Furcht vor Handelskrieg US-Konzerne protestieren gegen Trumps China-Zölle

Nicht nur in Europa und China regt sich der Unmut gegen Präsident Trumps Zollpläne, Dutzende US-Verbände laufen Sturm dagegen. Wirtschaftsminister Altmaier will unterdessen in Washington einen Kompromiss aushandeln.
US-Präsident Trump

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Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS

45 amerikanische Wirtschaftsverbände haben in einem Brief an US-Präsident Donald vor der Verhängung von Zöllen gegen China gewarnt. Diese würden "besonders schädliche" Folgen für die US-Wirtschaft und Verbraucher haben, zitierten die Verbände am Sonntag aus dem Schreiben.

Die Maßnahmen könnten - wie es in einem öffentlich gewordenen Entwurf des Schreibens hieß - eine "Kettenreaktion negativer Folgen für die US-Wirtschaft auslösen und Vergeltungsmaßnahmen provozieren, die US-Landwirtschaft ersticken, Güter und Dienstleistungsexporte und Kosten für Firmen und Konsumenten erhöhen".

Die Zölle würden zudem Arbeitsplätze vernichten und die Finanzmärkte belasten. Stattdessen solle die Regierung zusammen mit der US-Wirtschaft nach einer "effektiven, aber angemessenen Lösung" für das Problem der protektionistischen chinesischen Wirtschaftspolitik finden. Zu den Unterzeichnern gehören als Vertreter einiger der größten Konzerne des Landes etwa die US-Handelskammer und der nationale Verband der Einzelhändler.

Trump erwägt nach Medienberichten Zölle in einem Volumen von bis zu 60 Milliarden Dollar auf chinesische Waren. Er will damit nach Angaben aus dem Präsidialamt auf den Diebstahl intellektuellen Eigentums reagieren, den er China vorwirft. Ende der Woche sollen im In- und Ausland umstrittene Schutzzölle auf Stahl und Aluminium in Kraft treten.

Angesichts der drohenden US-Zölle will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Möglichkeiten für eine Verständigung ausloten. "Ich möchte nicht, dass wir in einen Handelskrieg geraten zwischen Europa und den USA", sagte er am Sonntag vor dem Abflug zu einer Reise nach Washington in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".

Auch Altmaier kritisiert "billigen Stahl aus Schrottwerken"

Das Problematische an der jetzigen Situation sei "die Gefahr, dass wir in eine Spirale von einseitigen Maßnahmen kommen". Daher solle über offene Fragen gesprochen werden. Wenn auf amerikanischer Seite der Eindruck entstehe, "dass es nicht fair und nicht ausgewogen ist, dann muss man darüber reden". Es gebe sicher auch Punkte, in denen sich die Europäer beschwert fühlen.

Altmaier, der beim Antrittsbesuch in Washington unter anderem seinen US-Amtskollegen Wilbur Ross treffen will, betonte: "Ich möchte, dass wir in Deutschland weiterhin Stahl zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren. Und ich möchte, dass das auch in den USA möglich ist." Die Gefahr liege "bei denen, die zu Dumpingpreisen billigen Stahl aus Schrottwerken verkaufen".

Auf dem globalen Stahlmarkt gibt es Überkapazitäten, die nach Branchenangaben etwa zur Hälfte aus China kommen. Deutschland und die EU wollen versuchen, von US-Präsident Donald Trump angekündigte Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte noch zu verhindern, die an diesem Freitag in Kraft treten sollen.

Altmaier sagte: "Niemand weiß, ob wir bis Ende der Woche schon zu einem Ergebnis kommen." Es gelte nun, sich nicht öffentlich zu kritisieren. "Wir müssen versuchen, Kompromisse zu finden." Der Minister betonte, in der Globalisierung seien die USA und Europa "nicht natürliche Gegner, sondern wir sind eigentlich eher Bundesgenossen".

beb/Reuters/dpa
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