Handelsstreit Trump warnt China vor Spiel auf Zeit

Donald Trump drängt China zu einem raschen Abschluss eines Handelsabkommens mit den USA. Sollte die Volksrepublik nicht bald zustimmen, würde es für sie "nur schlimmer werden", schrieb der US-Präsident auf Twitter.

Donald Trump: Der US-Präsident setzt China weiter unter Druck
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Donald Trump: Der US-Präsident setzt China weiter unter Druck


Nach der ergebnislosen Verhandlungsrunde im Handelsstreit mit China setzt US-Präsident Donald Trump die Volksrepublik mit möglichen neuen Strafzöllen und Warnungen massiv unter Druck. Er drängte China am Samstag, möglichst bald einem Handelsabkommen zuzustimmen, da sich ansonsten die Konditionen verschlechtern würden. Zuvor hatte er angeordnet, eine Zollerhöhung auf so gut wie alle bislang noch ausgenommenen chinesischen Importe vorzubereiten.

Die Volksrepublik wolle womöglich den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 abwarten, "um zu sehen, ob sie Glück haben, dass ein Demokrat gewinnt - und sie in dem Fall die USA weiterhin um 500 Milliarden Dollar pro Jahr abzocken würden", schrieb der Republikaner am Samstag auf Twitter. "Das einzige Problem ist, sie wissen, dass ich gewinnen werde ... und ein Deal wird für sie viel schlimmer werden, wenn er in meiner zweiten Amtszeit verhandelt werden muss." Es wäre klug von China, wenn es jetzt handle.

Während dieUSA im vergangenen Jahr Waren im Wert von 120,3 Milliarden Dollar nachChina exportierten, beliefen sich die Importe von dort auf einen Wert von 539,5 Milliarden Dollar. Das gigantische Handelsdefizit der USA mit China ist Trump seit Langem ein Dorn im Auge.

"Offen und konstruktiv"

Nachdem der US-Präsident die zweitägigen Gespräche mit China in Washington zunächst als "offen und konstruktiv" gelobt hatte, läutete er noch am Freitag eine nächste Eskalationsstufe ein. Der Präsident habe angeordnet, das Verfahren zur Ausweitung der Sonderzölle auf fast alle verbliebenen Einfuhren aus China einzuleiten, teilte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer mit. Es gehe um Waren im Wert von rund 300 Milliarden Dollar.

Bislang sind Waren aus der Volksrepublik im Volumen von mehr als 250 Milliarden Dollar von Strafzöllen betroffen. Davon stiegen die Zollsätze für Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar erst am Freitag - mitten in der da noch laufenden Verhandlungsrunde - von zehn auf 25 Prozent. Sie treffen beispielsweise Elektrogeräte, Maschinen, Autoteile und Möbel aus China.

Gespräche bislang ohne Ergebnis

Das Prozedere zur Zollanhebung auf die verbliebenen chinesischen Importe soll laut Lighthizer am Montag beginnen. Die Entscheidung ist offen. Es wird damit gerechnet, dass die höheren Strafzölle erst in mehreren Monaten in Kraft treten, sollten sie tatsächlich verhängt werden.

Trumps Ankündigung erfolgte kurz nach dem Ende der zweitägigen Handelsgespräche, die ohne greifbares Ergebnis geblieben waren. Der chinesische Chefunterhändler Liu He sprach vor Journalisten von "produktiven" Gesprächen. Beide Seiten würden die Verhandlungen in Peking fortsetzen.

Er warnte zugleich aber auch, dass China zu "wichtigen Prinzipien" keine Zugeständnisse machen werde. "Wir sind uns in vielen Gebieten einig, aber um offen zu sein, gibt es Bereiche, wo es Differenzen gibt, und wir glauben, dies betrifft wichtige Prinzipien", sagte Liu.

Seit Juli 2018 überziehen sich die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt gegenseitig mit Zöllen, was bereits die globale Konjunktur bremst. Am Freitag läutete Trump eine weitere Runde in dem Konflikt ein. So wurden die Zölle auf eine ganze Reihe weiterer chinesischer Importe heraufgesetzt. Trump drohte zudem damit, auch die Zölle auf alle übrigen chinesischen Importe zu erhöhen, die bislang von solchen Maßnahmen noch nicht betroffen sind. Details dazu sollen in Kürze folgen.

hen/Reuters/AFP



insgesamt 72 Beiträge
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n.strohm 12.05.2019
1. Warnung vor Spiel auf Zeit
Genau Donny.... Die Zeche für die Strafzölle zahlt der amerikanische Bürger, da chinesische Einfuhren sofort teurer werden. Nur wenn die Produktion dieser Artikel in die USA verlagert werden, bringt das Arbeitsplätze und den wirtschaftlichen Erfolg, den du so dringend brauchts. Die Frage ist: Wie lange dauert der Aufbau einer solchen amerikanischen Produktion und wieviel Geld wird das Produkt dem amerikanischen Bürger dann kosten ? Sehr wahrscheinlich mehr als heute, da Amerikaner kaum zu chinesischen Bedingungen arbeiten. Je länger die Chinesen warten desto offensichtlicher wird, dass Donny nicht Ernst genommen wird. Weder bei seinen eigenen Industriefürsten, die die Strafzölle als Aufforderung und Anreiz verstehen sollen, ihre Produktion in die USA zu verlegen. Nur, das tun sie nicht in dem Maße wie Donny es gerne hätte.
ddcoe 12.05.2019
2. China hällt länger durch
Trump hat keine Ahnung von der Mentalität der Chinesen. Es wird nicht lange dauern, bis die Farmer, die Industriearbeiter und die Autobauer in den USA mit dem Rücken zur Wand stehen. Klar, die Chinesen werden auch leiden - aber das sind sie gewohnt. Die Ehre ist ihnen ebenso wichtig wie der wirtschaftliche Erfolg.
marcnu, 12.05.2019
3. Die Dumpingpreise der chinesischen Herstellen haben dann ein Ende.
So haben amerikanische Hersteller wieder eine Chance, ihre Produkte zu verkaufen.
radlrambo 12.05.2019
4. Was will CN?
"Die Volksrepublik wolle womöglich den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 abwarten, "um zu.." Ich sehe das mittlerweile anders: Da gibt es mehrere Optionen und die Option die für CN am meisten Vorteile bietet, für diese werden sie sich entscheiden. Die Frage ist lediglich, welche das ist? Hilft Trump CN langfristig, oder fügt er CN mehr Schaden zu? Ich bin mir nicht sicher, ob es in CN da eine einheitliche Meinung gibt. Sicher kurzfristig ist der wirt. Schaden durch den Handelskrieg enorm, aber da kann man ja den Schuldigen benennen. Die Frage ist, was gibt es für CN zu gewinnen, wenn Trump weiterhin Präsident bleibt? Eines ist klar: Es waren die Russen, die Trump darin unterstützten Präsident zu werden, da sie erkannten, wie sehr diese die demokratische USA schwächt und ihr gemeinsames Ziel, die int. ungebremste int. Korruption, befördert. Ich bin mir sicher, dass es derzeit in CN hinter verschlossenen Türen ähnliche Diskussionen gibt. CN hat Trump in der Hand: Die müssen sich nicht vor der nächsten Wahl fürchten und kann über den Zeitplan freier verfügen als Trump. Trump sitzt in der Falle: Er muss einen Deal lieferen, egal welchen, auch wenn dieser sogar schlechter für die USA ist als vor dem Handelskrieg. CN weiß dass und wird das nutzen, die Frage ist nur wie? Da die int. Korruption das gemeinsame übergeordnete Ziel ist, kann es durchaus sein, dass CN Trump mit einem Deal stützt und dessen Wiederwahl befördert, auch aus dem Grund, weil es die USA weiter schwächt. Abgesehen davon ist ja egal, was im Handelsabkommen stehen wird, die Trump Anhänger werden es sowieso wie Schafe nachblöken und bejubeln, was ihr großer Meister ihnen vorsagt, geauso wie die Steuerbefreiung von Milliardären. Null Problemo! Wer weiß, was da gerade wirklich in CN besprochen wird. Ich vermute Trumps dies bezügliche Einschätzung ist da nicht die einzig mögliche Interpretation. Um den Handelskrieg geht es jetzt nicht mehr alleine, es geht um die Vorherrschaft zwischen USA und CN. Solange Trump Präsident ist, können sie mit den USA Katz und Maus spielen und das werden sie auch tun, genauso übrigens wie der geliebte Raketenmann von Trump, Buddy Wlademir oder die lieben netten Hotelgäste aus SA! Trump verspielt alles, aber egal es ist ja nur die USA, wenn er dann später ein schönes Hotel in Peking bauen darf, ist doch alles ok. Und ewig blöken die Schafe...
k.u.m. 12.05.2019
5.
"Das gigantische Handelsdefizit der USA mit China ist Trump seit Langem ein Dorn im Auge." Es fragt sich nur, was China (oder auch EU-Staaten) dafür tun sollen, damit US-Bürger chinesische (europäische) Waren nicht mehr kaufen wollen. Es zwingt doch niemand die USA bzw. ihre Konsumenten, chinesische Waren zu importieren. Wenn sie es dennoch machen, zeigt das doch nur, dass die US-Wirtschaft außerstande ist, sämtliche Bedürfnisse der US-Bürger zu befriedigen. Und dass es Trump nicht reicht, wenn Konzerne aus anderen Ländern riesige Werke in den USA betreiben, davon können die deutschen Autobauer ein Lied singen. Es ist nicht zu übersehen, dass Trump nicht ernsthaft verhandeln lässt, sondern dass er schlicht die Bedingungen diktieren will. Es wird wohl Zeit, dass die Chinesen diesen Präsidentendarsteller daran erinnern, welche gigantischen Summen die USA China schulden. Aber es geht Trump letzten Endes auch nicht darum, sondern nur um eines: Er will 2020 um jeden Preis erneut gewählt werden; denn sein narzisstisches Ego würde es kaum vertragen, ein Präsident mit nur einer Amtszeit gewesen zu sein. Insoweit ist ihm jedes populistische Mittel, jede Lüge recht, um sein Ziel zu erreichen. (Außerdem dürfte sich ganz nebenbei eine 2. Amtszeit erheblich auf die Kontostände seiner Unternehmen auswirken).
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