Debatte um Einreise-Dekret Uber-Chef verlässt Trump-Beratergremium

Travis Kalanick beugt sich dem Druck: Der Uber-Chef hat seinen Rückzug aus einem Top-Beratergremium von Donald Trump verkündet. Seine Teilnahme sei falsch verstanden worden.

Uber-Chef Travis Kalanick (Archivbild)
REUTERS

Uber-Chef Travis Kalanick (Archivbild)


Der Chef des Dienstleistungsunternehmens Uber, Travis Kalanick, hat ein Top-Beratergremium von US-Präsident Donald Trump verlassen. Das teilte der Uber-CEO in einer E-Mail an seine Mitarbeiter mit.

Darin heißt es, er habe am Donnerstag mit Trump über dessen Einwanderungsbann sowie die Auswirkungen des Verbots gesprochen und den Präsidenten über seinen Rückzug informiert.

"Der Gruppe anzugehören, war weder als Unterstützung des Präsidenten noch seiner Agenda gemeint", schrieb Kalanick, "es wurde aber fälschlich genau so verstanden." In den vergangenen Tagen hatte es Kritik am Uber-Chef gegeben, weil dieser mit Trump zusammenarbeiten wollte. In sozialen Medien hatte es Aufrufe gegeben, Uber zu boykottieren. Auch Kunden und Angestellte hatten Kalanick kritisiert. Er hatte zu Beginn der Woche getwittert, er wolle bei der Besprechung seine Bedenken gegen das Einreiseverbot vorbringen.

Kalanick hätte eigentlich an einem für Freitag mit Spannung erwarteten Treffen mit Trump im Weißen Haus teilnehmen sollen, das als "Strategie- und Politikforum" überschrieben ist. Kalanick war einer von 16 Firmenchefs, die dabei sein sollen. Zu den anderen gehören unter anderem Ex-General-Electric-CEO Jack Welch und Elon Musk (Tesla, SpaceX). Das Gremium soll dem Präsidenten überparteilichen Rat geben und ihn über Auswirkungen seiner Politik informieren.

Gegen Trumps Einreisebann, der für einen befristeten Zeitraum alle Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern von den USA fernhält, gibt es weltweit Proteste. In den USA stellen sich auch mehrere Unternehmen aus dem Silicon Valley offen dagegen. Zu den schärfsten Kritikern von Trumps Anordnung zählen Apple, Amazon und Netflix, deren Chefs aber nicht dem Diskussionsforum des Präsidenten angehören. Sie verweisen unter anderem darauf, wie wichtig Einwanderung und bestimmte Visa für den Erfolg ihrer Firmen sind. Viele Tech-Unternehmen sind von dem Bann unmittelbar betroffen.

max/Reuters/dpa

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willibaldus 03.02.2017
1.
ups. Trump ist schon PR Gift? Nach 2 Wochen?
Denk_mal 03.02.2017
2. nur logisch
Das Herr Kalanick diesen Schritt getan hat finde ich gut. Ich sehe Herrn Trump als Kind welches dabei ist seine Grenzen auszuloten. Ich denke der Verlust von Herrn Kalanick wird Donald Trump nicht nachhaltig zum Umdenken bewegen. An meinen Vorbehalten gegen Uber ändert dies wenig. Das Geschäftsmodell von Uber beruht auf Fahrern die prekär selbständig arbeiten. Der Fahrer bekommt das unternehmerische Risiko, Uber kassiert bei jeder Nutzung. Für mich stellt sich die Frage ist die Dienstleistung oder die Vermittlung der Dienstleistung wertvoller? Mich erinnert dies an Zuhälter, das war früher mal strafbar. Da ist Uber nur eines von vielen Unternehmen die hochbewertet sind für etwas was auch zuvor funktionierte. Lieferheld etc.
Rosenhag 03.02.2017
3. Dagoberts und MacMoneysäcke
IT-Unternehmen wollen natürlich nur Minilöhne zahlen und Maxiprofite generieren. Logisch sind die gegen Trump.
mikefuerbass 03.02.2017
4. Trump ignoriert die Realität
Was zu erwarten war - zumindest für mich. Trump ist einfach Old Economy - und die global tätigen Unternehmen wie Apple, Google, Amazon, Uber und so fort rekrutieren Mitarbeiter eben längst weltweit, ohne Unterschiede bei Herkunft, Religion etc. Hier zählen nur Qualifikationen, und das ist auch gut so. Wobei ich anmerken möchte, dass ich das Geschäftsmodell der vorgenannten Unternehmen im Einzelfall nicht immer gut finde, aber das ist eine andere Baustelle. Gut finde ich, dass ohne Ansehen von Herkunft und so fort jeder dort eine Chance hat, wenn die Fähigkeiten passen. Und genau das passt eben nicht in das Old-Economy-Weltbild von Trump. Dumm nur, dass exakt diese Unternehmen in USA das BIP erwirtschaften und nicht mehr die industriellen Giganten aus der Jugendzeit von Don. Er legt sich gerade mit den Unternehmen an, die ihm nicht nur das BIP sichern, sondern die, weil sie ein virtuelles Produkt herstellen, dieses Produkt jederzeit und mit vergleichsweise geringem Aufwand auch ab 2018 von Kanada (CETA) aus oder sogar von Europa aus global anbieten können, wenn Don verhindert, dass die Spitzenleute nicht mehr in die USA einreisen dürfen. You better don't bite the hand that feeds you - you should have heard that one along the way...
naive is beautiful 03.02.2017
5. na klar, war ja alles nicht so gemeint...
Der Rückzug Kalanicks aus 'einem Top-Beratergremium von US President Trump' ist wenig überzeugend und schon garnicht souverän. Zu dumm dass seine Einbindung in dieses Beratergremium völlig fälschlicherweise als Unterstützung des Trumpel-Kurses und -Agenda 'so sehr missverstanden' werden konnte... - Pharisäer aller Länder, vereinigt Euch ! Es ist halt ein höchst delikater Seiltanz, den die maßgeblichen global aufgestellten US-amerikanischen Unternehmen derzeit zu stemmen haben: Einerseits verlangt ein nicht ganz unmaßgeblicher Teil der US-Bevölkerung ein klares solidarisches Bekenntnis der US Wirtschaft zu sogenannten 'amerikanischen Werten', andererseits kann man als Global Player natürlich auch keinen kleingeistigen, pingeligen Isolationsparolen das Wort reden. Der Uber-Chef bevorzugt einstweilen den 'irgendwie-noch-halbwegs-stressfreisten' Weg, was allerdings rein garnicht überzeugen kann. Es ist nicht sein Rückzug aus dem ohnehin von vorn herein lächerlichen Präsidentenberatergremium per se, vielmehr sind es seine krampfhaft zusammengestammelten Gründe dafür, die alles andere als souverän wirken. Wenn Kalanick nicht sehr bald 'klare Kante' zeigt, beschädigt er sein eigenes und Uber's Image mehr als es sein ach so cooles Involvment als 'Trumpelberater' jemals hätte herausreißen können :(
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