Streit über Digitalsteuer Trump droht Macron - und stänkert gegen französischen Wein

Donald Trump hat Vergeltungsmaßnahmen gegen Frankreich angekündigt, weil das Land Google und Co. besteuern will. Die Attacke des US-Präsidenten richtet sich gegen Winzer - und Emmanuel Macron.

Kenner von guten Tropfen? US-Präsident Donald Trump
Alex Brandon / AP

Kenner von guten Tropfen? US-Präsident Donald Trump


Vorvergangene Woche hat Frankreich die Besteuerung globaler Digitalkonzerne wie Google, Amazon, Facebook und Apple beschlossen. Dem US-Präsidenten Donald Trump gefällt das offenbar gar nicht - er hat Frankreich nun mit "bedeutenden Vergeltungsmaßnahmen" gedroht.

Trump bezeichnete die Digitalsteuer auf Twitter als eine vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron betriebene "Dummheit". Wenn jemand die großen amerikanischen Internetunternehmen besteuere, dann sollten es die USA selbst sein, schrieb er.

In seinem Statement fand sich auch ein deutlicher Hinweis darauf, gegen welche Branche sich die angekündigten Vergeltungsmaßnahmen richten könnten: "Ich habe immer gesagt, dass amerikanischer Wein besser ist als französischer."

Später wurde der US-Präsident noch deutlicher und sagte, er "könnte" eine Steuer auf französischen Wein einführen.

Nach Trumps Tweet veröffentlichte das Weiße Haus eine Stellungnahme zu dem Thema: "Die Vereinigten Staaten sind wegen Frankreichs Entscheidung, eine Digitalsteuer auf Kosten von US-Firmen und Arbeitnehmern einzuführen, extrem enttäuscht."

Mangels einer europäischen oder globalen Lösung hatte Paris zuletzt im Alleingang eine Digitalsteuer eingeführt. Firmen, die in Frankreich mehr als 25 Millionen Euro Umsatz erzielen, sollen unter anderem drei Prozent Steuern auf lokale Online-Werbeerlöse zahlen.

Viele der betroffenen Unternehmen haben ihren Firmensitz in den USA. Die US-Regierung hatte bereits nach der Verabschiedung des Steuergesetzes im französischen Senat am 11. Juli eine Prüfung der Auswirkungen auf den US-Handel angekündigt. Je nach Ergebnis könnte die Untersuchung zu Zöllen oder anderen Handelsrestriktionen für bestimmte französische Produkte führen.

Das Thema Digitalsteuer wird wohl auch beim G7-Gipfel führender Wirtschaftsnationen Ende August in Frankreich eine Rolle spielen.

kko/dpa

insgesamt 132 Beiträge
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Seite 1
salomohn 26.07.2019
1. Endlich
Bald können wir wieder wählen. Dann bekommen wir hoffentlich eine Regierung, die Frankreich in so einer wichtigen Frage nicht allein lässt. Ist schon ein bischen peinlich, wie die umliegenden Staaten uns in allen wichtigen Fragen abhängen.
dont_panic 26.07.2019
2. Solidarität?
Da stellt mir die Frage, warum der Rest der EU, insbesondere Deutschland, Frankreich bei diesem wichtigen Schritt alleine lässt.
mystyhax 26.07.2019
3. Bravo
Das müsste Unisono so sein. In dem Land wo die Unternehmen ihre Gewinne erzielen sollte auch versteuert werden. Es ist doch pervers das die Unternehmen ihre Gewinne in die Länder verschieben wo sie so gut wie keine Steuern bezahlen müssen. Im Umkehrschluss benutzen sie hier die Infrastruktur
frenchie3 26.07.2019
4. Das sollte das Startzeichen sein
daß alle europäischen Länder Digitalsteuern erheben. Oder BMW und VW verlangen künftig die Steuern für in den US hergestellte Wagen in Deutschland zu bezahlen - sind ja schließlich keine US Firmen.
espressotime 26.07.2019
5.
Da braucht sich Frankreich keine Sorgen machen. Californischen Wein muss ich nicht trinken. Europa kann stolz darauf sein, dass die besten Produkte aus den Binnenmarkt stammen. Ach ja, wie will die USA eigentlich das Problem mit dem iranischen Kaviar lösen, der bei den oberen Zehntausenden doch so sehr gern verspeisst werden
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