Bezahlung nach Behandlungserfolg Krankenhäuser sträuben sich gegen Plan der Koalition

Wie Patienten ihre Klinik bewerten, soll sich künftig auf deren Budget auswirken. Doch der Plan der Großen Koalition stößt bei den Krankenhäusern auf wenig Gegenliebe. Die Schuld an schlechten Behandlungsergebnissen trügen oft die Patienten selbst.
Eingang zur Notaufnahme: Krankenhäuser klagen über Milliardenlöcher

Eingang zur Notaufnahme: Krankenhäuser klagen über Milliardenlöcher

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Hamburg - Die Krankenhäuser in Deutschland stemmen sich gegen das Vorhaben der Koalition, ihre Bezahlung stärker an Behandlungserfolg oder -misserfolg auszurichten. Vielmehr müsse die Politik wachsende Finanzlücken bei den Krankenhäusern in Milliardenhöhe rasch schließen, forderte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG).

Zu- und Abschläge je nach Behandlungsqualität sind ein zentrales Ziel der Koalition im Kliniksektor. Die Koalition will ein Qualitätsinstitut einrichten. Patientendaten sollen ausgewertet und so die Qualität der Kliniken transparenter werden. DKG-Präsident Alfred Dänzer wandte ein, es sei nicht messbar, ob die Patienten von Ärzten aufgestellte Verhaltensregeln auch einhielten. Davon hänge aber zentral der Behandlungserfolg ab.

Ein staatliches Qualitätsinstitut sei trotzdem zu begrüßen, sagte Dänzer. Denn heute verunglimpften Krankenkassen wie die AOK die Krankenhäuser mit übertriebenen Warnungen vor Behandlungsrisiken. Patienten würden verunsichert.

Krankenhäuser können Tausende Stellen nicht besetzen

Der Kassen-Spitzenverband entgegnete, die Qualität von Operationen müsse bei der Bezahlung berücksichtigt werden. "Wir wünschten uns, dass sich die Klinikverbände an die Spitze der Bewegung stellten, statt sich im Bremserhäuschen einzurichten", sagte Sprecher Florian Lanz.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) begann laut der Mittwochsausgabe der "Bild"-Zeitung mit Vorbereitungen zur geplanten Klinik-Reform. In einem Schreiben lud er die Gesundheitsminister der Länder ein, Vertreter für eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu benennen, die am 24. März ihre Arbeit aufnehmen und die Reformpläne konkretisieren soll.

Die DKG zeichnete ein düsteres Bild der Lage der Kliniken. "Über 50 Prozent der Krankenhäuser schreiben rote Zahlen", sagte Dänzer. Die Häuser hätten zunehmend Probleme, Ärzte, Pfleger und Assistenten zu gewinnen und zu halten. "Wir haben 10.000 freie Stellen", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Die Arbeitsbelastung und die Attacken von Krankenkassen führen laut DKG dazu, dass die Motivation der Mitarbeiter sinke und viele nicht zu halten seien. Es gebe auch immer höhere Standards etwa für die Frühchen-Versorgung, nötige Finanzmittel würden aber nicht bereitgestellt.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verwies darauf, dass von den gesetzlichen Kassen Jahr für Jahr zusätzliche Milliarden an die Kliniken fließen - im vergangenen Jahr insgesamt 60 Milliarden Euro.

ade/dpa/AFP
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