US-Notenbank Trump will Cohn offenbar nicht an der Fed-Spitze

"Der Präsident vergisst nicht": Die Kritik an Donald Trumps Äußerungen zur rassistischen Eskalation in Charlottesville bringt Gary Cohn offenbar um das ersehnte Amt an der Spitze der US-Notenbank.

Trumps oberster Wirtschaftsberater Cohn
AP

Trumps oberster Wirtschaftsberater Cohn


Noch vor weniger als zwei Monaten schien Gary Cohn kurz vor dem Ziel zu stehen. Wenn er es wolle, werde Cohn der nächste Chef der US-Notenbank Fed werden, zitierten amerikanische Medien Insider. Präsident Donald Trump wolle die amtierende Notenbankchefin Janet Yellen nach dem Ende ihrer Amtszeit im kommenden Februar durch seinen Wirtschaftsberater ersetzen.

Doch nun, Anfang September, scheint klar: Daraus wird nichts. Gary Cohn gehöre nicht mehr zu den Kandidaten Trumps für den frei werdenden Platz an der Fed-Spitze, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. "Er wird es nicht werden", sagte einer der Insider mit Verbindungen zum Weißen Haus. "Trump möchte ihn feuern."

Hintergrund von Trumps Sinneswandel ist demnach die Kritik Cohns an den umstrittenen Äußerungen des Präsidenten nach den rechtsextremen Ausschreitungen von Charlottesville. Cohn hatte in einem Interview mit der "Financial Times" gesagt, die Regierung müsse besser darin werden, Rassisten "konsequent und unzweideutig zu verurteilen". Trump hatte zuvor vor der Presse "vielen Seiten" die Schuld an den Zusammenstößen gegeben.

Cohn, selbst ein gemäßigter Liberaler, war dabei anwesend, sein Missfallen war ihm deutlich anzusehen. Trump soll über die Kritik Cohns sehr verstimmt sein. "Der Präsident vergisst nicht", sagte ein weiterer Insider, deshalb sei Cohn in Ungnade gefallen.

Statt Cohn erwäge Trump nun mehrere Personen für die Nachfolge von Janet Yellen. Denkbar ist zudem, dass er der noch von seinem Vorgänger Barack Obama geholten Fed-Chefin eine zweite Amtszeit verschafft. Das galt lange als undenkbar, da sie sich gegen die von Trump befürwortete Lockerung der Bankenregulierung ausgesprochen hat. Sollte Trump sie aber ablösen, gelten derzeit der frühere Fed-Governeur Kevin Warsh und Stanford-Ökonom John Taylor als mögliche Nachfolger.

fdi/Reuters

insgesamt 21 Beiträge
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stefanbodensee 07.09.2017
1. Dieser Trump ist...
...wirklich der absolute Hammer, wie kann so jemand nur Präsident werden ? Ein beleidigtes kleines Kind, dessen ( erwachsene ) 'Racheaktionen' darin bestehen, im steten Wechsel die Leute auszutauschen ( zu feuern ), die ihm nicht laufend nach dem Mund reden. Und dann wundert er sich, daß er im eigenen Land und weltweit so starken Zuspruch erhält - und Schuld sind natürlich immer die 'Anderen'. Dieser so genannte Präsident wird einen definitiv nicht hinbekommen - nämlich '...to make America great again' ... soviel steht fest
so-long 07.09.2017
2. Die Reise nach Jerusalem
J.Yellen tritt ab, bevor es richtig knallt. Wenn die negativen Folgen des QE zu Tage treten. Oder Trump muss jemanden finden, der noch mehr Geld druckt&pumpt. Es ist wie bei der Reise nach Jerusalem: wehe, wenn die Musik stoppt.
ksail 07.09.2017
3. Verstehe das Problem nicht...
Es ist doch klar, dass Trump nur jemanden auf diesen Posten setzen wird, von dem er sich Loyalität verspricht. Und wenn Cohn bereits vor seinem Amtsantritt Trump so konfrontativ kritisiert, dann wird das später auch nicht besser werden. Man muss Trump nicht mögen, um festzustellen, dass das ungünstige Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit sind und es zeugt von wenig Kenntnis des Wesens der politischen Administration, in dem Zusammenhang von Beleidigtsein zu sprechen. Man kann Trump natürlich kritisieren, dass er sich zu wenig von Rassisten absetzt, aber andererseits ist es auch ein durchschaubares taktisches Manöver, Politiker zu Bekenntnissen zu zwingen. Da kann man i.d.R. nur verlieren, wenn man sich auf das Spiel einläßt. Von den eigenen Leuten sollte man sich das nicht bieten lassen.
pnegi 07.09.2017
4. Er sollte...
...J.Yellen die zweite Amtszeit geben. Wenn es dann knallt, dann ist gleich die richtige Person im Amt, die den Knall zu verantworten hat. Und ein Bezug zu Obama ist ebenfalls gleich vorhanden...
muellerthomas 07.09.2017
5.
Zitat von so-longJ.Yellen tritt ab, bevor es richtig knallt. Wenn die negativen Folgen des QE zu Tage treten. Oder Trump muss jemanden finden, der noch mehr Geld druckt&pumpt. Es ist wie bei der Reise nach Jerusalem: wehe, wenn die Musik stoppt.
QE endete in den USA im November 2014 - das ist nun dast drei Jahre her. Das Geldmengenwachstum in den USA ist im historischen Vergleich unter Yellen unterdurchschnittlich.
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