Washington vs. Peking USA verbreiten Optimismus im Handelsstreit mit China

Es sind moderatere Töne: US-Präsident Trump geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass die Handelsgespräche mit China erfolgreich sein werden. Zudem relativiert er seine Pläne für weitere Zollerhöhungen.

Donald Trump im Garten des Weißen Hauses: "Ich habe das Gefühl, dass es sehr erfolgreich sein wird"
Brendan Smialowski/ AFP

Donald Trump im Garten des Weißen Hauses: "Ich habe das Gefühl, dass es sehr erfolgreich sein wird"


US-Präsident Donald Trump hat seine Pläne für höhere Zölle auf fast alle verbliebenen Importe aus China relativiert. "Ich habe diese Entscheidung noch nicht getroffen", sagte er am Montag vor Reportern. Bei einer Anhörung im Juni sollen sich Experten zu dem Vorhaben äußern können.

Trump hatte die Zollerhöhung in der vergangenen Woche gefordert. Die Pläne sehen höhere Zölle auf Einfuhren aus China im Wert von rund 300 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 268 Milliarden Euro) vor. "Das ist eine riesige Menge Geld, die in unser Land kommen würde", sagte Trump - und bekräftigte damit seine Annahme, wonach Zölle von den exportierenden Ländern bezahlt werden.

Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass die Zölle vor allem US-Bürger treffen: Unternehmen, die chinesische Waren importieren, geben die zusätzlichen Kosten zumindest teilweise an ihre Kunden weiter.

Video: Chinesische Experten - "Die USA werden den Großteil zahlen"

Trump hatte nach Angaben des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in der vergangenen Woche angeordnet, das Verfahren für die nächste Zollerhöhungsrunde einzuleiten. Nun soll der Plan Thema einer öffentlichen Anhörung am 17. Juni sein. Bis dahin können beispielsweise Bürger, Diplomaten und Handelsverbände ihre Stellungnahmen zu dem Vorhaben einreichen.

Bei einem Abendessen sagte Trump am Montag zudem, dass der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin jüngst von Handelsgesprächen in China zurückgekommen sei. "Wir werden Sie in etwa drei oder vier Wochen wissen lassen, ob das erfolgreich war oder nicht", sagte Trump. "Aber ich habe das Gefühl, dass es sehr erfolgreich sein wird."

Optimistisch gab sich Trump auch in Bezug auf sein geplantes Treffen mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping: Die beiden würden sich während des G20-Gipfels in Japan Ende Juni treffen, sagte Trump. "Und das wird, denke ich, wahrscheinlich ein sehr ergiebiges Treffen."

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hatte sich zuvor weiter hochgeschaukelt. Auf die jüngsten Zollerhöhungen der USA im Wert von 200 Milliarden Dollar reagierte China mit der Ankündigung weiterer Strafabgaben. Peking setzte sich damit über eine Warnung des US-Präsidenten hinweg. Trump hatte China aufgefordert, von "Vergeltung" abzusehen.

Die neuen Zölle seien eine Reaktion auf den "Unilateralismus und Handelsprotektionismus" der USA, erklärte der für Handelspolitik zuständige Ausschuss des chinesischen Regierungskabinetts. Zugleich äußerte das Gremium die Hoffnung, dass es doch noch eine Handelsvereinbarung geben werde. Die neuen chinesischen Zölle sollen erst zum 1. Juni in Kraft treten - damit soll offenbar der Raum für weitere Gespräche geschaffen werden.

Deutsche Industrie warnt vor Eskalation

Die jüngste Eskalation im Handelsstreit hatte auch die US-Börsen getroffen: Der Dow Jones Industrial schloss am Montag mit einem Minus von 2,38 Prozent bei 25.324,99 Punkten. Mit einem höheren Tagesverlust war der US-Leitindex zuletzt am 3. Januar 2019 aus dem Handel gegangen.

"Der anhaltende Konfrontationskurs zwischen den USA und China gefährdet die Weltwirtschaft massiv", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, der Deutschen Presse-Agentur. Der Handelskonflikt wirke sich umso stärker auf die Weltkonjunktur aus, je länger er dauere. "Unternehmen investieren nicht, wenn unklar ist, ob ihre Geschäfte bald durch Zölle unterbrochen werden. Der Konflikt trifft direkt europäische Unternehmen, die Produktionsstätten in den USA und China haben."

aar/Reuters/dpa/AFP

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BoMo_UAE 14.05.2019
1. Ping-Pong
Der orange Clown spielt mal wieder Ping-Pong mit seinem Land und der Weltwirtschaft. Keine seiner Aktionen sind rational und es wundert mich, dass die Boersen so sensibel auf seine Spiellust reagieren. Er handelt wohl nach dem Prinzip: "Wenn ich alle arm mache, bin ich der Reichste". Ebenso im Iran-Konflikt. Selbst wenn einige der Argumente berechtigt sind, wer soll Trump noch ernst nehmen?
harald_maier 14.05.2019
2.
Irgendwer sollte diesen GräPratz mal dezent darauf hinweisen, wieviele der Waren, die aktuell in den USA zu kaufen sind (auch wenn da zB. Apple draufsteht), aus China kommen. Dann wüßte er, WER da am längeren Hebel sitzt! Ein Totalembargo Chinas gegen die USA - und wenige Wochen später sind die Regale in "gods own country" leer!
tinnytim 14.05.2019
3. Insiderhandel
Also eigentlich neige ich ja nicht zu Paranoia, aber die US-Börsenaufsicht sollte mal dringend schauen, wer kurz vor Trumps Äußerungen an der Börse Put- bzw Call-Optionen platziert und damit gutes Geld einfährt. Wer vorher weiß, was Trump nach Börsenschluss macht, hat am nächsten Tag hervorragende Gewinnchancen. Trumps Äußerungen sind derart wankelmütih und seine Kontakte in die Wirtschaft einfach zu mafiös, als dass man diese Möglichkeit ungeprüft ausschließen könnte.
s.l.bln 14.05.2019
4. China hat nicht...
...zuerst geblinzelt. Und Trump realisiert, daß sie auf seinen Bluff nicht reingefallen sind. Unfaßbar, daß der immernoch rumrennt und behauptet, die Chinesen würden der USA die Zölle bezahlen. Man sollte Gesetze erlassen, welche hohen Amtsträgern das Lügen in der Öffentlichkeit unter Strafandrohung verbieten. Die Tatsache, daß seine Lügen zwar amoralisch aber nicht strafbar sind, macht diese Politik erst möglich. Mich erschreckt auch der Bildungsstand der Leute, die diesen Mist auf seinen Rallys beklatschen. Inzwischen geht das so lange, daß jeder von denen mal gehört haben muß, daß Zölle nichts weiter sind, als eine im Inland erhobene zusätzliche Steuer, zu zahlen von Amerikanern. Seine Zölle bringen keinen zusätzlichen Cent ins Land, egal wie oft er das Gegenteil erfindet.
stefan.p1 14.05.2019
5. Ich weiß, wird hier in diesem Forum
nicht gern gelesen: Aber hier ein paar Zahlen: Dow Jones Ind. bei Trumps Amtsantritt 20.000 aktuell 24500 S+P 500 bei Trumps Amtsantritt 2500 aktuell 2880 Die Arbeitslosen Zahlen. 2017 4,75 aktuell 3,6% Soviel kann der Mann, den Zahlen nach gar nicht falsch machen! Zugegeben , seine Methoden sind strange - aber sein Erfolg gibt im Recht. Der Beitrag kann auch als kleiner Ausgleich zu der einseitigen Berichterstattung von den deutschen Medien zum Thema Trump gesehe werden - ich persönlich mag den Mann allerdings auch nicht.
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