Wirtschaftliche Folgen des US-Shutdowns Auf in den Abschwung

Die längste Haushaltssperre in der US-Geschichte belastet nun auch die Konjunktur: Manche Ökonomen fürchten sogar schon einen Abschwung - doch Präsident Trump bleibt hart.

US-Staatsangestellter protestiert gegen den Shutdown
AP

US-Staatsangestellter protestiert gegen den Shutdown

Von , New York


Inzwischen müssen Spenden die Not lindern. Eigentlich betreut die Washingtoner Suppenküche Capital Area Food Bank Obdachlose und Arme. Am Wochenende richtete die Organisation jedoch spezielle zusätzliche Essensausgaben ein - für Staatsbedienstete.

Mehr als 1100 Betroffene der längsten Haushaltssperre der US-Geschichte strömten zu den insgesamt acht Versorgungsstellen, an denen Helfer Gemüse und Konserven austeilten. "Das ist so erniedrigend", sagte eine Mitarbeiterin des Handelsministeriums der "Washington Post". Sie hat wie ihre Kollegen seit einem Monat kein Gehalt mehr bekommen.

Der Shutdown, den US-Präsident Donald Trump mit seiner Forderung nach einer Grenzmauer zu Mexiko erzwungen hat, hat verheerende Auswirkungen: Während sich Trump und die Demokraten streiten, greifen die Leidtragenden zu immer verzweifelteren Mitteln, um die Engpässe zu überbrücken - Zweitjobs als Uber-Fahrer, Crowdfunding, Pfandhäuser.

Video: Die Verzweiflung der Staatsbediensteten

Die Konsequenzen für die Staatsdiener hat Trump bisher ignoriert. Was er allerdings nicht länger ignorieren kann, sind die volkswirtschaftlichen Konsequenzen: Der Shutdown drückt längst auch auf die US-Konjunktur - und zwar von Tag zu Tag schwerer als erwartet.

Das muss selbst das Weiße Haus einräumen. Trumps Wirtschaftsrat, der Council of Economic Advisers (CEA), hat seine Prognosen revidiert: Demnach drosselt der Shutdown die Wachstumsrate - die im dritten Quartal 2018 bei 3,4 Prozent lag - um 0,13 Prozentpunkte pro Woche, und damit doppelt so stark wie gedacht. Ein halber Prozentpunkt ging also bereits verloren. Sollte das so weitergehen, sagte CEA-Chef Kevin Hassett, sei ein vorübergehender Abschwung nicht auszuschließen.

Unabhängige Experten sind noch pessimistischer. Die "Torheit" des Shutdowns habe "reale Folgen" für die US-Konjunktur, schreibt Bernard Baumohl, der Chefökonom der Economic Outlook Group: Er drohe das Wirtschaftswachstum "aus der Bahn zu werfen".

Trump am Samstag
JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX

Trump am Samstag

Das Wachstum könnte im ersten Quartal 2019 auf unter zwei Prozent fallen, sagte Moody's-Chefvolkswirt Mark Zandi im TV-Sender CNBC: "Das ist Futter für eine Rezession." Ian Shepherdson, Gründer der Beratungsfirma Pantheon Macroeconomics, fürchtet: "Wenn das bis Ende März geht, kommen wir bis ans Nullwachstum." Je länger der Shutdown anhalte, "umso schwerer wird die Erholung".

Obwohl die Fundamente der US-Konjunktur stabil seien, könnte die Krise das Wachstum zeitweise stoppen und eine Rezession auslösen, sagte auch Jamie Dimon, Vorstandschef der größten US-Bank JPMorgan Chase, vergangene Woche. "Wir müssen uns darauf vorbereiten."

Denn die Haushaltssperre für neun Ministerien und Behörden - gut ein Viertel des US-Regierungsapparats - trifft nicht nur rund 800.000 Angestellte. Sondern auch Zehntausende private Vertragsfirmen, die keine Aufträge mehr bekommen. Die "Washington Post" beziffert den dadurch entstehenden Verlust auf gut 200 Millionen Dollar pro Woche.

Shutdown-Protest am Flughafen Los Angeles
REUTERS

Shutdown-Protest am Flughafen Los Angeles

Hinzu kommen zahllose Kleinbetriebe, die bei ihren Darlehen auf die Bürokratie der Small Business Administration (SBA) angewiesen sind. Auch diese staatliche Behörde liegt zurzeit brach. Nach Angaben des "Wall Street Journal" klemmen mittlerweile rund zwei Milliarden Dollar an SBA-Krediten, die für die Firmen oft lebenswichtig sind.

Das schlägt sich auch auf den Optimismus bei Unternehmern und Konsumenten nieder. Der "Wall Street Journal-Vistage Small Business Confidence Index", der die Stimmung bei Kleinbetrieben misst, sowie der wichtige Verbraucherindex der University of Michigan sanken im Januar auf die tiefsten Werte seit Trumps Wahlsieg im November 2016. Richard Curtin, der Direktor der Michigan-Befragung, zitierte "eine Reihe" von Ursachen dafür, darunter Trumps Zollkriege, instabile Finanzmärkte, eine globale Konjunkturabschwächung - doch an erster Stelle den Shutdown.

Es scheinen diese düsteren Vorhersagen zu sein, die Trump am Wochenende bewegten, den Demokraten entgegenzukommen, wenn auch nur einen halben Schritt. Die Opposition durchschaute sein Spiel und lehnte den Kompromiss prompt ab - denn er war keiner: Die Konzessionen, die Trump ihnen im Streit um die Mauer und illegale Einwanderung anbot, sind weitgehend kosmetisch.

Und so geht die Not weiter.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich haben wir die US-Wachstumsrate im dritten Quartal falsch angegeben. Die Angabe wurde korrigiert.

insgesamt 186 Beiträge
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Seite 1
PJanik 21.01.2019
1. Im Zweifel ist Trump schuld.....
..... oder tatsächlich sich an Umfragen aufgeilende Politiker jeglicher Couleur? Es sollte klar sein das hier parteipolitische Spielchen auf dem Rücken der Staatsbediensteten ausgetragen werden. Die Monetärokratie und Mediokratie USA schlittert in eine Krise der Regierung (wozu ich Repräsentantenhaus, Senat und Präsident zähle). Nächste Szene in dem Drama: Trump erklärt einen Notstand an der Grenze um die Mauer zu kriegen. Demokraten können sich dann den Shutdown auf die eigenen Fahnen schreiben. Können gewählte Politiker so dumm sein Trump in die Hände zu spielen? Anscheinend ja und mit Verve.....
touri 21.01.2019
2.
Nun man könnte auch sagen, die Demokraten bleiben hart. Mittlerweile wäre es wahrscheinlich billiger gewesen die Grenzsicherungsanlage einfach hinzustellen und gut ist.
cuisinier81 21.01.2019
3. traurig...
Liebe Grüße an jeden der Ihn gewählt hat! Soooooo, setzt er sich für Euch!
spon-facebook-1432602831 21.01.2019
4. Wie schlecht werden die denn bezahlt?
Wie schlecht werden amerikanische Staatsangestellte bezahlt? Wie kann es sein das diese Leute verarmen, weil sie einen Monat kein Gehalt bekommen haben?
Haarfoen 21.01.2019
5. gilets jaunes = yellow vests
Die US- amerikanischen Lämmer ... keiner wehrt sich, keine Proteste ... nur Tränen vor laufender Kamera. Wenn 250.000 Gelbwesten das weiße Haus belagern würden, sähe die Sache mit dem "Shutdown" sicherlich anders aus.
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