Donald Trump teilt aus "Europa behandelt uns schlechter als China"

In einem Fox-Interview attackiert US-Präsident Donald Trump alle möglichen Akteure in der Welt. Auch Europa, insbesondere Deutschland, erhalten Kritik vom US-Regierungschef.

Donald Trump
AFP / MANDEL NGAN

Donald Trump


US-Präsident Donald Trump holt in einem Fernsehinterview mit dem Sender Fox Business Network erneut zum Rundumschlag aus. Er griff zugleich die EU und besonders Deutschland scharf an. "Sie haben schlimmere Handelsbarrieren als China", sagte Trump. "Europa behandelt uns schlechter als China", fügte er hinzu.

Deutschland nutze die USA aus, indem es Russland "Abermilliarden Dollar für Energie" bezahle und zugleich darauf baue, von den USA beschützt zu werden. "Sie bezahlen einen potenziellen Feind." Trump kritisierte erneut die aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands.

Überdies kritisiert er die Europäische Zentralbank (EZB), die eine Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt hatte. Gleichzeitig lobt er EZB-Präsident Mario Draghi: Die USA sollten lieber Draghi als Notenbankchef haben anstatt "unserer Person in der Fed", sagte Trump dem Fernsehsender weiter und bekräftigte zudem seine Einschätzung, dass er das Recht habe, den gegenwärtigen US-Notenbankchef Jerome Powell degradieren oder entlassen zu können.

"Sie sollten verklagt werden"

Der US-Präsident monierte, die EZB mache es den Euroländern über einen schwächeren Wechselkurs zu Unrecht leichter, mit den USA in Wettbewerb zu treten. Außerdem bezeichnete es Trump als unfair gegenüber den Vereinigten Staaten, dass nach Draghis Ankündigung die Börsenkurse in Europa gestiegen seien.

Die Kritik Trumps an der US-Notenbank und ihrem Vorsitzenden Powell ist alles andere als neu. Trump moniert seit Langem die aus seiner Sicht zu hohen Leitzinsen. Unlängst hatte Trump die Fed mit einem "störrischen Kind" verglichen und als unfähig bezeichnet. Ob Trump tatsächlich das Recht hätte, Powell zu degradieren oder zu entlassen, gilt unter Juristen als höchst fraglich. Herrschende Meinung scheint zu sein, dass Powell nur wegen schwerer Verfehlungen, nicht aber wegen einer nicht genehmen Geldpolitik, entlassen werden könnte.

Überdies hat Trump erneut die großen Tech-Konzerne scharf angegriffen. "Sie sollten verklagt werden", sagte er im Fernsehinterview. Trump beklagte, dass "konservative" Inhalte unterdrückt würden. "Wir sollten Google und Facebook verklagen, und vielleicht werden wir das tun". Zudem attackierte er Twitter, das es ihm "sehr schwer mache", seine Botschaften zu verbreiten, da Nutzer daran gehindert würden, ihm zu folgen. Was Twitter mache, sei "einfach fürchterlich".

"Wir werden immer weniger Geschäfte mit ihnen machen"

Ebenso äußerte sich der US-Präsident zum Handelskonflikt mit China. Die US-Regierung erhebt bereits Zölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar. Trump droht seit Längerem damit, er könne auch alle verbleibenden Importe aus dem Land im Wert von 325 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen belegen.

"Mein Plan B mit China ist, Abermilliarden Dollar im Monat einzunehmen, und wir werden immer weniger Geschäfte mit ihnen machen", sagte Trump. "Das wäre sehr schlecht für China." Er betonte zugleich, er habe sehr gute Beziehungen zu China und zu Präsident Xi, den er einen "Freund" nannte. "Es ist möglich, dass wir einen Deal machen, aber ich bin jetzt auch sehr glücklich." Trump und Xi kommen am Rande des Gipfels der großen Wirtschaftsnationen (G20) am Freitag und Samstag in Osaka zusammen.

tin/dpa/AFP



insgesamt 74 Beiträge
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antelatis 26.06.2019
1. Oha
Mal schauen, was passiert, wenn Google, Facebook und GPS auf Trumps Befehl hin für Deutschland abgeschaltet werden, wir können dann nicht wie Huawei einfach damit anfangen, Ersatz zu entwickeln, sondern müssen reumütig angekrochen kommen und alles machen, was Trump will.
altais 26.06.2019
2. Eine weitere Runde Unsinn
Der Twitterteenie im Weißen Haus verteilt mal wieder die Weisheiten seiner "Politik". Man gewöhnt sich fast daran, immer und immer wieder den gleichen Schmarrn zu hören.
Atheist_Crusader 26.06.2019
3.
Trump kritisiert also die Europäer dafür dass sie das tun was er selbst gerne tun würde. Wie "überraschend". Und was ist der Quark mit Russland? Ich dachte, Russland sei nicht der Feind, sondern nur arm und missverstanden, und der wahre Feind sei die EU. Ist ein Minimum an Konsistenz wirklich zuviel verlangt?
telarien 26.06.2019
4. Je weniger, desto besser
Wer mit Trumpistan Geschäfte macht, beschmutzt sich. Aber womöglich kann der Druck von außen ein Europa schaffen, das diesen Namen auch verdient.
eichenbohle 26.06.2019
5. Wenn es nur annähernd stimmt,...
... was Michael Wolff, US-Autor , von sich gibt, dann fragt man sich.... Ich sehe mir Markus Lanz sonst nicht an. Gestern Abend bin ich mal beim zappen hängengeblieben. Aber was sein Gast Michael Wolff den Abend so von sich gegeben hat, da sollte einem eigentlich das Lachen im Hals stecken bleiben, dass so ein Mann wie D. Trump Präsident der USA und Chef der stärksten Armee mit Atomwaffen, und überhaupt, ist. https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-25-juni-2019-100.html Ab ca. Minute 57:45 Ok, schmunzeln musste ich doch, als Wolff darstellte, wie Trump zu Merkel steht.
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