Handelsstreit Trump sieht USA im Vorteil - China gibt sich unbeeindruckt

Der Zollstreit zwischen Washington und Peking verschärft sich weiter - doch laut US-Präsident Trump läuft alles nach Plan. China wiederum zeigt sich selbstbewusst und warnt vor "Fantasie und Fehleinschätzung".
Donald Trump und Xi Jinping im November 2017 - nächstes Treffen in Osaka?

Donald Trump und Xi Jinping im November 2017 - nächstes Treffen in Osaka?

Foto: Damir Sagolj/ REUTERS

Im Handelsstreit mit China läuft für die USA alles wie geplant - zumindest nach Darstellung von Präsident Donald Trump. "Wir sind mit China genau dort, wo wir sein wollen", schrieb er am Sonntag auf Twitter .

China wiederum gab sich unbeeindruckt. Die Volksrepublik habe keinen Grund, einen Handelskrieg zu befürchten, hieß es am Montag in einem Kommentar der Tageszeitung "Global Times" , die unter der Schirmherrschaft des Parteiorgans der regierenden Kommunistischen Partei in China erscheint. "Die Vorstellung, dass China das nicht aushalten kann, ist eine Fantasie und Fehleinschätzung." Der Kommentar erschien unter der Überschrift: "Die US-Politik des maximalen Drucks ist nutzlos."

Trump behauptete am Sonntag auch, die USA würden Zölle von China in zweistelliger Milliardenhöhe einnehmen. Das hat er bereits mehrfach geäußert, obwohl es falsch ist: Die Zölle werden nicht von der chinesischen Regierung oder Firmen mit Sitz in China gezahlt, sondern von Importeuren chinesischer Güter. Das sind in der Regel US-Firmen oder in den USA registrierte Töchter ausländischer Unternehmen. Diese wiederum reichen die Kosten häufig an ihre Kunden weiter, die überwiegend Hersteller und Verbraucher in den USA sind.

Video: Trump attackiert China - "Sie werden zahlen!"

SPIEGEL ONLINE

Selbst Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow sagte am Sonntag im Sender Fox News, dass auch Unternehmen und Verbraucher in den USA die Importzölle zahlen müssten. Beide Seiten würden zahlen, sagte Kudlow. Die US-Wirtschaft sollte jedoch in der Lage sein, sich zu behaupten. "Wir sind in einer großartigen Verfassung, um 20 und mehr Jahre unfairer Handelspraktiken mit China zu korrigieren." Dies sei ein Risiko, das die USA eingehen sollten und könnten, ohne die Wirtschaft in nennenswerter Weise zu schädigen, sagte Kudlow.

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Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt überziehen sich seit mehr als einem Jahr gegenseitig mit Strafzöllen. Erst in der Nacht zum vergangenen Freitag war eine Zollerhöhung von zehn auf 25 Prozent für chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar in Kraft getreten. Der Handelskonflikt belastet die Finanzplätze weltweit und schürt Sorgen vor einem globalen Konjunktureinbruch.

Am Freitag waren auch die jüngsten Handelsgespräche zwischen Vertretern der USA und China in Washington ohne nennenswertes Ergebnis beendet worden. Anschließend erhöhte Trump noch einmal den Druck: Ohne eine Annäherung beider Seiten sollen Sonderzölle in Zukunft auf alle Importe chinesischer Waren im Wert von insgesamt rund 500 Milliarden US-Dollar ausgeweitet werden.

Chinas Vizepremier Liu He verglich die Gespräche mit einem "Marathon", der in der Schlussphase besonders schwer werde. China habe aber einen langen Atem: "Wir haben keine Angst vor Schwierigkeiten."

In dem Streit fordern die USA wegen ihres großen Handelsdefizits mit China einen größeren Marktzugang, einen besseren Schutz von Urheberrechten und Geschäftsgeheimnissen oder auch mehr Bemühungen, um zwangsweisen Technologietransfer zu verhindern. Auch stören sie sich an staatlichen Subventionen Chinas, die den Markt verzerren.

Sprechen Trump und Xi in Japan miteinander?

Einen Zeitplan für mögliche weitere Verhandlungsrunden zwischen Vertretern Washingtons und Pekings gebe es nicht, sagte Kudlow. Es bestünden keine "konkreten oder definitiven" Pläne. China hatte US-Finanzminister Steven Mnuchin und den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer nach Peking eingeladen.

Eine weitere Möglichkeit für direkte Gespräche beider Seiten bietet sich im kommenden Monat: Im japanischen Osaka findet am 28. und 29. Juni ein G20-Gipfel statt, an dem auch Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping teilnehmen werden. Die Chancen, dass sich die beiden dann persönlich unterhalten, seien "wahrscheinlich ziemlich groß", sagte Kudlow.

aar/Reuters/dpa/AFP