Führungsgremium der US-Notenbank Trumps nächste Clown-Nummer

US-Präsident Trump braucht einen Aufschwung, den soll ihm die bisher unabhängige Fed sichern. Dafür will er zwei Kandidaten einsetzen, die fachlich niemand ernst nimmt. Aber die zwei lieben Trump.

Schiefer Blick: US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell
REUTERS

Schiefer Blick: US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell

Von , New York


Herman Cain, 73, Ex-Pizzaunternehmer und erfolgloser US-Präsidentschaftsaspirant, kennt keinen Ruhestand. Der Mann hat eine Web-Radioshow, ist Hobby-Pastor, tritt bei Fox News auf, betreibt eine konservative Website und verschickt "patriotische" E-Mail-Newsletter, deren Werbung den geneigten Lesern verheißt, sie könnten mit seiner Hilfe "1000 Dollar in 800.000 Dollar verwandeln".

So ein Trick könnte Cain bei seinem nächsten Job durchaus helfen: US-Präsident Donald Trump will ihn nämlich ins Führungsgremium der Federal Reserve Bank schicken, der wichtigsten finanzpolitischen Institution der Welt.

Kein Witz. Im Direktorium der US-Zentralbank sind gerade zwei der sieben Posten vakant. Für einen hat Trump Herman Cain avisiert, für den anderen Stephen Moore, einen Trump-nahen Autor und Kommentator.

Keiner der beiden hat Ökonomie studiert. "Schmierfinken" nennt Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman sie, und: "Clowns".

Fed statt fett? Der frühere Fast-Food-Manager und Ex-Präsidentschaftskandidat Herman Cain
Molly Riley/ AP

Fed statt fett? Der frühere Fast-Food-Manager und Ex-Präsidentschaftskandidat Herman Cain

Lustig ist daran nichts. Trump will die Fed unterwerfen: Er versteht die Notenbank, die aus guten Gründen von der Regierung unabhängig sein sollte, als verlängerten Arm seines Willens. Nicht zuletzt soll die Institution ihm bei seiner erhofften Wiederwahl im Jahr 2020 helfen. Weshalb er nun den politischen Druck auf ihren - von ihm selbst ernannten - Vorsitzenden Jerome Powell verstärkt und auch den Rest der Fed-Spitze auf Linie bringen will.

Dahinter steckt eine plumpe - und egoistische - Fehldeutung der komplexen Faktoren, die die US-Wirtschaft bestimmen: Trump sieht es als alleinige Aufgabe der Fed, aufs konjunkturelle Gaspedal zu treten, nur damit er im Wahlkampf mit einem ungebrochenen Aufschwung prahlen kann.

Zinsen senken für den Wahlsieg

"Die Fed sollte die Zinsen senken", wütete er am Freitag. "Sie haben uns wirklich gebremst." Soll heißen: Die Fed sei schuld, dass das US-Wachstum nicht die von ihm versprochenen Fantasiewerte erreicht. So forderte Trump außerdem, dass die Fed zur expansiven Geldpolitik und jenen unkonventionellen Konjunkturspritzen zurückkehre, mit denen sie die USA behutsam durch die Rezession nach dem Bankencrash von 2008 bugsiert hatte.

"Wenn er damit Erfolg hat", orakelt Krugman in seiner "New-York-Times"-Kolumne, "könnte eine der letzten Oasen ernsthafter, überparteilicher Entscheidungsfindung so korrupt werden wie der Rest der Trump-Regierung."

Trumps Attacken zeigten schon Ende vorigen Jahres Wirkung: Die Börsen reagierten unruhig, was wiederum die Fed irritierte - sie sah dann von weiteren Leitzinserhöhungen ab.

Die "Trumpifizierung der Federal Reserve" ("Vanity Fair") eskaliert nun mit der geplanten Nominierung von Cain und Moore ins Board, in dem, neben Powell, zurzeit drei Ökonomen und eine Juristin sitzen. Dagegen wirken Cain und Moore wie Praktikanten. Was womöglich der Sinn der Sache ist - Hauptsache Trump-nah.

"Sie sind beide sehr klug", verteidigte Larry Kudlow, der Direktor von Trumps Wirtschaftsrat und seinerseits ein vormaliger Fox-News-Kommentator, die Kandidaten in spe am Wochenende im Nachrichtensender CNN. "Diese Kritik ist sehr unfair."

Wo die Geldmacht sitzt: Fed-Zentrale in Washington
REUTERS

Wo die Geldmacht sitzt: Fed-Zentrale in Washington

Doch vor allem der einstige Tea-Party-Star Cain sorgt für Widerstand - selbst bei den Republikanern, die ihn im Senat bestätigen müssten. "Ich glaube nicht, dass Herman Cain ins Direktorat der Fed kommt", sagte Senator Mitt Romney, der sich bei den Vorwahlen 2012 als Präsidentschaftskandidat gegen Cain durchgesetzt hatte. "Wir dürfen die Fed nicht zur parteipolitischen Instanz machen."

Schon im Wahlkampf 2012 scheiterte Cain - der zuvor die Fast-Food-Ketten Burger King und Godfather's Pizza gemanagt hatte - an sich selbst. Sein bizarrer "9-9-9"-Steuerplan wurde verlacht - er wollte damit alle bisherigen Steuern durch nur noch drei Steuerarten à 9 Prozent ersetzen. Lächerlich war auch seine Bemerkung, er müsse ja nicht wissen, wer "der Präsident von Ubeki-beki-beki-beki-stan-stan" sei.

Ungeeignet, aber loyal

Zum Verhängnis wurde ihm schließlich, dass ihm vier Frauen sexuelle Belästigung vorwarfen. Cain dementierte, warf aber hin. Und das war noch, bevor die #MeToo-Debatte hohe Wellen schlug.

Viel wichtiger freilich ist Cains mangelnde Fachqualifikation. Zwar saß er von 1992 bis 1996 im Direktorium der Federal Reserve Bank of Kansas City. Doch seine Ansichten sind kontrovers: So forderte er, dass die USA den Goldstandard wiedereinführen.

Für Trump zählt aber nur Loyalität. Und die bewies Cain im September, als er eine Lobbygruppe gründete, um "respektlose, unehrliche und destruktive Nachrichten" über Trump zu bekämpfen und ihn "vor einem Impeachment zu schützen".

Trumps Bauchpinseler: Kommentator Stephen Moore
Tom Williams/CQ Roll Call/AP

Trumps Bauchpinseler: Kommentator Stephen Moore

Ähnlich servil gibt sich Stephen Moore. Seit Jahren bauchpinselt er Trump, preist seine physische Statur ("wie ein Footballspieler, in unglaublich toller Form"), ist Co-Autor der Hagiografie "Trumponomics" und hat ihn für den Wirtschaftsnobelpreis empfohlen.

In Fachkreisen gilt der Kommentator jedoch vielen als Scharlatan. Vor allem, weil er zusammen mit Arthur Laffer die widerlegte These propagierte, Steuergeschenke an Reiche würden nach unten durchsickern ("Trickle-down-Effekt"). Diese von Ronald Reagan praktizierte "Voodoo-Wirtschaft" (so Reagans Nachfolger George Bush abfällig) ist bei Trump und seinen Gefolgsleuten plötzlich wieder schwer angesagt, und damit auch Leute wie Moore. Dagegen schreibt selbst der konservative Harvard-Ökonom Greg Mankiw in seinem Blog über Moore: "Er hat nicht das intellektuelle Gewicht für diesen wichtigen Posten."

Auch Moore wird von privaten Skandalen verfolgt. So zwang ihn ein Gericht 2013, sein Haus zu verkaufen, weil er seiner Ex-Frau mehr als 333.000 Dollar Unterhalt schuldete. Sie hatte sich scheiden lassen, nachdem sie einer Affäre ihres Mannes auf die Schliche gekommen war.

Aber wann hätte sich Donald Trump je für so lästige Details wie Kompetenz oder Integrität interessiert.

insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
Gmorker 10.04.2019
1. Sehr klug ?!
Zitat: "Sie sind beide sehr klug" ... ja, das ist ja schön, hat aber mit Ökonomie noch lange nichts zu tun. Es gibt reihenweise "sehr kluge" Menschen, die von Ökonomie nichts verstehen (wollen), sondern ihre Klugheit auf anderem Gebiet zeigen. Insofern ist das keinerlei Argument für eine Eignung. Wenn sich auf die freie Stelle als Fachiformatiker AE in meiner Firma ein Chemiker/Biologe/Physiker bewirbt, darf der gerne einen Professorentitel und nen IQ von 190 haben, der ist für den Job trotzdem nicht geeignet. Genauso wie ich eine sehr kluge Anwältin nicht anstelle, um eine Trockenbau-Mauer zu setzen.
vaikl 10.04.2019
2. "Sie sind beide sehr klug", "Diese Kritik ist sehr unfair."
Liest sich wie von einem 12-Jährigen geschrieben. Die beiden scheinen zumindest geistig Zwillingsbrüder dieses Direktors von Trumps "Wirtschaftsrat" zu sein.
bikerrolf 10.04.2019
3. Na und
Ob US-Pizzabäcker oder EU-Ex-Banker: Die Zinsen werden gesenkt und die Sparer enteignet. Hauptsache die Börse eilt von Rekord zu Rekord.
p-touch 10.04.2019
4. Wenn Trump als Geschäftsmann
seine Top-Postionen in seiner Firma nach dem gleichen Muster besetzt wundert es mich überhaupt nicht das er ein paarmal Pleite war. Man kann nur hoffen das dieser Spuk 2020 vorbei ist, sonst bleibt von der USA nur noch ein politische und wirtschaftliches Trümmerfeld übrig.
AxelSchudak 10.04.2019
5. Kompetenz oder Integrität
> Aber wann hätte sich Donald Trump je für so lästige Details wie Kompetenz oder Integrität interessiert. Immer! Aber als Ausschlusskriterien...
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