Larry Summers Ex-US-Finanzminister ruft Bosse zu Kritik gegen Trump auf

Die Bosse der weltgrößten Konzerne müssen nach Ansicht des früheren US-Finanzministers einen moralischen Test bestehen - und die Politik von Donald Trump ohne Rücksicht auf Verluste kritisieren.

Larry Summers
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Larry Summers


Der frühere US-Finanzminister Larry Summers hat die wirtschaftspolitischen Vorschläge der neuen US-Regierung scharf kritisiert und die amerikanischen Unternehmen aufgerufen, sich der Trump-Regierung entgegenzustellen. "Es sieht so aus, als würde die amerikanische Politik in eine rücksichtslose, nationalistische Richtung marschieren", sagte der Harvard-Ökonom dem "Handelsblatt".

Die Regierung gefährde die wirtschaftlichen Interessen der amerikanischen Bürger und Unternehmen. "Angesichts dieser Gefahr ist es traurig, wenn die großen einflussreichen Unternehmen schweigen", sagte Summers. Man werde sehen, ob die Wirtschaftsführer bei einem Treffen mit der Regierung am Freitag den Mut hätten, offen Kritik zu äußern oder aber die Politik der neuen Regierung legitimierten und mit Beifall begleiteten. Summers sprach von einem "moralischen Testfall" für die Wirtschaft .

Mit Blick auf die Kritik der US-Regierung an den hohen Handelsüberschüssen Deutschlands sagte Summers, Deutschland könne sicher mehr tun, um die Überschüsse abzubauen. "Die Deutschen könnten die Löhne im Inland anheben. Dann könnten mehr Arbeitnehmer am Wohlstand teilhaben. Die Fiskal- und Steuerpolitik hat sicherlich noch Spielraum, um Investitionen in die Infrastruktur zu fördern und so die Binnennachfrage anzukurbeln", schlug der Wirtschaftsprofessor vor.

Die Europäer forderte Summers auf, angesichts der Kritik aus Washington enger zusammenzurücken. "Europa sollte seinen Einigungsprozess fortsetzen. Die Europäer müssen aber auch eine stärkere Rolle in der Welt spielen und dürfen sich nicht nur wie in den vergangenen Jahren mit sich selbst beschäftigen. Ich freue mich, dass Bundeskanzlerin Merkel das erkannt hat und hoffe sehr, dass es auch dabei bleibt."

ssu

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
walburga.46 01.02.2017
1. Ich mag EINES.......
....ganz besonders nicht: Ratschläge aus einem Land, das seit dem 2. WK ca. 300 Kriege (Zahl stammt vom verstorbenen Gore Vidal) geführt hat, von denen EIN einziogher ein "erklärter Krieg" (der UNO) war: der Korea-Krieg! Und derzeit führt dieses Land, das nicht mal ein vernünftiges Sozialsystem hat, den 3. Wirtschaftskrieg gegen Deutschland! Es geht NICHT um VW oder BOSCH oder sonst eine Firma; es geht gegen Deutschland, nachdem es in 2 Kriegen nicht geklappt hat, die Kontinentalkonkurrenz von England auszuschalten!!
kladderadatsch 01.02.2017
2. Einen moralischen Test würde gerade Larry nicht bestehen:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/im-gespraech-christopher-whalen-ira-larry-summers-ist-mitschuldig-an-der-finanzkrise-1550989.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
geotie 01.02.2017
3.
Zitat von walburga.46....ganz besonders nicht: Ratschläge aus einem Land, das seit dem 2. WK ca. 300 Kriege (Zahl stammt vom verstorbenen Gore Vidal) geführt hat, von denen EIN einziogher ein "erklärter Krieg" (der UNO) war: der Korea-Krieg! Und derzeit führt dieses Land, das nicht mal ein vernünftiges Sozialsystem hat, den 3. Wirtschaftskrieg gegen Deutschland! Es geht NICHT um VW oder BOSCH oder sonst eine Firma; es geht gegen Deutschland, nachdem es in 2 Kriegen nicht geklappt hat, die Kontinentalkonkurrenz von England auszuschalten!!
Trump will die EU zerstören? Er schafft es nicht einmal seine Landsleute unter einen Hut zu bringen. Nicht mehr viel, und die ersten Staaten werden sich von den USA lossagenwollen. Nichts ist für die Ewigkeit!
ex_Kamikaze 01.02.2017
4. Ist das DER Summers
der unter Clinton das Trennbankensystem geschreddert hat? Der aus der Wirtschaft ein Wettbüro gemacht hat? Der Summers der exemplarisch für eine Elite steht die zwischen Universität, Politik und hoch dotierten Wirtschaftsposten rotiert?
BBirke 01.02.2017
5. Moralisch...? Aha, Wirtschaftsinteressen!
Seit wann handeln Wirtschaftsbosse moralisch? Auch bei Trumps Politik scheint es eher so, als sorgten sich die meisten vor allem um ihre Handelsbeziehungen und ggf. billige Waren und Arbeitskräfte. Es ist dringend notwendig, dass sich Politiker in einigen Punkten gegen die wirtschaftlichen Interessen ihrer Oberschichten wenden: eben keinen Unterbietungswettbewerb bei Löhnen und Sozialstandards zuzulassen und nicht die übrigen Rahmenbedingungen für Volksverarmung zu schaffen, wie "Reformen" á la Agenda 2010, Streichung von Sozialleistungen und die Zerschlagung von Gewerkschaften. Wird Summers auch für die USA höhere Löhne fordern, und dass die Arbeiter aus dem Rust Belt nicht ihren Lebensstandard dem in Mexiko anpassen müssen oder arbeitslos werden, dass sie wieder Wohlstand wie in den 1960ern haben? Die deutsche Politik hat eine Situation geschaffen, die nur wenigen nützt: eine statistisch starke Wirtschaft, deren Erträge in Liebhabereien der Reichen und blubbernden und platzenden Blasen verschwinden. Dafür aber Verelendung der eigenen Bevölkerung durch Agenda 2010 & Co, und noch schlimmere Verelendung im übrigen Europa, weil deutsche Hungerlohnprodukte die EU-Konkurrenz unterbieten. Für die USA ist die deutsche Politik etwas nachteilig, aber nicht wirklich gefährlich.
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