"Made in America"-Woche Das verlogene Versprechen des Donald Trump

Wir holen unsere Produktion zurück: Mit dieser Botschaft präsentiert Donald Trump Waren mit "Made in USA"-Label. Das Versprechen ignoriert jedoch die Realität - wie die Produkte der Trump-Familie zeigen.
"Made in America"-Woche: Das verlogene Versprechen des Donald Trump

"Made in America"-Woche: Das verlogene Versprechen des Donald Trump

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Die USA sind das beste Land der Welt: Das ist eine Behauptung, die republikanische wie demokratische US-Präsidenten über Jahrzehnte stetig wiederholt haben. Lange schien sie vom Erfolg amerikanischer Waren gedeckt: Coca-Cola, Levi's oder Marlboro standen weltweit genauso für ein begehrtes Lebensgefühl wie Freiheitsstatue und Stars and Stripes.

Deshalb ging es auch um mehr als Wirtschaft, als Donald Trump am Montag offiziell eine "Made in America"-Woche ausrief. Seine Politik werde "nicht nur unsere Produktion wiederherstellen", versprach Trump. "Es wird unseren Stolz wiederherstellen."

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"Made in America"-Woche: Trumps Produktshow

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Zuvor hatte er sich 50 Produkte aus allen Bundesstaaten präsentieren lassen - vom Kranwagen aus Alabama bis zum Modellflugzeug aus Wyoming. Ihr Label "Made in USA" bedeutet Trump zufolge nicht weniger als: "Es ist das Beste."

Doch die angebliche Überlegenheit amerikanischer Waren ist längst nicht mehr so eindeutig wie früher. Die USA importieren viel mehr als sie exportieren, in weniger als 20 Jahren verschwand fast ein Viertel ihrer Fabriken. Und das von Trump so gelobte Label? Laut einem aktuellen Ranking von 52 Ländern landet "Made in USA" nur noch auf Platz acht. Auf Platz eins: Das von den Briten einst als Schandmal für deutsche Kopien erdachte "Made in Germany".

Die meisten Ökonomen sehen den Bedeutungsverlust der USA primär als Folge normaler Marktprozesse. Chinesen oder Inder arbeiten für weniger Geld, Japaner oder Deutsche bauen bessere Autos. Donald Trump aber ist überzeugt, dass die USA im globalen Handel übervorteilt werden: Die Chinesen steigern ihre Exporte durch eine manipulierte Währung. Die Deutschen kaufen kaum Chevrolets, obwohl die Amerikaner doch so viele Mercedes kaufen.

Auf Deutschlands Exportüberschuss spielte Trump auch am Montag an. Europäische Länder, und "eines im Besonderen", feierten Erfolge, die "nicht fair gegenüber den Vereinigten Staaten" seien.

Trumps Produktshow war also nicht nur ein Verkaufsförderungsprogramm für heimische Unternehmen, sondern auch eine Kampfansage. "Wir werden nicht länger anderen Ländern erlauben, unsere Regeln zu brechen, Jobs zu stehlen und unseren Wohlstand zu mindern", rief der US-Präsident zwischen Cowboyhüten von Stetson (Texas), Traktoren von Caterpillar (Illinois) und Baseballschlägern von Marucci Sports (Louisiana). "Amerika wird wieder Erster sein!"

Selbst Trumps Baseballmütze kommt aus China

Doch die Realität ist wie so oft komplexer als Trumps Versprechen - das zeigt sich schon bei den Produkten, die er selbst und seine Tochter Ivanka vertreiben. Schon lange wird dem Milliardär vorgehalten, dass unter seinem Namen vor allem Waren aus ausländischer Produktion verkauft werden. Selbst viele der von Trump berühmt gemachten roten Baseballmützen mit der Aufschrift "Make America Great Again" kommen aus China.

Gerade hat die "Washington Post" in einer aufwendigen Recherche  noch einmal aufgezeigt, dass auch die Modelinie von Trumps Tochter Ivanka alles andere als "Made in America" ist. Die Kleidungsstücke werden fast ausschließlich zu Billiglöhnen in Ländern wie Bangladesch, Indonesien oder China hergestellt. Inwiefern dabei für den Schutz der überwiegend weiblichen Arbeiter gesorgt wird, macht das Unternehmen im Gegensatz zu anderen Modefirmen nicht öffentlich.

Unmittelbar nach Ankündigung der Themenwoche wurde die Regierung deshalb gefragt, ob auch die Trumps künftig nur noch in den USA produzieren würden. "Dazu geben wir Ihnen noch eine Rückmeldung", versprach eine Sprecherin am Sonntag. Am Montag erklärte Chefsprecher Sean Spicer dann, es sei für ihn "unangemessen", diese Frage zu beantworten.

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Handelspolitik: So amerikanisch sind die US-Verkaufsschlager

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Dabei ist es grundsätzlich natürlich möglich, Produkte wieder verstärkt in den USA herzustellen. Wie in Europa gibt es auch hier einen Trend zu Waren, die regional und unter fairen Bedingungen produziert wurden. Nur stehen für diesen Trend eher Firmen mit kleinen Stückzahlen und ökologischer Ausrichtung als jene Massenproduktion mit hohen Gewinnmargen, aus der die Produkte der Trumps stammen.

"Es gibt die Arbeiter hier nicht mehr oder nur noch in sehr, sehr kleiner Zahl, oft gibt es die Maschinen hier nicht", zitiert die "Washington Post" Abigail Klem, Chefin von Ivanka Trumps Modelinie. "Es ist ein sehr komplexes Problem."

Stolz auf den Rindfleischdeal

Auch andere US-Branchen kommen kaum ohne ausländische Hilfe aus. Nach Jahrzehnten der Deindustrialisierung fehlen Schlüsseltechnologien, zu denen auch deutsche Spezialmaschinen gehören. In Branchen wie Tourismus oder Gartenbau mangelt es nach Darstellung vieler Unternehmen zudem an qualifizierten Arbeitern. Mit dieser Begründung genehmigte Heimatschutzminister John Kelly erst am Montag zusätzliche Visa für 15.000 ausländische Saisonkräfte.

Dass Handelspolitik etwas komplizierter ist, als von Trump dargestellt, zeigt auch seine bislang nicht umgesetzte Drohung mit Strafzöllen auf Importe. Offenbar fürchten zumindest die moderateren Teile der US-Regierung, damit einen Handelskrieg anzuzetteln, der auch die eigenen Bürger treffen könnte.

Dem Geltungsdrang des Präsidenten tut das keinen Abbruch. Bei seiner großen Produktshow brüstete er sich nun unter anderem damit, der Chef des Rindfleischproduzenten Greater Omaha Packing aus Nebraska habe ihn "dringend küssen" wollen.

Denn laut einer kürzlich erzielten Übereinkunft könnten die USA bald erstmals seit 2003 wieder Rindfleisch nach China exportieren. Im Gegenzug erklärten sich die Amerikaner unter anderem bereit, ihren Markt für Banken und gekochtes Geflügel aus China zu öffnen. Den Deal hatte Trump seine Minister für Handel und Finanzen über Wochen aushandeln lassen.

In der Darstellung des Präsidenten klang das Ganze aber mal wieder viel simpler. "Ich sagte, Präsident Xi, wir würden liebend gerne wieder Rindfleisch in China verkaufen. Er sagte, das könnt ihr machen. Und das war's."

Zusammengefasst: US-Präsident Donald Trump hat eine "Made in America"-Woche ausgerufen und Produkte aus allen 50 US-Bundesstaaten beworben. Mit der Präsentation verband er die Ankündigung, unfaire Handelspraktiken zu beenden und Jobs aus dem Ausland zurückzuholen. Doch die Deindustrialisierung der USA lässt sich nicht ohne Weiteres rückgängig machen. Das zeigt auch die Tatsache, dass Trump und seine Tochter Ivanka selbst Produkte vorwiegend in Billiglohnländern herstellen lassen.

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