US-Ministerkandidaten Trump holt die Wall Street ins Weiße Haus

Im Wahlkampf schimpfte Donald Trump auf die Eliten und versprach, den Lobby-Sumpf auszutrocknen. Für die Finanzposten im Kabinett wird er nun aber wohl doch auf Wall-Street-Veteranen zurückgreifen.

Donald Trump
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Wer wird unter Donald Trump das Finanzministerium führen, wer wird Handelsminister? Zwar werden noch viele Namen gehandelt, klar ist aber: der künftige US-Präsident sucht vor allem an der Wall Street nach Personal für sein Kabinett. Am Wochenende empfing er gemeinsam mit seinem designierten Vize Mike Pence im Trump National Golf Club im US-Bundesstaat New Jersey eine Reihe Kandidaten - viele mit langjähriger Erfahrung an der Wall Street.

Vor allem die Besetzung des Wirtschaftsressorts, das in den USA Handelsministerium heißt, dürfte in der ganzen Welt mit Interesse verfolgt werden. Trumps Äußerungen im Wahlkampf haben Sorgen vor einem wachsenden Protektionismus geschürt. Für den Posten werden vor allem zwei Kandidaten heiß gehandelt.

Wilbur Ross: Der greise Milliardär

Der Finanzinvestor Wilbur Ross, der in der kommenden Woche 79 Jahre alt wird, gilt als aussichtsreicher Anwärter auf den Posten des Handelsministers. Er ist wie der künftige Präsident Milliardär, hat aber auch Erfahrungen in der Politik gesammelt. In Trumps Heimatstadt New York arbeitete Ross als Privatisierungsberater für den damaligen Bürgermeister Rudy Giuliani.

Wilbur Ross (l.) mit Donald Trump
REUTERS

Wilbur Ross (l.) mit Donald Trump

Eigentlich entspricht Ross genau jenem Image der Ostküstenelite, das Trump während des Wahlkampfs als Feindbild gezeichnet hatte: Sein Vater war Anwalt, er besuchte eine Eliteschule in Manhattan und studierte an den Elite-Universitäten Yale und Harvard Business School.

In den Achtzigerjahren arbeitete Ross bei der Investmentbank Rothschild als Konkursspezialist und kaufte Schulden insolvenzgefährdeter Unternehmen auf. Ende der Neunzigerjahre gründete er eine Private-Equity-Gesellschaft und investierte nacheinander in marode Unternehmen der Stahlindustrie, im Kohlebergbau und in der Ölbranche.

Ross steht nicht für den Bruch mit dem Establishment, aber der Milliardär gehört zu den Trump-Unterstützern der ersten Stunde - der künftige Präsident könnte das belohnen. Ross hat gemeinsam mit dem US-Ökonomen Peter Navarro am Wirtschaftsprogramm für die künftige Regierung gearbeitet, es öffentlich vorgestellt und verteidigt.

Nach dem halbstündigen Gespräch in Trumps Golfklub, das beide als "sehr gutes Treffen" bezeichneten, antwortete Ross auf die Frage eines Journalisten, ob er den Job haben wolle: "Wir werden sehen."

Linda McMahon: Die Chefin der starken Männer

Angeblich könnte auch Linda McMahon Chancen haben, an die Spitze des Handelsministeriums zu rücken. Die 68-Jährige war jahrelang Chefin der Firma World Wrestling Entertainment (WWE). McMahon und ihr Mann unterstützen Donald Trump seit Langem, im Präsidentschaftswahlkampf gehörten sie mit einer Summe von sechs Millionen Dollar zu den größten Spendern.

Linda McMahon
AP

Linda McMahon

Trump ist der Wrestlingbranche seit vielen Jahren verbunden, 1988 und 1989 wurde die größte WWE-Show Wrestlemania im Trump Plaza in Atlantic City ausgetragen. 2007 trat Trump sogar selbst bei einem der Showkämpfe auf: Nach einer Wette rasierte der Milliardär dem damaligen WWE-Chef (und Ehemann von Linda McMahon) Vince McMahon das Kopfhaar ab. 2013 wurde Trump in die WWE Hall of Fame berufen.

Einem Bericht des US-TV-Senders NBC zufolge hat Linda McMahon große Chancen, Trumps Handelsministerin zu werden. In den vergangenen Jahren hatte sie zweimal erfolglos für den US-Senat kandidiert. McMahon selbst ließ mitteilen, dass es ihr eine Ehre wäre, im Kabinett von Donald Trump zu sitzen - gefragt habe sie der gewählte Präsident allerdings noch nicht.

Der zweite wirtschaftsnahe Posten im Kabinett ist nicht minder bedeutend: Wer Finanzminister wird, muss den gigantischen Schuldenberg der USA managen und die Haushaltspläne für Trumps Politik aufstellen. Hier werden vor allem drei Kandidaten gehandelt.

Jonathan Gray: Der junge Immobilien-Jongleur

Auch Jonathan Gray ist zu Trumps Golfklub gereist, um über einen möglichen Kabinettsposten zu sprechen, den des Finanzministers. Gray ist derzeit Chef der Immobiliensparte der Investmentfirma Blackstone. Mit 46 Jahren ist er der mit Abstand jüngste aller Kandidaten für Trumps Kabinett.

Jonathan Gray
AFP

Jonathan Gray

Der Banker gilt als Kronprinz des Blackstone-Chefs Steven Schwarzman. In Grays Zeit als Immobilienchef legte die Sparte enorm zu. Im Jahr 2007 kaufte er die Hilton Hotels für 26 Milliarden Dollar, nahm sie von der Börse und führte sie vor knapp drei Jahren wieder zurück. Mitte dieses Jahres war Blackstone der weltweit größte Immobilienbesitzer. Das Portfolio hatte im vergangenen Jahr einen Wert von geschätzten 135 Milliarden Euro.

Ob Gray wirklich zur Verfügung steht, ist allerdings ebenso unklar wie die Antwort auf die Frage, wofür er steht.

David McCormick

David McCormick (r.) mit Donald Trump
AP

David McCormick (r.) mit Donald Trump

Grays Konkurrent könnte David McCormick sein, Chef des Hedgefonds Bridgewater Associates, der sich am Sonntag ebenfalls mit Trump traf. McCormick ist Absolvent der legendären Militärakademie West Point und diente im ersten Golfkrieg. Der Manager hat immerhin bereits Erfahrung in der Washingtoner Politik: Unter George W. Bush arbeitete er für das Finanzministerium und das Weiße Haus.

Steven Mnuchin: Ex-Goldman-Banker und Filmproduzent

Als Favorit für das Amt des Finanzministers gilt weiterhin Steven Mnuchin, dessen Karriere besonders eng mit der Wall Street verflochten ist. Er ist Sohn eines Goldman-Sachs-Bankers, studierte an der Elite-Uni Yale und arbeitete 17 Jahre lang bei der Investmentbank Goldman Sachs, als Hedgefonds-Manager und als Filmproduzent. Heute führt Mnuchin seine eigene Investmentfirma Dune Capital Management.

Steven Mnuchin im Trump Tower
AFP

Steven Mnuchin im Trump Tower

Mnuchin selbst sagt, er sei mit Trump privat und beruflich seit mehr als 15 Jahren verbunden. In der Vergangenheit hat er zwar mehr Geld an die Demokraten gespendet als an die Republikaner, gehört aber mittlerweile zum inneren Zirkel um Trump. Seit dem Frühjahr kümmerte sich Mnuchin um die Wahlkampfkasse und die Einwerbung von Spenden.

Der mögliche künftige US-Finanzminister ist nicht unumstritten, er gehört nämlich auch zu den Profiteuren der Subprime-Krise. 2009 kaufte er den insolventen Immobilienfinanzierer IndyMac vom Staat für einen Kaufpreis deutlich unter Wert und handelte sich mit Zwangsvollstreckungen großen Ärger ein. Für ihn und seine Mitinvestoren lohnte sich das Geschäft: Sie strichen üppige Profite ein und verkauften das Unternehmen später wieder - für das Doppelte des Kaufpreises.

Mnuchin wäre bereits der dritte Ex-Goldman-Banker an der Spitze des US-Finanzministeriums seit den Neunzigerjahren. Vor ihm führten die früheren Goldman-Bosse Robert Rubin und Hank Paulson das Ministerium unter den Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush. Im Übrigen ist auch Trumps künftiger Chefstratege, Steve Bannon, ein Ex-Goldman-Sachs-Banker.

Auch wenn viele Banken während des Präsidentschaftswahlkampfs mehr oder weniger entschlossen Hillary Clinton unterstützten, schöpfen sie jetzt offenbar Hoffnung. Die Wall Street erwartet von einem Präsidenten Trump weniger lästige Regeln und Gesetze. Die Aktienkurse reagierten so positiv auf den Wahlausgang wie auf keinen anderen Sieger in den vergangenen 100 Jahren.

insgesamt 110 Beiträge
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Cluedo 21.11.2016
1. Was sonst? Der Milliardär ....
.... macht mit Milliardären Politik für Milliardäre. Hat jemand etwas anderes erwartet?
Bueckstueck 21.11.2016
2. Obacht, der ist gut:
Trump trocknet den Sumpf aus und findet am Grund sein Kabinett!
Kurbelradio 21.11.2016
3.
"Auch wenn viele Banken während des Präsidentschaftswahlkampfs mehr oder weniger entschlossen Hillary Clinton unterstützten, schöpfen sie jetzt offenbar Hoffnung. Die Wall Street erwartet von einem Präsidenten Trump weniger lästige Regeln und Gesetze. Die Aktienkurse reagierten so positiv auf den Wahlausgang wie auf keinen anderen Sieger in den vergangenen 100 Jahren." da will man sich spontan übergeben. Was werden die, die ihn gewählt haben, denn dann tun, wenn sie feststellen, dass er genauso zum Establishment gehört, wie die anderen auch?
wrkffm 21.11.2016
4. Dessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.
Was soll man schon groß erwarten, von jemanden, der halt als kleiner Bub schon immer Präsident an Stelle des Präsidenten werden wollte. Na jetzt lasst ihn halt mal ne´Weile Präsident spielen. Nach der ersten Präsidentschaftszeit wir er bestimmt eh keinen Bock mehr auf so einen Job haben und lieber wieder alten Vergnügungen nach gehen.
kraus.roland 21.11.2016
5. Er ist und bleibt..
..ein Lügenbeutel!
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