DGB-Statistik Mickriger Lohn trotz guter Ausbildung

2,2 Millionen Deutsche verdienen miserabel - obwohl sie eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und in einem Vollzeitjob arbeiten. Laut einer DGB-Statistik rutschen immer mehr Qualifizierte in den Niedriglohnsektor.
Friseurinnen: Die Hälfte aller Niedriglöhner hat eine abgeschlossene Berufsausbildung

Friseurinnen: Die Hälfte aller Niedriglöhner hat eine abgeschlossene Berufsausbildung

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Berlin/Saarbrücken - Eine Berufsausbildung garantiert selbst bei einer Vollzeitanstellung keinen komfortablen Verdienst. Im Jahr 2010 zählten rund 2,2 Millionen Vollzeitarbeiter mit Berufsabschluss zu den Geringverdienern. Das waren knapp 150.000 mehr als im Jahr 1999, wie aus einer Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hervorgeht, aus der die "Saarbrücker Zeitung" zitiert und die auch SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Für die Erhebung wertete der Arbeitsmarktexperte beim DGB-Bundesvorstand, Wilhelm Adamy, die Meldungen für die Sozialversicherung aus, die die Arbeitgeber für ihre Beschäftigten vornehmen. Demnach verfügt rund die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnbereich über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Adamy zog für die Definition des Niedriglohns die auch von der OECD angewandte Methode heran. Ihr zufolge zählt als Niedriglöhner, wer weniger als zwei Drittel des nationalen Medianeinkommens verdient.

Konkret lag demnach die Niedriglohnschwelle 2010 in den westdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1890 Euro, in Ostdeutschland waren es 1379 Euro. Gemessen daran betrug der Anteil der Niedriglöhner an allen Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss im Westen 16,0 Prozent und im Osten 19,2 Prozent.

Viele finden keinen Job in ihrem erlernten Beruf

Seit 1999 hat sich der Auswertung zufolge der negative Trend verfestigt: "Der Anteil der Menschen mit Niedriglohn unter den qualifizierten Vollzeitbeschäftigten ist stark gestiegen", sagt Adamy. Für diesen Effekt ist jedoch seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts allein die Entwicklung in Westdeutschland verantwortlich - während die Quote dort zwischen 2005 und 2010 von 15 auf 16 Prozent stieg, fiel sie im Osten von 20,0 auf 19,2 Prozent.

Die hohe Zahl und der steigende Anteil an ausgebildeten Niedriglöhnern passten nicht zu den Klagen der Arbeitgeber über Fachkräftemangel, heißt es in der DGB-Auswertung. Sie seien eher ein Indiz dafür, dass Ausgebildete nicht qualifikationsgerecht vergütet und Qualifikationspotentiale nicht genutzt würden. Allerdings sei auch richtig, dass viele Ausgebildete keine Beschäftigung in ihrem erlernten Beruf finden. Je länger diese Situation andauere, desto weniger Wert sei die erworbene Qualifikation.

Trotz des gestiegenen Anteils liegt jedoch das Risiko, als Vollzeitbeschäftigter einen Niedriglohn zu erhalten, für Qualifizierte lediglich halb so hoch wie bei Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss.

fdi/dpa
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