Trumps Protektionismus So abhängig ist die US-Wirtschaft von der Welt

US-Präsident Trump macht Ernst: Er stoppt das Freihandelsabkommen TPP und kündigt die Neuverhandlung von Nafta an. Dabei hängt die US-Wirtschaft vom Handel mit dem Ausland ab. Ein grafischer Überblick.
Containerhafen von Los Angeles

Containerhafen von Los Angeles

Foto: ROBYN BECK/ AFP

Die USA sind die größte Volkswirtschaft der Welt und sie handeln mit nahezu jedem anderen Land. 2015 kauften und verkauften sie Waren im Wert von fast 3800 Milliarden Dollar. Allerdings kaufen sie mehr von anderen Ländern als umgekehrt - das Minus in der Handelsbilanz erreichte mehr als 760 Milliarden Dollar. Der frisch vereidigte US-Präsident Donald Trump hält das für ungerecht und will es ändern - mit allen Mitteln.

An seinem ersten Tag im Amt hat Trump angekündigt, das seit 22 Jahren bestehende Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) mit Kanada und Mexiko neu zu verhandeln. Sein Argument: Es hat den USA geschadet, weil Unternehmen nach Mexiko abgewandert sind und deshalb Arbeitsplätze verlorengingen. Trump will die heimische Wirtschaft schützen, indem er Strafzölle erhebt. Doch ganz so einfach wird das nicht, wie die Grafik zeigt.

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Kanada und Mexiko sind nach China die für Amerika wichtigsten Importländer - umgekehrt sind die beiden US-Nachbarn aber auch die wichtigsten Absatzmärkte für US-Unternehmen. Sollte Trump seine Drohungen wahrmachen, könnten die Länder Gegenmaßnahmen ergreifen - und so die amerikanische Wirtschaft hart treffen.

Denn auch die Hersteller in den USA sind von Importen aus der ganzen Welt abhängig. Ohne Zulieferteile dürften die Bänder der US-Autohersteller bald stillstehen, ohne Maschinen aus Deutschland oder Rohstoffe aus China könnte die Produktion vieler Branchen zum Erliegen kommen.

Ähnlich sieht es im US-Außenhandel mit der Europäischen Union aus. Tatsächlich kauft Amerika deutlich mehr in der EU ein, als es dorthin exportiert, das Minus zwischen Ein- und Ausfuhren lag 2015 bei fast 160 Milliarden Dollar.

Auch im Handel mit Deutschland gibt es aus US-Sicht ein dickes Minus von gut 75 Milliarden Dollar. Die USA kaufen aus Deutschland vor allem Maschinen, Arzneimittel, Autos und Autoteile, während sie vor allem Computer und Zubehör, aber ebenfalls Arzneimittel und Autos sowie Autoteile nach Deutschland verkaufen.

Wirklich riesig ist das Handelsbilanzdefizit mit China: Die USA kauften in der Volksrepublik Waren für fast 370 Milliarden mehr als umgekehrt. Ähnliches trifft allerdings auch auf die EU zu.

Klar ist: Eine Welt mit weniger Handel bedeutet zumindest teilweise höhere Preise für viele Produkte. Denn was nicht mehr günstig aus China geliefert werden kann, muss teuer zu Hause hergestellt werden. Und ob die Jobs, die dabei vielleicht entstehen, die Arbeitsplatzverluste bei jenen amerikanischen Firmen aufwiegen, die auf freien Handel angewiesen sind, ist mindestens fraglich.