Kampf gegen Trump Warren Buffett will US-Bürger persönlich zur Wahl fahren

Investorenlegende Warren Buffett startet einen Frontalangriff auf Donald Trump. Der sei ein miserabler Geschäftsmann, verschleiere seine Steuerzahlungen - und sei jetzt viel zu weit gegangen.


Es haben sich bereits eine Reihe US-Milliardäre gegen Donald Trump gestellt. Doch kaum einer attackierte den Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner so scharf, wie es nun Warren Buffett getan hat.

Die Investorenlegende zeigte gleich drei neuralgische Punkte bei Trump auf. Er stellte, erstens, Trumps Geschäftstüchtigkeit infrage, indem er ein altes Experiment aus der Wirtschaftswissenschaft bemühte: Der US-Forscher Burton Malkiel ließ vor knapp 40 Jahren Affen mit verbundenen Augen Dartpfeile auf eine Tafel mit Kurszetteln werfen. Das so ausgewählte Aktienportfolio brachte am Ende eine fast genauso gute Rendite wie ein von Profis zusammengestelltes.

Buffett wandte dieses Experiment nun auf Trump an. Wer 1995 in dessen Hotelsparte in Atlantic City investierte, habe bis zu 90 Prozent seines Kapitals verloren, sagte Buffett. Wer auf den Affen gesetzt hätte, wäre deutlich besser weggekommen.

Zweitens verdächtigte Buffett den US-Präsidentschaftskandidaten des Steuerbetrugs. Trump weigert sich seit Monaten, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, im US-Wahlkampf ist das sehr unüblich. Buffett sagte nun, Trump mache das wohl aus Angst. "Du fürchtest dich nur, wenn du etwas zu befürchten hast."

Im Buffett-Bus zur Wahl

Drittens verurteilte Buffett Trumps abfällige Äußerungen über die Familie eines muslimischen US-Kriegsveteranen. Trump habe mit seinen jüngsten Kommentaren "das Fass zum Überlaufen gebracht", wetterte Buffett. "Haben Sie keinen Anstand?", fragte er in Richtung Trump.

Am vergangenen Donnerstagabend hatten der Kriegsveteran Khizr Khan und seine Frau Ghazala beim Demokraten-Parteitag in Philadelphia auf der Bühne gestanden. Khizr Khan hatte eine bewegende Rede über seinen Sohn, der 2004 im Irak mit 27 Jahren bei einem Autobombenanschlag getötet worden war, gehalten. Zudem hatte er Trump und dessen Äußerungen über Muslime kritisiert, denen dieser die Einreise in die USA verbieten wolle.

Der Milliardär hatte reagiert, indem er zunächst unterstellte, Ghazala Khan habe wohl nichts sagen dürfen. Dann hatte er sich selbst als Opfer dargestellt, schließlich sei er "böse attackiert" worden.

Buffett unterstützt die Demokratin Clinton im Wahlkampf. Er werde alles dafür tun, um Trump zu schlagen, kündigte er an. Unter anderem will er mindestens zehn US-Bürger ins Wahllokal fahren, die es sonst schwer hätten, dorthin zu kommen. Er habe auf der Seite "Drive2Vote" einen Bus mit 32 Plätzen reserviert. Er werde den ganzen Tag nichts anderes machen, sagte Buffett. Er werde Selfies machen und auch sonst alles, um die Wähler an die Urnen zu locken.

ssu



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