelsblatt«. Ein solcher Schritt werde nicht sicherstellen, dass der Krieg in der Ukraine beendet würde. »Wenn man sich selbst massiv schwächt, wird man nicht gewinnen«, so Appel. Er begrüße es zudem, dass die Bundesregierung nicht sofort auf jedes Thema springe, sondern »unaufgeregt und klar« Entscheidungen fälle.

beb/dpa
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