Trumps Favorit Cain will nicht für Fed-Posten nominiert werden

Donald Trump wollte seinen Freund Herman Cain für das Führungsgremium der US-Notenbank Fed nominieren. Doch der Geschäftsmann will nicht mehr.

Herman Cain (2012)
Jonathan Ernst/ REUTERS

Herman Cain (2012)


US-Präsident Donald Trump muss wohl Ausschau nach einem neuen Kandidaten für einen Direktor-Posten der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) halten: Der von ihm favorisierte Geschäftsmann und Wahlkampf-Spendensammler Herman Cain wolle nicht für das Amt nominiert werden, verkündete Trump auf Twitter.

Trump bezeichnete den 73-Jährigen als seinen "Freund" und einen "wirklich wunderbaren Mann". Er werde seinen Wunsch, nicht kandidieren zu wollen, respektieren. "Herman ist ein großartiger Amerikaner, der unser Land wahrhaftig liebt!", schrieb Trump. Bei Cain war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Anfang April hatte Trump angekündigt, Cain für einen Posten im Führungsgremium der Fed nominieren zu wollen. Formell hatte er dies jedoch noch nicht gemacht. Es zeichnete sich bereits ab, dass der 73-Jährige Trump-Unterstützer nicht das erforderliche grüne Licht des Senats erhalten hätte. Vier republikanische Senatoren hatten sich in den vergangenen Wochen bereits öffentlich gegen Cain ausgesprochen. Trumps Partei verfügt in der Kongresskammer nur über eine knappe Mehrheit von 53 der 100 Sitze. Auf Stimmen der oppositionellen Demokraten konnte Cain nicht hoffen.

Nominierung wäre brisant gewesen

Die geldpolitische Linie Cains, früher Chef der Pizzakette Godfather's Pizza, war nicht ganz klar. Äußerungen in einem Fox-Interview im Februar können sowohl für als auch gegen weitere Zinserhöhungen gewertet werden. In den Neunzigerjahren war er für den Fed-Bezirk Kansas City tätig. 2012 zog der Republikaner nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung seine Bewerbung um das US-Präsidentenamt zurück. Cain hat die Beschuldigungen stets zurückgewiesen.

Die Nominierung eines persönlichen Freunds des Präsidenten für die Fed-Führungsspitze wäre brisant gewesen, weil sich Trump mit massiver Kritik an der Zinspolitik auf die Notenbank eingeschossen hat. Wegen ihrer strafferen Geldpolitik hatte er die Währungshüter für "verrückt" erklärt. Trump selbst hatte Fed-Chef Jerome Powell auf den Fed-Chefposten gehievt.

In der Leitung der Federal Reserve sind derzeit zwei Plätze vakant. Als seinen zweiten Favoriten für das Direktorium hatte Trump seinen früheren Wahlkampfberater Stephen Moore benannt. Der Ökonom ist ebenfalls umstritten.

Mit der Besetzung der Fed-Posten will der Präsident offenbar erreichen, dass die von der Regierung unabhängige Notenbank stärker in seinem Sinne agiert.

kry/Reuters/AFP

insgesamt 3 Beiträge
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Beijinger 23.04.2019
1. Die Kleptokratie
des Familienclans an der Spitze der USA stößt an seine Grenzen. Gut so.
ddcoe 23.04.2019
2. Wieder nur dritte Wahl
Trump scheint panische Angst vor Menschen zu haben, die intelligenter sind als er - und das ist praktisch jeder. Daher wählt er für Spitzenpositionen bevorzugt Leute, die erpressbar oder zumindest leicht angreifbar sind. Frei denkende Menschen empfindet der debile alte Mann als Bedrohung.
oldman2016 23.04.2019
3. Türkische Verhältnisse
Die geplante Entsendung von Günstlingen Donald Trumps in die FED-Führungsspitze und damit eine indirekte Einfflussnahme auf Entscheidungen der Notenbank erinnert mich an das Vorgehen Erdogans gegenüber der türkischen Notenbank. Auf der anderen Seite muss die Frage erlaubt sein, wo die Notenbanken wirklich von den Regierungen unabhängig sind. In Russland, China, Saudi-Arabien, Iran, Türkei sind sie es mit Sicherheit nicht. Und die EZB ist auch keineswegs neutral. Sie macht gezielt Arm in Arm mit den Regierungen der Euro-Staaten Geldpolitik gegen normale Arbeitnehmer und Sparer. In erster Linie ist es die Nullzinspolitik der EZB, die die Sparen scharenweise in Betongold flüchten und damit die Immobilien- und Mietpreise in die Höhe schießen ließen.
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