Diplomatische Initiative Indien und Pakistan streben Freihandel an

Sie sind seit mehr als 60 Jahren verfeindet - jetzt planen Pakistan und Indien einen vorsichtigen Kurswechsel. Die Atommächte wollen laut "Financial Times" ihren Handel stark ausbauen und sich so auch politisch annähern.

Indiens Außenminister Krishna, pakistanische Amtskollegin Khar: Bevorzugter Partner
DPA

Indiens Außenminister Krishna, pakistanische Amtskollegin Khar: Bevorzugter Partner


Lahore - Im schwierigen Verhältnis zwischen Indien und Pakistan zeichnet sich eine Wende ab: Bislang galten die beiden Atommächte als Erzrivalen, die sich nicht über den Weg trauen und seit ihrer Gründung im Jahr 1947 bereits dreimal Krieg gegeneinander führten. Nun sollen engere wirtschaftliche Beziehungen zu einer Entspannung führen. Laut der "Financial Times" ("FT") sind die Planungen dafür insbesondere auf pakistanischer Seite weit fortgeschritten. Bereits im November sollen Regierungsvertreter beider Seiten die Details eines Abkommens beschließen.

Konkret plant die Regierung in Islamabad dem Bericht zufolge, Indien den Status eines bevorzugten Handelspartners zu geben. Die Zeitung beruft sich auf ein Gespräch mit der pakistanischen Außenministerin Hina Rabbani Khar, die erst seit Juli im Amt ist. Bei ihrem Antrittsbesuch in Neu-Delhi vereinbarte sie mit ihrem indischen Amtskollegen S. M. Krishna eine "neue Ära" der gegenseitigen Beziehungen.

Derzeit befindet sich der Handel zwischen den beiden Staaten auf sehr geringem Niveau. Laut dem Bericht beträgt das jährliche Volumen offiziell 2,7 Milliarden Dollar, weitere drei Milliarden Dollar werden nach Schätzungen über illegale Handelswege umgesetzt. Im Vergleich dazu tauschte Pakistan mit China jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von neun Milliarden Dollar aus. Nun haben Pakistan und Indien vereinbart, das gegenseitige Handelsvolumen innerhalb von drei Jahren auf immerhin sechs Milliarden Dollar zu verdoppeln.

Künftig könne laut Außenministerin Khar Pakistan zudem als Transitland für den Handel zwischen Indien und Zentralasien dienen - sowohl über Straßen als auch in Form von Pipelines. Zurzeit wird dem Bericht zufolge bereits der zentrale Grenzübergang Wagha modernisiert und erhält neue Einrichtungen für den Güterverkehr. In den kommenden Wochen sollen zudem auf beiden Seiten die bislang hohen Visa-Anforderungen für Geschäftsleute erheblich reduziert werden.

"Ein Land kann weder wirtschaftlich noch politisch für sich allein als Motor einer Region dienen, wenn dort seit Jahren Konflikte schwelen", sagte Khar der "FT". "Es ist in beiderseitigem Eigeninteresse, diese Konflikte zu lösen." Einer der Hauptstreitpunkte ist nach wie vor die von Muslimen bewohnte Grenzregion Kaschmir, die unter indischer Kontrolle steht, aber von beiden Staaten beansprucht wird. Bislang galt die Lösung dieses Streits als Voraussetzung für eine Liberalisierung des Handels - nun soll der angestrebte Freihandel auch ohne eine Einigung über Kaschmir zustande kommen.

fdi

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
ErekoseSK 18.10.2011
1. .
Würde gerne wissen was die chingesische und amerikanische Regierung davon hält.
Layer_8 18.10.2011
2. hmm
Zitat von sysopSie sind*seit mehr als 60 Jahren*verfeindet - jetzt planen Pakistan und Indien einen vorsichtigen Kurswechsel. Die*Atommächte*wollen laut*"Financial Times"*ihren Handel*stark ausbauen und sich so auch politisch annähern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792459,00.html
Vielleicht hat die Globalisierung auch was gutes. Zumindest zwischenstaatliche Kriege werden immer schwerer ausbrechen können. Aber das mit Pakistan und Indien glaub ich erst wenns war geworden ist...
Satiro, 18.10.2011
3. Hoffnung?
Zitat von ErekoseSKWürde gerne wissen was die chingesische und amerikanische Regierung davon hält.
Wenn beide Länder das Geld, welches, Sie für ihre in Kashmir stationierte Soldateska sowie in die aufgrund dieses Konfliktes angeblich erforderlichen Rüstungsmaßnahmen in Kashmirs wirtschaftliche Entwicklung investiert hätten, dann wären nicht nur diese Teile Kashmirs sondern auch der Rest von Indien und Pakistan viel weiter entwickelt als das heutige China , das einen dritten Teil Kashmirs besetzt hält . Gut möglich, dass dann auch den fanatisierten religiösen Eiferen in beiden Ländern die soziale Grundlagefür ihre Umtriebe entzogen wäre. Allerdings wären dann wahrscheinlich auch in beiden Ländern nicht Politiker an die Macht gekommen, die zu ihrem Aufstieg und Machterhalt nicht auf das Schüren primitivster nationalistischer Emotionen in ihren Völkern angewiesen waren. Die Kashmirs sind zumeist sehr nette und freundliche Menschen . Sie hätten Besseres verdient als diese Machthaber in der Vergangenheit. Kashmir selbst hätte m.E. das Potential, zu einer asiatischen Schweiz zu werden: Litteratur : V.S. Naipaul: >> Indien, Land des Aufruhrs > Mitternachtskinder
Monark™ 18.10.2011
4. Gute Nachrichten, aber erstmal abwarten, was draus wird.
Zitat von ErekoseSKWürde gerne wissen was die chingesische und amerikanische Regierung davon hält.
Auch Amerikaner und Chinesen dürften an einer Entschärfung des indisch-pakistanischen Konflikts interessiert sein. Schließlich sind Atomwaffen im Spiel.
hansklauspeter 18.10.2011
5. ...
Zitat von Layer_8Vielleicht hat die Globalisierung auch was gutes. Zumindest zwischenstaatliche Kriege werden immer schwerer ausbrechen können. Aber das mit Pakistan und Indien glaub ich erst wenns war geworden ist...
Naja, aus Pakistanischer Sicht ist das Vorgehen naheliegend. Eine Frau als Außenministerin muss irgendwie Punkte sammeln. Eine Annäherung an Indien ist da durchaus etwas wo sie sich beweisen kann. Letztlich wünsche ich mir natürlich einen Erfolg, der evt. auch Vorbildcharakter für andere lokale Krisen haben könnte. Denn hier wird jetzt ohne irgendwelche Vorbedingungen zusammengearbeitet und evt. wird eine Lösung der Kashmir-Frage dann garnicht mehr nötig.
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