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14. Juli 2017, 07:56 Uhr

Trump in Paris

"Ich bin ein riesengroßer Fracker"

US-Präsident Donald Trump hat eine neue Begründung für den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen: Er soll mit Russland zu tun haben.

US-Präsident Donald Trump hat den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen auch mit dem Energiewettbewerb mit Russland begründet. Russland mache sein Geld mit dem Verkauf von Öl, und nirgendwo lagere mehr Öl als unter den USA, sagte Trump auf dem Flug zum Staatsbesuch in Frankreich. Das Weiße Haus gab die Zitate nachträglich frei.

Wörtlich sagte Trump: "Wie wirkt sich das auf Russland aus? Weil Russland sein Geld durch den Verkauf von Öl macht, und wir haben unter uns mehr Öl als irgendjemand, und niemand wusste davon bis vor fünf Jahren. Und ich will es nutzen. Und ich will nicht, dass das weggenommen wird durch das Pariser Abkommen." Die US-Energiebehörde EIA stuft die nachgewiesenen US-Ölreserven international auf Rang 10 ein.

Der US-Präsident will mit seiner Argumentation offenbar auch der massiven Kritik an den Russlandkontakten seines Wahlkampfteams begegnen - und dem Vorwurf, mit ausländischer Hilfe die Wahl gegen Hillary Clinton 2016 gewonnen zu haben.

"Ich werde Putin fragen: Für wen waren Sie?"

Im Falle einer Wahl Clintons wäre in den USA die Energieproduktion gesunken, sagte Trump, weil die Demokratin der umstrittenen Frackingtechnik skeptisch gegenüberstehe. "Ich bin ein riesengroßer Fracker, Kohle, Erdgas, alternative Energien, Wind - alles, nicht wahr? Ich produziere viel, viel mehr Energie als sonst irgendjemand, der für das Präsidentenamt jemals kandidiert hat." Unter seiner Präsidentschaft werde Russland deshalb unter sehr niedrigen Energiepreisen zu leiden haben. Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen sind die wichtigste Geldquelle des russischen Staates.

Trump weiter: "Also, wenn ich das nächste Mal mit Putin zusammen bin, werde ich ihn fragen: Für wen waren Sie denn wirklich? Weil ich kann nicht glauben, dass er für mich gewesen wäre. Mich. Starkes Militär, starke Grenzen - wobei ihn die Grenzen weniger kümmern - aber starkes Militär, enorm. Wir werden in diesem Jahr Kraftstoffexporteur werden."

Trump steht seit Monaten im Kreuzfeuer, weil sein Wahlkampfteam zahlreiche Kontakte zu Russland unterhielt. Die US-Geheimdienste sind davon überzeugt, dass der Kreml Einfluss auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl 2016 nehmen wollte. Die Affäre hat sich zuletzt weiter zugespitzt, nachdem ein Treffen von Trumps Sohn Donald junior mit der Moskauer Anwältin Natalija Wesselnizkaja bekannt wurde. Trumps Team wurde per E-Mails belastendes Material gegen Clinton angeboten, das aus Quellen der russischen Regierung stammen sollte. "Wenn es das ist, werde ich es lieben", schrieb Trumps Sohn in einer Antwort.

Drohung um Stahlstreit

In dem Pressegespräch auf dem Flug nach Paris äußerte sich Trump auch zum Stahlstreit mit China und anderen Ländern wie Deutschland. "Sie bieten Stahl zu Dumpingpreisen an, und sie zerstören unsere Stahlindustrie, sie tun es seit Jahrzehnten und ich werde es stoppen", so der US-Präsident.

Auf die Frage, ob er zum Schutz von US-Unternehmen lieber Quoten oder Zölle einführen wolle, erwiderte Trump: "Vielleicht mache ich beides." Die Aktien von US-Stahlkonzernen legten daraufhin zu. Trump will die heimische Stahlbranche stärken und geht mit Strafzöllen unter anderem bereits gegen Salzgitter und die Dillinger Hütte vor.

beb/dpa

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