Trump attackiert EZB-Chef Draghi "Sehr unfair gegenüber den Vereinigten Staaten!"

Kaum bringt Mario Draghi noch niedrigere Zinsen und eine Ausweitung der Anleihekäufe ins Spiel, verliert der Euro an Wert - was Donald Trump erzürnt: Der US-Präsident wettert auf Twitter gegen den EZB-Chef.

Donald Trump am vergangenen Freitag: "Unfair!"
Leah Millis/ REUTERS

Donald Trump am vergangenen Freitag: "Unfair!"


An den Finanzmärkten haben die Ankündigungen von Mario Draghi deutliche Wirkung gezeigt: Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte am Vormittag im portugiesischen Sintra gesagt, dass eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik erforderlich sei, sollte die Inflation im Euroraum nicht steigen und die wirtschaftlichen Aussichten nicht besser werden. Konkret seien zusätzliche Zinssenkungen und weitere Anleihekäufe denkbar, sagte Draghi bei der Notenbankkonferenz der EZB.

Kurz danach verlor der Euro Chart zeigen deutlich an Wert, sein Kurs sank zeitweise unter 1,12 Dollar. Und die Zinsen für europäische Staatsanleihen sanken im Handel sofort stark. So rutschten die Renditen für zehnjährige Anleihen aus Frankreich und Österreich erstmals in den negativen Bereich. Zehnjährige Bundesanleihen erreichten ein Rekordtief bei minus 0,33 Prozent.

Diese Entwicklung hat Donald Trump spürbar verärgert: Der US-Präsident setzte auf Twitter eine Reihe von Nachrichten ab, in denen er seinen Unmut zum Ausdruck brachte.

"Mario Draghi hat gerade angekündigt, dass weiterer Stimulus kommen könnte, was den Euro gegenüber dem Dollar sofort fallen ließ", schrieb Trump in einer ersten Nachricht. Dies mache es "ihnen" - vermutlich den Euroländern - zu Unrecht leichter, gegen die USA im Wettbewerb anzutreten. "Damit kommen sie seit Jahren durch, zusammen mit China und anderen", ergänzte Trump.

Die Reaktionen an den Finanzmärkten kommentierte Trump in weiteren Tweets, zuletzt die Kursgewinne im deutschen Leitindex Dax Chart zeigen: "Sehr unfair gegenüber den Vereinigten Staaten!"

Tatsächlich verbilligt ein niedrigerer Eurokurs in den USA die Preise für Einfuhren aus der Eurozone. Trump wünscht sich aus diesem Grund einen niedrigeren Dollarkurs und kritisiert seit Längerem die amerikanische Notenbank Fed, weil deren Geldpolitik aus Sicht des US-Präsidenten viel zu strikt ist.

Gegenüber den Zentralbanken anderer Länder hingegen hat Trump sich bisher eher zurückgehalten. Vor wenigen Tagen hatte Trump vielmehr die Fed für den aus seiner Sicht zu starken Dollar verantwortlich gemacht und den Währungshütern unterstellt, dass sie keine Ahnung von ihrem Job hätten. Möglicherweise dient Trumps Angriff auf die EZB und ihren Chef Draghi auch dazu, den Druck auf die eigene Zentralbank zu erhöhen.

fdi/dpa

insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
FingerinderWunde 18.06.2019
1. Und das einem Land,
das immer Fair ist.
die_WahrheitXXL 18.06.2019
2. Trump ist eine Nummer für sich...
aber was Mr. Draghi mit seinen Nullnummern beabsichtigt ist weder nachvollziehbar noch sinnvoll. Bereits jetzt sind die Sparguthaben der Mittelschicht vernichtet, Anlagen lohnen sich nur noch unter hohem Risiko, selbst dann ist die Inflation höher als der Ertrag. Trump hat dieses Mal recht - leider.
zzipfel 18.06.2019
3. Recht hat er, der Donald
dieses Dragische Herumgepfusche an der Geldmenge nimmt eh kein gutes Ende. Gelddrucken anstelle von Reformen (in den Südländern) geht nicht gut, die verdeckte Staatsverschuldung nimmt zu, die Inflation der Assets (Immobilienpreise) explodiert, Blasenbildung bis es platzt, und dann wills wieder niemand gewesen sein. War es das was in Masstricht vereinbart wurde, als man den EUR kreierte? Ich glaube nicht. Es ist ein fortwährender Vertragsbruch der da vor sich geht und bezahlen werden es die Bezieher der Durchschnittseinkommen.
claus7447 18.06.2019
4. Zwar finde ich das Dragi Programm nicht unbedingt erste Sahne ....
... und hoffe auf einen neuen EZB Chef mit mehr "Weitblick". Aber wenn es Donny mal ärgert, gut so!
frageniemals 18.06.2019
5. Auslöser Finanzkrise USA
aber das verschweigt Donni lieber.
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