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23. Juni 2013, 12:34 Uhr

Marode Straßen und Brücken

Forscher fordern Milliardeninvestitionen in Deutschland

Straßen, Schulen, Stromtrassen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung plädiert nach SPIEGEL-Informationen für massive Investitionen in Deutschland. Ingesamt soll sich ein Investitionsrückstand von einer Billion Euro aufgestaut haben.

Hamburg - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert nach SPIEGEL-Informationen ein enormes Investitionspaket: Jährlich sollten 75 Milliarden Euro ausgegeben werden, unter anderem um die Infrastruktur in Deutschland zu modernisieren. In den vergangenen Jahren seien Deutschlands Straßen, Schienen, Brücken und Kanäle substantiell vernachlässigt worden, heißt es in einer Studie, die das DIW in dieser Woche veröffentlichen will. Zudem müsste viel mehr Geld in den Bildungssektor investiert und Anreize für private Investitionen etwa im Energie- und Telekommunikationssektor gesetzt werden.

Die Investitionslücke, die Staat und Wirtschaft seit Ende der neunziger Jahre zugelassen hätten, belaufe sich jährlich auf eine Größenordnung von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, heißt es vom DIW. So habe sich ein Erneuerungsbedarf von einer Billion Euro aufgestaut. Einen großen Teil der erforderlichen Investitionen solle der Staat bereitstellen.

Die Mittel dafür sind nach Einschätzung der Berliner Forscher vorhanden. So rechnet das DIW allein für 2017 mit Haushaltsüberschüssen von 28 Milliarden Euro. Hinzu kommen zehn Milliarden Euro, die der Bund trotz Schuldenbremse auch künftig jährlich an neuen Krediten aufnehmen darf.

"Die Finanzpolitik sollte die gute Kassenlage nutzen und heute die Weichen für ein zukünftig höheres Potentialwachstum stellen", heißt es in der Studie. "Mit einem solchen Paket könnten wir unser Wachstumspotential mittelfristig von 1,0 auf 1,6 Prozent erhöhen", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher dem SPIEGEL. Durch höhere Importe würde Deutschland so auch der Euro-Zone helfen. "Über die europäische Produktionskette stützen wir dann auch die Konjunktur in Spanien oder Italien."

Das DIW traut der heimischen Konjunktur nach der jüngsten Delle also wieder deutlich bessere Zeiten zu. "Trotz Schwächephase im Winterhalbjahr behauptet sich die deutsche Wirtschaft gut und wird vor allem im kommenden Jahr kräftig wachsen", sagte Fratzscher.

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