US-Wahlkampf Bill Gates attackiert Trumps Abschirm-Rhetorik

Die Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und Bernie Sanders wollen die USA vor ausländischer Konkurrenz schützen. Aus Sicht von Microsoft-Gründer Bill Gates verraten sie damit ihre Ahnungslosigkeit.

Bill Gates
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Der Microsoft-Gründer und Philanthrop Bill Gates hat die Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und Bernie Sanders scharf kritisiert. Beide hätten die moderne US-Wirtschaft fundamental missverstanden, sagte Gates in einem Interview mit der "Financial Times" ("FT") .

Der Republikaner Trump hatte am Montag gefordert, die Einfuhrzölle für chinesische Güter auf bis zu 45 Prozent zu erhöhen . Die Chinesen raubten "unsere Jobs und unser Geld", sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung anlässlich der anstehenden Vorwahl am Dienstag im Bundesstaat New York.

Der Demokrat Sanders hat versprochen , darauf hinzuwirken, dass wieder mehr Güter in den USA produziert werden, "nicht in China oder anderen Billiglohnländern".

Unternehmer Gates hält solch protektionistische Rhetorik für problematisch. Der größte Gewinner der Globalisierung seien die USA, sagte er der "FT". Kein anderes Land auf der Welt habe so stark von der Internationalisierung der Märkte profitiert.

Er würde sich wünschen, dass sich der globale Handel nur für eine Woche unterbrechen ließe - damit die Bürger die negativen Auswirkungen spüren. Jemand müsse die Leute daran erinnern, warum internationaler Handel für sie gut sei, sagte Gates.

Auch um Europa macht sich der Multimilliardär Sorgen. Sollten die Briten tatsächlich für einen Austritt aus der EU stimmen, stünde ihnen eine Periode der Unsicherheit bevor, sagte er der "FT". Die wirtschaftlichen und politischen Folgen seien bedenklich. Nicht nur der EU würde es nach einem Brexit schlechter gehen - sondern der ganzen Welt.

ssu

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insgesamt 189 Beiträge
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crawler 19.04.2016
1. Gates
Ich finde den Mann ja wirklich sympatisch. Aber auch er müsste zugeben, er ist einer von denen die durch die extreme Globalisierung profitiert hat aber ein grosser Teil Americas ist dadurch verarmt und die Schere Arm/Reich stark auseinandergegangen.
flying_dutchman 19.04.2016
2. Ja
Ja, das sollte wirklich mal jemand erklären, warum internationaler FREIhandel so gut ist und wer davon profitiert. Nur weil es Zölle gibt, hört doch nicht der Handel auf zu existieren, es kommt doch auf die Höhe an.
RalfHenrichs 19.04.2016
3. Gates macht Wahlkampfhilfe für Trump und Sanders
und das Lustige daran: er weiß es nicht mal.
trackingerror 19.04.2016
4.
Bill Gates versteht nicht, dass die globale Wirtschaft nicht nur überhitzt ist, sondern auch einem Zyklus unterliegt. Insofern verlangt der Zyklus gar einen (schwachen) Merkantilismus, um die Macht der Konzerne einzudämmen und (kleine) Binnenfirmen zu stärken. Vielleicht ist das auch ein guter Weg, Dritte Welt-Staaten endlich aus ihrer Armut zu holen. Denn wir müssen uns eines vergegenwärtigen: die Flüchtlingskrise ist in erster Linie auf fehlenden Wohlstand zurückzuführen.
khid 19.04.2016
5. Genau - der Preisdruck auf die Löhne hat die Gewinne...
Ja, ja Herr Gates, es ist sicher nicht so, dass ich Herrn Trump auch nur ansatzweise mag (oder mir den gar als U.S. Präsidenten wünschen würde), aber das Zitat ---Zitat--- Unternehmer Gates hält solch protektionistische Rhetorik für problematisch. Der größte Gewinner der Globalisierung seien die USA, sagte er der "FT". Kein anderes Land auf der Welt habe so stark von der Internationalisierung der Märkte profitiert. Er würde sich wünschen, dass sich der globale Handel nur für eine Woche unterbrechen ließe - damit die Bürger die negativen Auswirkungen spüren. Jemand müsse die Leute daran erinnern, warum internationaler Handel für sie gut sei, sagte Gates. ---Zitatende--- ist reiner Neoliberalismus. Die Industriestaaten handeln neoliberal. Seit Jahrzehnten. Daher sind sie allesamt die größten Profiteure der Internationalisierung der Märkte! Das bedeutet aber auch: Die Internationalisierung der Märkte macht vor den heimischen Märkten nicht halt, wenn es um die Neoliberalisierung der Marktwirtschaft geht. Fazit: Die Löhne der Angestellten und Arbeiter sinken, die Gewinne der Unternehmer steigen (zumindest noch so lange, bis sich dieses kranke Giersystem selbst ad absurdum geführt haben wird - oder (Bürger)kriege ausbrechen). Der Verteilungskrieg ist längst im Gang... Strafzölle werden dieses Problem nur auch nicht lösen. So gesehen hat Gates mehr Ahnung als Trump... Die Binnennachfrage lässt sich nur steigern, in dem man mehr Menschen im Binnenmarkt auch wieder mehr Geld verdienen lässt, anstatt sie immer weiter und weiter an den unteren Rand zu drängen!
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