Nach Trumps Zoll-Ankündigung China erwägt offenbar Absage der Handelsgespräche mit den USA

Völlig überraschend hat der US-Präsident höhere Zölle auf chinesische Produkte angekündigt. Berichten zufolge drohen nun die für diese Woche geplanten Handelsgespräche in Washington zu platzen.

Chinas Vizeministerpräsident Liu He: Sagt er seine geplante Washington-Reise ab?
REUTERS

Chinas Vizeministerpräsident Liu He: Sagt er seine geplante Washington-Reise ab?


US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, neue Sonderzölle auf chinesische Importe zu verhängen. Nun erwägt die Regierung in Peking offenbar, die geplanten Handelsgespräche in Washington abzusagen. Trumps Verhalten habe die chinesische Seite überrascht, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Insider. China wolle nicht "mit der Pistole am Kopf verhandeln".

Eigentlich sollte der chinesische Verhandlungsführer, Vizeministerpräsident Liu He, in dieser Woche zu neuen Verhandlungen nach Washington kommen. Nach Informationen des Senders CNBC werde Liu die mit einer 100-köpfigen Delegation geplante Reise aber voraussichtlich absagen. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf informierte Personen, dass China an eine Verschiebung der für Mittwoch in Washington angesetzten Handelsgespräche denke.

Ursprünglich hatte es Hoffnung gegeben, dass bei der neuen Verhandlungsrunde eine Lösung in dem andauernden Handelskonflikt zwischen den USA und China gefunden werden könnte. Erst am Freitag hatte Trump erklärt, die Handelsgespräche würden "ziemlich gut" laufen.

Am Sonntag kündigte der US-Präsident dann allerdings überraschend eine Erhöhung der Sonderzölle an - mit der Begründung, dass ihm die Verhandlungen zu langsam vorangingen. Die bisher schon geltenden zusätzlichen Zölle auf Wareneinfuhren aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar sollen ab Freitag von bisher 10 auf 25 Prozent erhöht werden, wie Trump auf Twitter ankündigte.

Der Chefredakteur der chinesischen Staatszeitung "Global Times" sagte am Montag, nach Trumps Drohung sei es nun "sehr unwahrscheinlich", dass Liu He in dieser Woche noch in die USA reisen werde.

Die USA und China haben sich seit vergangenem Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet. Im Dezember hatten sich beide Seiten beim G20-Gipfel in Argentinien auf eine vorläufige Pause im Streit verständigt und beschlossen, Verhandlungen aufzunehmen. Für weitere Importe im Volumen von 50 Milliarden Dollar ist der Satz bereits bei 25 Prozent.

Die USA wollen bewirken, dass sich das US-Handelsdefizit verringert, und fordern unter anderem einen besseren Marktzugang sowie einen wirksameren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer. Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, da dies den Wettbewerb verzerre.

Wirtschaftsexperte kritisiert Trump

"Trumps Aktion wird nichts erreichen", sagte nun der Präsident des renommierten Peterson-Instituts für Wirtschaftsforschung in Washington, Adam Posen. "Sie wird nicht das amerikanische Wirtschaftswachstum oder die Beschäftigung anheben. Stattdessen werden US-Haushalte quasi mit einer Steuer belegt." Außerdem werde China mutmaßlich Vergeltung üben, sagte Posen der Zeitung "Die Welt". Das mache es für Vertreter der chinesischen Regierung nahezu unmöglich, eine gesichtswahrende Vereinbarung zu treffen. "Sie können nicht den Eindruck erwecken, unter Druck nachzugeben."

Trump argumentierte, die in den vergangenen zehn Monaten erhobenen Zölle hätten zum Erfolg der US-Wirtschaft und zum Wachstum in den USA beigetragen. Allerdings werden Einfuhrzölle in der Regel zunächst einmal vom Importeur bezahlt. Dieser kann sie auf die Verbraucher abwälzen oder versuchen, einen Ausgleich über günstigere Einkaufspreise zu erlangen - oder Einfuhren aus dem Land zurückzufahren. Nur dann würde China belastet.

Für den US-Haushalt allerdings sind die Zölle in der Tat eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Einnahmen seien im Oktober 2018 im Jahresvergleich um rund 40 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar gestiegen, berichtete die "New York Times".

So reagieren die Börsen

Als Reaktion auf die Eskalation durch Trump fielen die Kurse an den asiatischen Börsen. In Hongkong ging der Hang-Seng-Index nach Handelsauftakt um mehr als drei Prozent zurück. Auch die Börsen in China sackten um drei bis vier Prozent ab. Der Kospi-Index in Seoul büßte zunächst 0,74 Prozent ein. In Taiwan fiel der Taiex um 1,48 Prozent.

aar/dpa/AFP/Reuters



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doc1234 06.05.2019
1. Es ist doch gut so...
das endlich, auch ich bin kein fan von Trump, einer im Westen genug A...h in der Hose hat China zu zeigen wo die grenze ist. Es kann doch nicht angehen das wie Westlichen unternehmen sich seitens China alles gefallen lassen, alles an Know how transferiren und nichts ausser Papier dafür bekommen. Solle die Chinesen soich doch neue Märkte erschließen. Handeslkrigre waren nich nie gut, aber wenn alle auf augenhöhe spielen brauchen wir sowas nicht. Da China alles einseitig "China first'" macht uns man sieht was passiert wenn 'Staaten in die verschuldung getrieben werden ist klar worum es geht. z.B. China hat mehr 1 Milliarde Menschen, alle müssen satt werden also wird nach Agrarrohstoffen gesucht und der Boden global als Pfand genommen. Nach uns die Sintflut. OK Wir sind auch nicht viel besser aber treiben es nicht in diesem Maßstab. Wenn sollte China mal die Füsse unter dem Tisch halten und sich darauf besinnen wie auf der Erde im groben gespielt wird und nicht alles und jeden kopieren, und das iungestraft. Sie sollen sich selber hinsetzen, das Potential ist da, und eigenständig entwickeln, bis zur Marktreife und gut ist. Also lasst China und USA einen Handelskrieg führen, der EU tut es auch gut sich auf sich selbst zu besinnen und nicht immer nur dem Dollar hinterherzurennen und dann funktioniert alles wieder.
ddcoe 06.05.2019
2. Endlich Stärke zeigen
Ebenso wie jetzt China kann es auch der EU ergehen. Das debile Hirn von Opa Trump hat einen Aussetzer - das Ergebnis ist wirr und unlogisch. Zudem spielen sich die USA zunehmend als Weltdiktator auf. Die EU und China sollten sich in diesem Fall zusammentun und die USA mit Sanktionen belegen, die wirklich sehr tun.
quercusilex1 06.05.2019
3. Schade
Trump reagiert wie ein kleines Kind, dass seinen Willen nicht bekommt mit Trotz. Auch wenn es wirtschaftliche Auswirkungen hat, darf man den Mann natürlich nicht mehr ernst nehmen - halt ein Kind im Geiste.
roko008 06.05.2019
4. Trump hat einen intelligenten Plan!
das wirtschaftspolitische Verhalten von Trump seits seinem Amtsantritt macht nur unter einer Prämisse Sinn: Er bewegt die Märkte mit völlig unerwarteten (da irrationalen) Reaktionen und Maßnahmen, wenn er über Mittelsmänner entsprechend vorab auf die durch seine Aktionen absehbare Kursbewegungen setzt, hat er jetzt vermutlich endlich das Vermögen von dem er immer behauptet hat es zu besitzen und/oder seine Schulden in Russland abbezahlt... diesbezüglich sollte sein Umfeld und seine bilaterale Kommunikation mit Putin einmalgeprüft werden...
neutralfanw 06.05.2019
5. Wann merken es die Wähler?
Man kann es nicht oft genug schreiben: Trump ist kein Geschäftsmann. Das beweist er täglich in seinen Twitter Nachrichten. Zu lügen und zu behaupten, die Verhandlungen laufen positiv, ist seine Propaganda-Masche. Seine Misserfolge werden dadurch vertuscht und fallen erst nach den Wahlen 2020 den Amerikanern auf die Füße. Bis dahin wird Trump weiter von seinen grandiosen Erfolgen -von denen es bis heute nicht einen zu verzeichnen gibt- berichten
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