Protest gegen Trump Chef der wichtigsten US-Gewerkschaft verlässt Industrierat

Der US-Präsident verliert immer mehr Mitglieder seines Beratergremiums: Auch der Chef des Gewerkschaftsdachverbands AFL-CIO hat nun seinen Posten aufgegeben. Grund ist Trumps Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville.

Richard Trumka (Archivbild)
AP

Richard Trumka (Archivbild)


"Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert": Mit dieser Begründung hat sich nun auch der Chef des größten Gewerkschaftsdachverbands in den USA aus einem der Beratergremien des Präsidenten zurückgezogen. Richard Trumka von dem Verband AFL-CIO warf Donald Trump am Dienstag vor, mit seinen jüngsten Bemerkungen seine "aufgezwungene" Erklärung zu den Vorfällen vom Vortag zu widerrufen.

Nach dem Aufmarsch rechtsextremer Gruppierungen in Charlottesville und dem Tod einer 32-jährigen Gegendemonstrantin hatte Trump am Wochenende eine klare Schuldzuweisung an Rechtsextreme zunächst vermieden und von Gewalt auf "vielen Seiten" gesprochen. Erst zwei Tage später distanzierte er sich am Montag auf massiven Druck hin eindeutig von der rechtsextremen Gewalt. Einen Tag später kehrte er aber auf einer Pressekonferenz in New York zu seiner ursprünglichen Aussage zurück, wonach es "Schuld auf beiden Seiten" gegeben habe.

Video: Trump sieht Schuld weiter bei Rechten und Linken

Aus Protest über Trumps Verhalten hatten bereits die Chefs des Pharmariesens Merck, des Chipherstellers Intel sowie des Sportartikelherstellers Under Armour den Industriebeirat des Präsidenten verlassen. Ihnen folgte am Dienstag der Präsident des Industrieverbands "Alliance for American Manufacturing", Scott Paul.

Der Industrierat soll Trump in wirtschaftspolitischen Fragen beraten. Trumka sagte nun zu seinem Rückzug, er sei dem Rat beigetreten, weil er gehofft habe, dort den Arbeitern eine Stimme geben zu können. Die Hoffnung auf eine positive Wirtschaftspolitik habe sich aber zerschlagen. Die Regierung habe mit ihren Handlungen die Arbeiter im Land wiederholt im Stich gelassen.

Während der Pressekonferenz in New York wurde Trump auf die Rücktrittswelle angesprochen. Warum so viele CEOs den Industrierat verlassen würden, fragte ein Reporter. "Weil sie ihren Job nicht ernst nehmen", antwortete Trump. Einige der Mitglieder hätten den Rat verlassen, "weil sie sich dafür schämen, ihre Produkte im Ausland herzustellen".

In den vergangenen Monaten haben sich bereits mehrere Top-Manager aus dem Beraterstab Trumps zurückgezogen. So legten Tesla-Chef Elon Musk und Disney-Chef Robert Iger ihre Ämter nieder, nachdem Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hatte. Ex-Uber-Chef Travis Kalanick schied aus Protest gegen die Einwanderungspolitik aus.

aar/AFP/AP

insgesamt 50 Beiträge
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wb99 16.08.2017
1. Wahnsinn
Der ist sicher nicht zu ersetzen. Nun muss Trump sicher zurücktreten.
laotse8 16.08.2017
2. Das heißt nur, daß
der Chef der AFL-CIO mit hanebüchener Begründung auf seine Einflussmöglichkeiten beim US-Präsidenten verzichtet. Das kann man moralisch gut finden. Politsch ist es schlicht dumm. Aber das kennen wir ja.
wokri 16.08.2017
3. Trump isoliert
Keiner will mehr mit Trump in Verbindung gebracht werden. Tesla Intel ms Oracle und und und sie merken es schadet Ihrem Geschäft.
sven2016 16.08.2017
4.
Die Wirtschaftsleute haben gemerkt, dass diese Regierung nicht in der Lage ist, ihnen die massiven Handelsvorteile zu geben, die Trump angekündigt hatte. Mit Amateuren verschwenden sie ihre Zeit nicht und den Namen für ein dubioses Regime hergeben und dann noch ohne Lizenzgebühren? ...
tailspin 16.08.2017
5. In Gueterabwaegung durchgefallen
Die AFL -CIO vertritt 12 Mio Mitglieder, und deren Chef gibt Beratersitz und Einflussnahme auf den US Praesidenten auf wg. ein paar Bemerkungen. Ad 1, je weniger Lobbyisten bei Praesidenten rumscharwenzenzeln, desto besser fuer alle anderen. Ad 2, politisch ist der Typ vielleicht korrekt, aber dennoch ein ausgesprochener Schwachkopf.
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