US-Notenbank Trump will Cohn offenbar nicht an der Fed-Spitze

"Der Präsident vergisst nicht": Die Kritik an Donald Trumps Äußerungen zur rassistischen Eskalation in Charlottesville bringt Gary Cohn offenbar um das ersehnte Amt an der Spitze der US-Notenbank.
Trumps oberster Wirtschaftsberater Cohn

Trumps oberster Wirtschaftsberater Cohn

Foto: Alex Brandon/ AP

Noch vor weniger als zwei Monaten schien Gary Cohn kurz vor dem Ziel zu stehen. Wenn er es wolle, werde Cohn der nächste Chef der US-Notenbank Fed werden, zitierten amerikanische Medien Insider. Präsident Donald Trump wolle die amtierende Notenbankchefin Janet Yellen nach dem Ende ihrer Amtszeit im kommenden Februar durch seinen Wirtschaftsberater ersetzen.

Doch nun, Anfang September, scheint klar: Daraus wird nichts. Gary Cohn gehöre nicht mehr zu den Kandidaten Trumps für den frei werdenden Platz an der Fed-Spitze, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. "Er wird es nicht werden", sagte einer der Insider mit Verbindungen zum Weißen Haus. "Trump möchte ihn feuern."

Hintergrund von Trumps Sinneswandel ist demnach die Kritik Cohns an den umstrittenen Äußerungen des Präsidenten nach den rechtsextremen Ausschreitungen von Charlottesville. Cohn hatte in einem Interview mit der "Financial Times"  gesagt, die Regierung müsse besser darin werden, Rassisten "konsequent und unzweideutig zu verurteilen". Trump hatte zuvor vor der Presse "vielen Seiten" die Schuld an den Zusammenstößen gegeben.

Cohn, selbst ein gemäßigter Liberaler, war dabei anwesend, sein Missfallen war ihm deutlich anzusehen. Trump soll über die Kritik Cohns sehr verstimmt sein. "Der Präsident vergisst nicht", sagte ein weiterer Insider, deshalb sei Cohn in Ungnade gefallen.

Statt Cohn erwäge Trump nun mehrere Personen für die Nachfolge von Janet Yellen. Denkbar ist zudem, dass er der noch von seinem Vorgänger Barack Obama geholten Fed-Chefin eine zweite Amtszeit verschafft. Das galt lange als undenkbar, da sie sich gegen die von Trump befürwortete Lockerung der Bankenregulierung ausgesprochen hat. Sollte Trump sie aber ablösen, gelten derzeit der frühere Fed-Governeur Kevin Warsh und Stanford-Ökonom John Taylor als mögliche Nachfolger.

fdi/Reuters
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