US-Wirtschaft nach der Wahl Amerika auf dem Trumpelpfad

Wohin steuert Donald Trump die US-Wirtschaft? Die Erfahrungen mit anderen populistischen Führungsfiguren lassen einiges erwarten - und zwar wenig Gutes.

Donald Trump (Archivbild vom Juli 2016)
AFP

Donald Trump (Archivbild vom Juli 2016)

Eine Kolumne von


Die Welt rätselt. Was will Donald Trump? Welche Art Präsident wird er sein? Stürzt er Amerika und den Rest des Globus ins Chaos? Oder wird am Ende vielleicht alles gar nicht so schlimm?

Noch ist vieles offen. Noch gibt es keine Regierungsmannschaft. Wie sein Verhältnis zum Parlament sein wird, muss sich erweisen. So etwas wie ein Programm existiert nicht, auch nicht in der Wirtschaftspolitik, die ja das zentrale Thema des Wahlkampfs war.

So viel lässt sich jetzt schon sagen: Sollte Trump frühere Ankündigungen umsetzen, werden die USA weltweit die Finanzmärkte in Aufregung versetzen. Zinsen und Wechselkurse zucken bereits jetzt, Anleger sollten sich auf die eine oder andere Achterbahnfahrt vorbereiten. Von wichtigen Partnerländern, gerade von Deutschland, dürfte der neue Präsident geringere Exportüberschüsse und höhere Rüstungsausgaben fordern.

Das klingt alles ein bisschen nach Retro-Wirtschaftspolitik: nach den frühen Achtzigerjahren, als Ronald Reagan ein paar aufregende erste Jahre hinlegte, sich dann aber als durchaus erfolgreicher Präsident erwies. Der Unterschied ist nur: Reagan war kein Populist. Er war ein konservativer Geschichtenerzähler, strammer Antikommunist und Marktliberaler. Sein Denken beruhte auf einem Set von Überzeugungen, die ihn auch unpopuläre Entscheidungen treffen ließen.

Welche Überzeugungen aber hat Trump? Offenkundig nicht viele. Nach Jahrzehnten, in denen er als öffentliche Figur die Klatschspalten und Reality-TV-Formate füllte, lässt sich so viel sagen: Trump will gemocht und bewundert werden. Er will Anerkennung. Es ist deshalb nicht abwegig anzunehmen, dass er seine Wirtschaftspolitik zuvörderst an Umfragewerten ausrichten wird. Hauptsache, er ist beliebt. Das heißt aber auch: Wenn seine Popularitätswerte in den Keller gehen, könnte es ziemlich ungemütlich werden.

Was wir über Populismus gelernt haben

Es gibt diverse Erfahrungen mit populistischer Wirtschaftspolitik. Lateinamerika durchläuft seit Jahrzehnten immer wieder populistische Phasen. Europa hat den italienischen Premier Silvio Berlusconi erlebt und hat es nun mit Viktor Orbán in Ungarn zu tun. Auch Recep Tayyip Erdogans Politik trug populistische Züge, bevor er sich zum Autokraten wandelte. Vorbilder, von denen sich einige Schlussfolgerungen ableiten lassen:

  • Makro schlägt Mikro.
    Populismus als politische Strömung und Strategie fußt darauf, widerstrebende Interessen in der Bevölkerung zu übertünchen. Die Einheit des Volkes wird beschworen, ein großes Wir konstruiert. Das mühsame Geschäft mikroökonomischer Strukturreformen passt nicht zu dieser Grundausrichtung: Wer die Funktionsweise von Märkten und Institutionen verbessern will, produziert zwangsläufig Verlierer. Es gibt Widerstände, Streiks, Ärger. Populistische Wirtschaftspolitik fokussiert sich deshalb typischerweise auf makroökonomische Instrumente: staatliche Sozial- und Investitionsprogramme, Steuersenkungen, niedrige Zinsen. Unabhängige Notenbanken sind mit diesem Ansatz übrigens nur bedingt kompatibel.
  • Kurz schlägt lang.
    Populisten neigen zur radikalen Vereinfachung komplexer Sachverhalte - und zu entsprechend einfachen Lösungsvorschlägen. Wer im Wahlkampf rasche Problembeseitigung versprochen hat, neigt dazu, an wirtschaftspolitischen Stellschrauben zu drehen, die schnelle Wirkung versprechen. Ob diese Maßnahmen langfristig tragfähig sind, steht auf einem anderen Blatt.
  • Innen schlägt außen.
    Populistische Politik ist prinzipiell kompatibel mit einer international ausgerichteten Wirtschaft. Erdogans Türkei war in ihren Boomjahren eine durchaus offene Volkswirtschaft, die ausländische Investoren einlud. Auch Orbáns Ungarn hat nichts gegen internationale Konzerne, die sich im Land engagieren. Solange Jobs und Einkommen im Inland entstehen, gibt es keinen Konflikt. Problematisch wird es, wenn die Wirtschaft nicht mehr läuft. Dann hat im Zweifel der kurzfristige Schutz inländischer Jobs Priorität, siehe die rigide Zollpolitik Argentiniens und Brasiliens in den vergangenen Jahren.
  • Inszenierung schlägt Substanz.
    Wenn die Popularität des populistischen Führers das Hauptziel der Politik ist, genügt es womöglich, ein großes, buntes Staatsschauspiel aufzuführen - und wirtschaftspolitisches Handeln weitgehend zu unterlassen. Silvio Berlusconi zum Beispiel: In der Makropolitik hatte er keinen Bewegungsspielraum - als Mitglied der Eurozone konnte Italien weder eine eigene Geld- noch eine unabhängige Finanzpolitik betreiben. Notwendige, aber unpopuläre Strukturreformen packte er einfach nicht an. Was blieb, war ein stets triviales, manchmal frivoles und häufig peinliches Polittheater. Vertane Jahre, unter denen Italien bis heute leidet.

Möglich, dass Trump eine Art amerikanischer Berlusconi wird: Hauptdarsteller in einer täglichen Reality-Soap - ein Inszenierer des Staatsgeschäfts und seiner selbst. Das eigentliche Regieren übernähme in diesem Szenario ein konservatives Team um Vizepräsident Mike Pence, das sich mit einem ebenfalls konservativ dominierten Kongress auf ein Minimalprogramm - ein paar Steuersenkungen, moderate Ausgabenerhöhungen - einigt und ansonsten Trumps großsprecherische Ankündigungen gekonnt ausbremst.

Donald Trump (l), Silvio Berlusconi
DPA

Donald Trump (l), Silvio Berlusconi

Solange die Wirtschaft läuft, weiterhin Jobs entstehen und die Inflation nicht aus dem Ruder läuft, könnte das genügen, um die Umfragewerte des Präsidenten oben zu halten. Trumps Rolle würde sich darauf beschränken, Amerikas angebliche neue Greatness in Szene zu setzen.

Was, wenn es Probleme gibt?

Wenn die Wirtschaft allerdings zu stottern beginnt, dürfte es mit seiner Popularität nicht mehr weit her sein. Dann könnte ein ganz anderer Trump auftreten: einer, der Schuldige für die Misere sucht - einer, der rabiat zur Sache geht und Konflikte sucht mit ausländischen Handelspartnern, die sich angeblich unfaire Vorteile verschaffen; mit der US-Notenbank, die angeblich die Wirtschaft mit zu hohen Zinsen abwürgt; mit Ratingagenturen, die Amerikas schlechtere Finanzlage mit Herabstufungen quittieren; mit internationalen Institutionen wie dem IWF, der OECD oder der WTO, die die USA zu einem Kurswechsel auffordern.

Eigentlich hätte der neue US-Präsident genug anzupacken. Der Pfad der wirtschaftlichen Entwicklung ist abgeknickt; um gerade noch 1,5 Prozent jährlich wächst das Produktionspotenzial. In den Neunzigerjahren waren es nach OECD-Berechnungen noch 3,2 Prozent, in den Nullerjahren 2,2 Prozent. Wer Amerika wirklich wieder great machen will, müsste sich vor allem darum bemühen, den Wachstumspfad nachhaltig anzuheben.

Das aber ist ein schwieriges Geschäft. Es geht zum Beispiel um Bildung: Von der frühkindlichen Erziehung bis zur Qualität von Schulen und Hochschulen - jenseits teurer privater Eliteinstitute sind die Resultate des US-Bildungssystems dürftig im Vergleich zu anderen reichen Ländern. Es geht um Umwelt: Die USA müssen ihren Energie- und sonstigen Ressourcenverbrauch deutlich senken, um nachhaltig konkurrenzfähig zu sein. Es geht um Steuern: Die gestiegenen Ansprüche an den Staat müssen nachhaltig finanziert werden. Dafür braucht Amerika höhere Steuereinnahmen und ein effizienteres Steuersystem, beispielsweise eine allgemeine Mehrwertsteuer, die inzwischen überall in der entwickelten Welt zum Standard gehört.

Aber all das wird nicht geschehen. Derlei Strukturreformen sind umstritten, unpopulär, langwierig. Und deshalb unattraktiv - populistisch gesehen.

Die wichtigsten Wirtschaftstermine der kommenden Woche

MONTAG

Tokio - Globalisierungsindikator - Neue Zahlen vom japanischen Außenhandel im Oktober.

Brüssel - Großeinkauf - Die Frist für die EU-Wettbewerbskommissarin läuft ab im Fall der Übernahme der französischen Supermarktkette Colruyt France durch den deutschen Metro-Konzern.

DIENSTAG

Brüssel - Die Stimmung vor Weihnachten - Neue Zahlen zum Verbrauchervertrauen in der Eurozone.

MITTWOCH

London/Berlin - Dunkle Wolken, heitere Atmosphäre? - Neues zur Stimmung bei den Einkaufsmanagern der Unternehmen in Deutschland und in der Eurozone insgesamt, veröffentlicht vom Institut Markit.

DONNERSTAG

München/Nürnberg - Deutsche Launen - Konjunkturfrühindikatoren: Neue Zahlen vom Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland und vom Gfk-Konsumklimaindex.

Essen - Stahlharte Zeiten - ThyssenKrupp stellt seine Jahresbilanz vor.

FREITAG

Tokio - Deflation, Inflation, Trumpflation? - Das lange deflationsgeplagte Japan meldet neue Erkenntnisse von der Preisentwicklung.



insgesamt 133 Beiträge
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Hinrich7 20.11.2016
1. die allgemeine Weltströmung
sollte man untersuchen, und zwar nicht von einem dünkelhaften, elitären Standort, sondern von Menschen die von diesen allgemeinen Verunsicherungen betroffen sind. Ein Berlusconi sprach direkt Volkesmeinung an, ebenso wie Trump allgemeine Volksmeinung ansprach. Eine freie allgemeine Wahl ist gerade in den USA Illlusion, gerade wegen der Wahlmänner. Es hat sich seit der Antike wenig geändert, als in Pompeji das Unheil ausbrach wollten viele ihr Gold retten. Auch in unseren jetzigen Zeiten geht häufig nur um Geld, Gold und Ansehen. Anscheinend lieben viele Menschen den Glanz der Reichen und Mächtigen so sehr, nur vergessen sie dabei das alles vergänglich ist. In unserer auf Ausbeutung der Erdoberfläche getrimmten Gesellschaft ist es weniger üblich die Vergänglichkeit zu betrachten, als immer wieder auf aktuelle Werte wie Ansehen und Erfolg zu bauen. Die Kirchen haben eindeutig in dieser Richtung versagt, die Linken in ihrer einseitigen Betrachtung der sozialen Strömungen haben ebenso versagt. Die sogenannten Konservativen haben die Ausbeutung der Erdoberfläche zum Ziel, und zwar nicht zum Wohle Aller, sondern um ihre Taschen zu füllen. Es ist anscheinend auch gleich ob am Ende eines Menschen davon nichts mehr bleibt, sondern es zählt gerade bei Menschen wie Trump, Berlusconi, Erdogan, Putin und wie auch immer sie alle heißen der Augenblickserfolg, frei nach Goethe: Vergänglichkeit, verweile doch du bist so schön.
HansGnodtke 20.11.2016
2. Hätte, könnte, würde...
Man HÄTTE oder KÖNNTE vermuten, SPON hält sich mal mit seinen wüsten Spekulationen über das was der böse Donald noch alles so ausfressen KÖNNTE mal ein wenig zurück. Die Bilanz der präzisen SPON Prognosen ist ja nun nicht gerade besonders eindrucksvoll. Erst war Donald chancenlos, dann waren es alles dickbäuchige dumme ungebildete weiße Männer die Trump gewählt haben SOLLEN, dann waren seine Bemühungen um die Zusammenstellung eines neuen Kabinett "im Chaos versunken" oder er hatte nur hochkarätige Nazis nominiert. Und natürlich, überall brutale rassistische Übergriffe von Trump Fans auf Minderheiten, nur dass die ermittelnden Behörden fast alle zur Anzeige gebrachten Übergriffe als frei erfunden bezeineten. Wie viel vom Wunschdenken beseelten Nonsense Journalismus will SPON seinen Lesern noch zumuten? Es gibt zwar Ausnahmen von der verbalen Anti-Trump Diarrhoe z.B. die kluge Kolumne von Frau Berg gestern; ihre Kollegen nehmen das leider nicht zur Kenntnis, gerade so, als hätte sie ihre klugen Gedanken auf chinesisch zum Ausdruck gebracht. Man erkennt die Absicht den neu gewählten Präsidenten de-legitimieren zu wollen und ist nicht verstimmt, sondern ratlos, denn- und diese Prognose ist serioeser als die Kaffeesatz Leserei von Müller- es wird nicht gelingen.
Beat.Adler 20.11.2016
3. Trump hat mehrere Pleiten hingelegt.
Trump hat mehrere Pleiten hingelegt. Warum? Wurde er von anderen Geschaeftsleuten uebers Ohr gehauen, betrogen? Wurde er von Mitarbeitern gewarnt? Schlug er die Warnungen in den Wind? Meiner bescheidenen Meinung nach ist der Grund fuer die mehrfache Anzahl der Pleiten die Auswahl seines Mitarbeiterstabes, der es nie wagte in Strategiesitzungen dem maechtigen Trump zu widersprechen. Ein Staatschef, CEO, Buergermeister oder wer auch immer Verantwortung traegt, seine Mannschaft nur aus Ja-Sagern bildet, kann keine erfolgreiche Srartegie fuer die Zukunft entwickeln. Im Managementteam muss es knistern, manchmal krachen und die Fetzen fliegen, Argumente mit Gegenargumenten abgewogen warden, ohne dass der Boss "You are fired" bruellt. Volkswagen und Swissair sind gute Beispiele, die als Erklaerung fuer die Krisen dienen. Das franzoesische Fernsehen, France 2, interviewte den Direktor des neuen Trump Hotels in Washington D.C., ein Franzose, und fragte nach dem Verhalten von Trump als Vorgesetzter. Er antwortete so, wie ein Sektenanhaenger seinen Sektenfuehrer beschreibt! Er erzaehlte, dass sie kurz vor der Eroeffnung einen Rundgang durchfuehrten und Trump, Dank seiner Superintelligenz und Supererfahrung an Ort und Stelle einen Baufehler erkannte. Auf die Frage des Journalisten, wie denn der Trump darauf reagiert habe, antwortet der Direktor, dass Trump sofort den Verantwortlichen in den Senkel stellte. Dieses Verhalten zeigt typisches Mikromanagement. Das Runtermachen eines Untergebenen im Beisein Anderer, ist sehr schlechter Managementstil. Trump stellt zur Zeit sein Team zusammen. Bisher besteht es aus Ultra-Konservativen, rechts-extremen Ja-Sagern. Wenn er niemand ernennt, der es wagt, dem Grossen Vorsitzenden zu widersprechen, ist ein Versagen programmiert. Was dies in volkswirtschaftlicher Hinsicht bedeutet, ist in mehreren SPON Artikeln bereits gut erklaert worden. mfG Beat
menefregista 20.11.2016
4. Grexit nicht vergessen bitte
. "Populismus als politische Strömung und Strategie fußt darauf, widerstrebende Interessen in der Bevölkerung zu übertünchen. " Sehr gute Analyse: "Das mühsame Geschäft mikroökonomischer Strukturreformen passt nicht zu dieser Grundausrichtung: " Die Einführung des Euros in Griechenland in der Schröder-Ära hat der Autor wohl vergessen. Das war kein "Griechenland-Populismus" in der Eurozone, sondern - Banken-Lobbysmus schwerster Art von spätrömischer Dekadenz. Zu Korrekturen dieser angeblich " unpopulistischen " Verbrechens, das zur Mithilfe bei Plünderung durch Banken weiter Teile des Deutschen Volksvermögens in der Mittelschicht geführt hat, wird es mit dem Grexit noch kommen.
held_der_arbeit! 20.11.2016
5. Radikale Veränderungen
Täten dem kranken Globalkapitalismus durchaus gut. Ein System das astronomische Gewinne an wenige ausschüttet und Milliarden Verlierer produziert hat keine Zukunft. Leider haben Sie in den USA mit Trump (und vor allem den Republikanern) Leute gewählt die die Ungerechtigkeit eher verschärfen wollen. Es ist außerdem zu befürchten das Trump - mangels Sachverstand - ein weitgehend gelenkter Präsident wird. Mit Blick auf seine Berater (allesamt rechts bis weit rechts von Bush) ist das ein Horrorszenario.
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