Umfrage in Kommunen Digitalisierung könnte Landflucht stoppen

Metropolen ziehen Menschen an, weil sie dort gute Arbeitsplätze und bessere Infrastruktur vorfinden. Doch die Verlagerung zentraler Lebensbereiche ins Internet könnte die Unterschiede zwischen Stadt und Land auflösen.

Viele kommunale Unternehmen erwarten, dass das Leben auf dem Land durch die Digitalisierung attraktiver wird. Das geht aus den Antworten von mehr als 300 Firmen hervor, die der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) befragt hat.

Laut der Erhebung, die dem SPIEGEL vorliegt, schätzen rund 84 Prozent der Befragten, dass der ländliche Raum durch die Digitalisierung als Wohn- und Arbeitsort aufgewertet wird. 67 Prozent gaben an, die zunehmende Verlagerung von Lebensbereichen wie Bildung, Wirtschaft, Politik oder Medizin ins Internet könne die strukturellen Nachteile des Lebens auf dem Land reduzieren.

Nach Meinung der Firmen kann die Digitalisierung unter anderem dabei helfen, den Bevölkerungsschwund zu beenden, Arbeitsplätze aufs Land zu verlagern und die Eigenständigkeit von Anwohnern bis ins hohe Alter zu erhalten.

Die befragten Firmen repräsentieren unterschiedliche Branchen und Lebenswelten. Sie stammen aus 15 verschiedenen Bundesländern, nur aus Hamburg ist kein Unternehmen dabei. Etwa 42 Prozent der Firmen stammen aus wachsenden Ballungsräumen, rund 34 Prozent aus schrumpfenden Regionen.

Die Unternehmen sind in ganz unterschiedlichen Wirtschaftssektoren tätig: im Strom-, Gas- und Wärmebereich, im Wasser- und Abwassersektor, in der Abfallwirtschaft und Telekommunikation, aber auch in kleinen Sparten wie der Straßenbeleuchtung oder -reinigung und dem Betrieb von Parkhäusern.

Glasfaserkabel

Glasfaserkabel

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Große Hoffnung, langsames Internet

Die hohen Erwartungen der Firmen in die Digitalisierung kollidieren mit dem schleppenden Ausbau eines schnellen Internets in Deutschland. In vielen Gemeinden liegt die Download-Geschwindigkeit noch immer deutlich unter 50 Megabit pro Sekunde.

Knapp 65 Prozent der befragten Firmen teilten mit, der Breitbandausbau sei derzeit die größte Herausforderung in ihrem Geschäftsgebiet. Ein Unternehmen bezeichnete das bisherige Glasfasernetz als "ineffizienten Flickenteppich". Ein anderes schlug vor, die Telekommunikationsanbieter zum Breitbandausbau ebenso zu verpflichten wie die Stromnetzbetreiber zum Anschluss von Ökostromanlagen.

Unter den Befürwortern eines schnellen Breitbandausbaus finden sich auch branchenuntypische Unternehmen. So versuchen inzwischen sogar Abfallentsorgungsfirmen und Wasserwerke, die flächendeckende Versorgung ihrer Gemeinden mit schnellem Internet voranzutreiben.

Der VKU selbst fordert mehr politisches Engagement bei der Digitalisierung. "Der Glasfaserausbau ist das wichtigste Infrastrukturprojekt der Legislaturperiode", sagte Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche. "Zu gleichwertigen Lebensverhältnissen gehört der Zugang zu hochleistungsfähiger digitaler Infrastruktur."

Neben langsamem Internet beklagen die kommunalen Firmen in der VKU-Umfrage noch weitere Probleme. 57 Prozent monierten steigende Kosten für Strom- und Abwassernetze. Vor allem Regionen, in denen die Bevölkerung schrumpft, haben dieses Problem - da die Kosten für den Erhalt der Infrastruktur auf immer weniger Schultern verteilt werden.

Und rund 48 Prozent halten eine Verkehrswende für besonders wichtig. Die Verkehrsinfrastruktur hinke dem zunehmenden Pendleraufkommen hinterher, kritisierten sie. Auf den oft zu kleinen Straßen gebe es zur Rushhour lange Staus, an manchen Park-and-ride-Stationen finde man ab 6.30 Uhr keinen freien Parkplatz mehr.

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