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Trumps Weltbank-Kandidat Malpass Der Brandstifter als Brandmeister

Der US-Ökonom David Malpass ist ein scharfer Kritiker der Weltbank. Trotzdem - oder gerade deshalb - hat Donald Trump ihn nun als neuen Chef der Institution nominiert. Experten sind entsetzt.

"Keine Panik", beruhigte der Finanzexperte. Die Turbulenzen auf dem US-Immobilienmarkt seien nur Teil einer notwendigen Korrektur: "Die Wirtschaft ist robust und wird über die kommenden Monate, wenn nicht sogar Jahre solide wachsen."

Diese Worte stammen vom August 2007. Die Finanzkrise war im Anflug, der Experte hieß David Malpass, er war Chefökonom der traditionsreichen US-Investmentbank Bear Stearns und schrieb in einem Essay fürs "Wall Street Journal"  den kommenden Sturm klein.

Sieben Monate später kollabierte Bear Stearns, das für die Krise mitverantwortlich war. Dann ging Lehman Brothers pleite. Die Welt versank im Krisenstrudel.

Malpass' Karriere schadete das nicht. Er machte sich selbstständig, gab weiter unbeirrt falsche Prognosen ab, schloss sich Donald Trump an. Und der nominierte ihn jetzt zum neuen Präsidenten der Weltbank.

Donald Trump und David Malpass

Donald Trump und David Malpass

Foto: Evan Vucci/ AP

Es sind freilich nicht nur die professionellen Fehlschüsse, die Malpass' Berufung so kontrovers machen. Was noch viel mehr verstört, ist seine verbriefte Aversion gegen eben jene Weltbank, die er nun im Namen Trumps führen - und womöglich von innen heraus zerstören - soll.

Malpass, 62, soll dem bisherigen Bankpräsidenten Jim Yong Kim folgen, der überraschend zurückgetreten war. Als größter Anteilseigner dürfen die USA traditionell den Kandidaten bestimmen, während die Europäer den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen. Die Suche wurde von Trumps Tochter Ivanka geleitet - was manche irrtümlicherweise zu der Vermutung verführt hatte, es könnte diesmal erstmals eine Frau werden, etwa Indra Nooyi, die Ex-Chefin von Pepsi.

Weltbank-Zentrale in Washington

Weltbank-Zentrale in Washington

Foto: LAWRENCE JACKSON/ ASSOCIATED PRESS

"Ein ganz spezieller Mann", sagte der US-Präsident am Dienstag, als er seine Wahl für den Chefposten der weltgrößten Entwicklungsbank vorstellte - die ihm, wie alles Fremde und alles, was er nicht direkt kontrollieren kann, ein Dorn im Auge ist. "Ich kenne David schon lange."

Malpass hat zwar einen ansehnlichen Lebenslauf, so arbeitete er unter Ronald Reagan und George Bush. Doch die Nominierung sorgte prompt für Entsetzen. "Ein unverbesserlicher Brandstifter wird jetzt unser Brandmeister", twitterte der liberianische Ex-Politiker Gyude Moore.

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Trump zerschlägt Institutionen gern, indem er sie ihren schärfsten Kritikern unterstellt. Scott Pruitt verklagte das US-Umweltamt EPA dutzendmal, bevor er es leitete und ausblutete. Energieminister Rick Perry, Ex-Innenminister Ryan Zinke und sein designierter Nachfolger David Bernhardt - alle ebenfalls für Umweltfragen zuständig - arbeiteten früher mal für die Ölindustrie.

Was Malpass von der Weltbank hält, ist kein Geheimnis, seit 2017 war er als US-Finanzstaatssekretär für sie zuständig und nahm nie ein Blatt vor den Mund. Er bestand darauf, ihre "aufdringliche" Rolle in den Entwicklungsländern zugunsten des privaten Sektors zu drosseln. Er kritisierte die Gehälter und "Erste-Klasse-Flugtickets" der Mitarbeiter. Er bezeichnete sie als "oft korrupt" und als ein Symbol, das dem globalen Wachstum schade.

Ex-Weltbankpräsident Kim

Ex-Weltbankpräsident Kim

Foto: Mike Blake/ REUTERS

Vor allem aber stellte er sich gegen China, das als größter Schuldner der Weltbank zugleich mit der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank eine pazifische Konkurrenz schuf: "China hat jede Menge Ressourcen."

"Malpass wird die Beziehungen zu China sicher beeinflussen", sagte der Finanzexperte Scott Morris vom Center for Global Development dem Magazin "Foreign Policy". Die offene Frage: "Welche Rolle wird seine Weltbank spielen?"

Dabei leuchten manche Schritte ein, die Malpass propagierte. Er drängte die Weltbank zu Reformen, einer Kapitalerhöhung und mehr Transparenz. Er plädierte für eine Lockerung der Mission der reinen Armutsbekämpfung und für einen neuen Blick auf das, was die Dritte Welt wirklich brauche.

Malpass' Gegner sehen noch eine Chance

Doch zuerst ist Malpass Trumps "America First"-Doktrin verpflichtet - und die hat keinen Platz für Multilateralismus. Malpass werde sicherstellen, betonte Trump am Dienstag, dass die US-Steuergelder, die in die Weltbank flössen, "amerikanischen Interessen dienen".

Malpass' Gegner sehen noch eine Chance, das Ruder herumzureißen - eine Revolte bei seiner Wahl durch alle Anteilseigner der Weltbank, bei der die USA weder die Mehrheit noch ein Vetorecht haben. Doch dazu müssten sich die Europäer gegen Trump aufbäumen oder genug Staaten hinter einem anderen Kandidaten verbünden.

Für Trump ist Malpass jedenfalls bereits beschlossene Sache. Im Weißen Haus wandte er sich huldvoll an dessen Frau und Kinder, die neben ihm standen: "Ich möchte euch allen gratulieren." Als hätte die ganze Familie eine TV-Castingshow gewonnen.