Trumps Pläne für Autozölle Miese Aussicht

Die amerikanische Industrie hat vor Donald Trumps Autozöllen genauso viel Angst wie die deutsche - selbst Verbündete kritisieren den Präsidenten für den Plan. Das wird ihn aber wohl auch nicht umstimmen.

Donald Trump im Oval Office des Weißen Hauses
AP

Donald Trump im Oval Office des Weißen Hauses

Von , Washington


Donald Trump war am Montag untermotorisiert unterwegs. Mit höchstens 15 Meilen pro Stunde kurvte der Präsident im Golfcart über den Platz im eigenen Luxusressort Mar-a-Lago in Florida.

Den Bericht zu den Autozöllen, den das Handelsministerium wenige Stunden zuvor im Weißen Haus abgeliefert hatte, hatte er wohl nicht in der Golftasche. Trump kennt den Inhalt sowieso, es handelt sich um eine Auftragsarbeit.

Kaum jemand bezweifelt, dass die Untersuchung zu dem bestellten Ergebnis gekommen ist: dass ausländische Autoimporte die nationale Sicherheit Amerikas bedrohen. Nun liegt die Entscheidung beim US-Präsidenten. Er kann Zölle gegen importierte BMWs, Mercedes und Porsches verhängen - oder die Drohung nutzen, um von Europa Zugeständnisse in den Handelsgesprächen zu erpressen: "Ich liebe Zölle, aber ich liebe auch, darüber zu verhandeln", hatte er vor der Abreise nach Mar-a-Lago gesagt.

"Verhandeln" allerdings heißt im Trump'schen Sprachgebrauch: Ihr macht, was ich will, sonst mache ich, was ich will. Spätestens seit er zum Notstand gegriffen hat, um die Mauer zu Mexiko durchzusetzen, dürfte jedem klar sein, dass sich der 45. Präsident der USA dabei um Recht und Gesetz wenig schert.

Selbst Parteifreunden wird zunehmend unwohl. Autozölle mit der Sicherheitsklausel von Kapitel 232 zu begründen, sei ein "Missbrauch" des Gesetzes, kritisiert der republikanische Senator Rob Portman. Er vertritt den Bundesstaat Ohio, wo General Motors eines seiner Werke schließen wird.

Autoindustrie und Ökonomen einig im Widerstand

Doch nicht einmal der strauchelnde amerikanische Autokonzern freut sich über die Steine, die der Präsident der Konkurrenz aus Übersee in den Weg legen will. Denn auch ein in Amerika gebautes Auto besteht nach Berechnung des unabhängigen Center for Automotive Research (CAR) zu 40 bis 50 Prozent aus importierten Komponenten. "Nicht ein einziges Unternehmen in der heimischen Autoindustrie hat diese Untersuchung gefordert", erklärt empört der Verband der Autoteilezulieferer.

Tatsächlich hat die US-Wirtschaft vor den Folgen der Zölle genauso viel Angst wie Europa. "Zur Erinnerung: Die Autoindustrie ist im Widerstand geeint. Genauso wie fast alle Ökonomen. Es ist eine schreckliche Idee", twitterte John Murphy, Vizepräsident der US-Handelskammer. Selbst Trumps Berater lehnen das Instrument ab - mit Ausnahme des überzeugten Protektionisten Peter Navarro.

Die Ökonomen fürchten, dass Europa wie angekündigt zurückschlagen wird, wenn Trump 20 oder 25 Prozent Strafzölle auf Autos, SUVs und Autoteile aus dem Ausland einführt. Aber vor allem warnen sie, dass die amerikanischen Käufer den Preis bezahlen werden. "Diese Zölle sind eine Steuer für US-Unternehmen, und am Ende werden sie eine zusätzliche Ausgabe für die Verbraucher sein", sagen die Zulieferer voraus. Nach Schätzung des CAR würde ein in den USA verkauftes Auto durchschnittlich um 2750 Dollar teurer. Die Folge: ein Umsatzrückgang von 1,3 Millionen Fahrzeugen pro Jahr - und der mögliche Verlust von 366.900 Jobs in Amerika.

Mit Vollgas auf Konfliktkurs

Noch hofft die US-Wirtschaft, dass Trump die Zölle nur als Druckmittel in den Handelsgesprächen mit Europa benutzt, ohne die Drohung wirklich wahr zu machen. Er hat dem EU-Präsidenten Jean-Claude Juncker zugesagt, für die Dauer der Verhandlungen stillzuhalten. Aber inzwischen werfen die US-Unterhändler der Gegenseite vor zu blockieren, und Trump neigt nicht gerade zu exzessiver Geduld. Dass die EU 2018 im Handel mit den USA einen Rekordüberschuss eingefahren hat, dürfte ihn zusätzlich reizen.

Zur Taktik des Weißen Hauses gehört, das Dossier möglichst geheim zu halten. "Sie wollen es nicht öffentlich machen, damit der Präsident es als Drohung in der Hinterhand behalten kann", zitierte das Nachrichtenportal Axios einen Insider. Auch in den USA stößt dieses Vorgehen auf Befremden. Die Geheimniskrämerei "erhöht die Unsicherheit und die Sorge", so der Zuliefererverband. Man sei "alarmiert und bestürzt".

Zumindest in dieser Hinsicht besteht jedoch wenig Grund zur Sorge. Die Indiskretion im Weißen Haus ist notorisch. Was dort geschieht, findet fast immer den Weg in die Medien. Und oft ist es der Präsident selbst, der ausplaudert, was ihn bewegt. Nach dem verlängerten Golf-Wochenende dürfte er bald wieder mit Vollgas auf Konfliktkurs gehen.

insgesamt 94 Beiträge
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gichtschub 20.02.2019
1. Mach doch DT
Die deutschen Autobauer sollten mal starke Schulter zeigen und alle Produktionsstätten in USA schließen! Ganz einfach. Mit etwas Wille und Kraft wäre das machbar! Amerika last!
ollydk 20.02.2019
2.
Sollen sie ihn doch machen lassen. Wenn da tatsächlich soviel dran hängt (u.a. fast 400.000 Arbeitsplätze), dann wird ihm das Ganze ordentlich auf die Füße fallen. Aber ehrlich gesagt wird es langsam mal Zeit, dass die Republikaner Cochones zeigen und diesen Möchtegern-Präsidenten mal ordentlich in die Schranken weisen.
Alm Öhi 20.02.2019
3. Es geht auch anders
Die EU könnte die Strafzölle vorzeitig einführen und Trump somit unter Druck setzen.
claus7447 20.02.2019
4. Ja Donny's Deals
Ich verstehe nicht die "öffentliche" Aufregung unserer Gewerkschaften und Hersteller. Hat das ja die Käsefrisur jemals beeindruckt oder sich umstimmen lassen? Wie im Artikel beschrieben, die Argumentation ist hanebüchen wie seine notstandsverordnung. Dieser Präsident wird vermutlich bis zum Ende seiner Amtszeit eine lange Reihe von Prozessen gegenüber gestellt sein. Aber wer sich erinnert, bei antritt hätte er ein Ziel, das von Bannon beschrieben wurde, die zerstörung der strukturen. Das ist ihm teilweise bereits gelungen. Klima Abteilung, Verhältnis mit EU und NATO, Moral in den USA. Ganz zu schweigen von der Staatsverschuldung. Seine Anhängerschaft bröckelt. Langsam, aber... Die Steuer Rückzahlung war für viele eine Enttäuschung. Es werden viele Jahre ins Land vergehen, bis dies wieder repariert werden kann.
severin123 20.02.2019
5. Die Karten werden neu verteilt.
Dann müssen wir Zölle auf die Artikel draufschlagen, von denen die Amis am meisten profitieren. Apple , Microsoft & Co. Wenn ich an den zweiten denke gehts mir wie einem Junkie auf Entzug, gibt es überhaupt eine Alternative ? Aber vielleicht ist das, langfristig, der Weg aus der Abhängigkeit. Trump hat gezeigt was für eine Verwirrung man als Präsident stiften kann, früher oder später wird ein anderer kommen, vielleicht genauso drauf wie Trump mit mehr Rückendeckung aus dem Volk. Ohne Parodien von Alec Baldwin wer weiss, ob jemand das ganze lächerlich findet.
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