US-Präsident vs. Notenbank "Die Fed ist zu stolz, ihre Fehler zuzugeben"

Donald Trump verschärft im Handelskrieg seine Angriffe auf die US-Notenbank. Das Problem sei nicht China, sondern die Fed - die nicht schnell und stark genug die Zinsen senke.

Kein Fed-Fan: US-Präsident Donald Trump
REUTERS

Kein Fed-Fan: US-Präsident Donald Trump


Im eskalierenden Handelskrieg mit China stichelt US-Präsident Donald Trump weiter gegen die US-Notenbank. Er twitterte, die Federal Reserve müsse die Zinsen "stärker und schneller" senken, damit die USA gegenüber anderen Ländern wettbewerbsfähig bleibe.

Das Problem sei nicht China, sondern die Fed, die zu stolz sei, ihre Fehler zuzugeben, die Geldpolitik zu schnell und zu stark gestrafft zu haben, schrieb er auf Twitter mit Blick auf die zurückliegenden Zinsanhebungen der US-Notenbank.

Trump sprach sich auch gegen einen Stopp der Anleihekäufe aus, womit die Fed im Zuge der Finanzkrise begonnen hatte, um mehr Geld in die Märkte zu pumpen. Das Verfahren zum Anleihenankauf wird "Quantitative Easing" genannt. Trump forderte, dass die Notenbank ihre "lächerliche quantitative Straffung" einstellt.

Der Präsident hatte sich in der Vergangenheit wiederholt mit der eigentlich unabhängig von der Regierung arbeitenden Federal Reserve angelegt und deren Geldpolitik kritisch kommentiert (lesen Sie hier mehr dazu). Seit Monaten nötigt Trump die Fed und ihren Chef Jerome Powell, ihm im Handelskrieg geldpolitischen Flankenschutz zu geben und mit Niedrigzinsen dafür zu sorgen, dass die Konjunktur brummt.

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Die Fed versucht seit 2015, den in der weltweiten Finanzkrise auf null gerutschten Leitzins langsam aber stetig zu normalisieren. Trump sieht in steigenden Zinsen und einem festeren Dollar hingegen ein Hindernis für sein Ziel, die US-Exporte zu erhöhen und das riesige Außenhandelsdefizit zu verringern.

Frühere Fed-Chefs pochen auf Unabhängigkeit der US-Notenbank

Bisher konnte sich Fed-Chef Powell dem Druck entziehen. "Politische Erwägungen spielen für uns nie eine Rolle", versicherte er vergangene Woche, als die Fed trotzdem und erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen senkte.

Angesichts dieses Disputs hatten sich vier ehemalige amerikanische Notenbankchefs zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. In einer gemeinsamen Erklärung mahnten sie die Wahrung der Unabhängigkeit der Federal Reserve an.

Die Fed und ihr Vorsitzender müssten unabhängig und im besten Interesse der Wirtschaft handeln dürfen, frei von kurzfristigem politischen Druck und insbesondere ohne die Gefahr einer Absetzung oder Degradierung von Führungskräften aus politischen Gründen, schrieben die vier noch lebenden Ex-Fed-Vorsitzenden Paul Volcker, Alan Greenspan, Ben Bernanke und Janet Yellen in einem Gastbeitrag im "Wall Street Journal".

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insgesamt 18 Beiträge
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syracusa 07.08.2019
1. Erdogan hat's vorgemacht
Nachdem schon Erdogan mit exakt der gleichen Masche brutal auf die Schnauze gefallen ist, will Trump dieses Manöver gegen die Zentralbank wiederholen. Da erinnere ich mal an eine geläufige Definition für Wahnsinn: Wahnsinn ist demzufolge nachgewiesen, wenn man immer wieder den gleichen Fehler macht, und dabei jedesmal hofft, dass das diesmal ein anderes Ergebnis geben werde.
dasfred 07.08.2019
2. Präsidentschaft auf Pump
Ein Mann, der vermutlich seine eigene Geschäftstätigkeit ausschließlich auf Kredit aufgebaut hat, nachdem er mehrere Pleiten hingelegt hat, muss als Präsident natürlich dafür sorgen, dass er sein eigenes Imperium bestmöglich mit billigstem Geld versorgen kann. Anleger wissen kaum noch, wohin mit der Kohle, die sind nicht auf billige Kredite angewiesen.
fottesfott 07.08.2019
3. Was mir etwas Hoffnung gibt,
ist die Spiegelbildlichkeit in den USA und der Türkei. Die Parallelität zwischen Erdogan und Trump ist offensichtlich: Familienmitglieder in politischen Ämtern, Verquickung von Privatinteresse und Ämtern, Unterdrückung von Minderheiten, (Versuch) der Einflussnahme auf Pressefreiheit, Justiz und Unabhängigkeit der Zentralbank, fehlendes wirtschaftliches Verständnis, militärische Aktionen als Mittel der Innenpolitik / des Wahlkampfes, Beschädigung der politischen Tradition des Landes und Vereinnahmung der entsprechenden Symbolik (Kemal Atatürk, 4th July)... Insofern: beide werden krachend scheitern. An Wirtschaft und Finanzen. Erdogan ist Trump lediglich ein paar Monate voraus. Alles wird gut.
dirkcoe 07.08.2019
4. Trumps Panik wächst
und damit wird auch sein hysterisches Gekreische immer lauter. Innenpolitisch als Rassist gebrandmarkt, außenpolitisch steht er vor seinem Trümmerhaufen - und jetzt wird auch noch die Gefahr real, das er den Handelskrieg gegen China verliert. Der Mann ist fertig - und ganz langsam merkt sogar sein großartiges Hirn was los ist.
archi47 07.08.2019
5. er will Währungsmanipulation der FED
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe... Trumpistan unterhält die ganze Welt. Wir sind gespannt, was er als nächstes zwitschert. Eine hinreißende Kommödie. Dazu noch die Gewißheit, dass eine Privatbank wie die FED in den Händen einiger weniger Kapitaleigner das Wohl und Wehe der ganzen Welt mit ihrer Weltleitwährung steuert. Monty Python könnte es nicht besser inszenieren. Was für ein kaputtes System!
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