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20. April 2018, 14:11 Uhr

Hoher Preis

Trump wettert gegen Öl-Kartell

Der Ölpreis steigt und steigt, das trifft auch amerikanische Verbraucher. US-Präsident Trump teilt nun via Twitter aus - die Märkte reagieren sofort.

Der rasant steigende Ölpreis belastet Unternehmen und Verbraucher in den USA. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Preis von 50 auf knapp 75 Dollar je Barrel (159 Liter) geklettert - und damit auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

Angesichts dieser Entwicklung hat sich nun US-Präsident Donald Trump zu Wort gemeldet. "Scheinbar ist die Opec wieder am Werk", schrieb er auf Twitter. Er wirft der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) vor, die Ölpreise durch künstliche Marktverknappung hoch zu treiben. "Angesichts der Öl-Rekordbestände überall, einschließlich der voll beladenen Schiffe auf dem Meer, sind die Ölpreise künstlich sehr hoch!" Dies sei nicht gut und werde nicht akzeptiert.

Nach den Aussagen von Trump gab der Ölpreis leicht nach. Die Mitglieder des Ölkartells Opec und weitere wichtige Förderländer wie Russland kürzen seit Anfang 2017 in Absprache ihre Ölförderung, um den Preisen Auftrieb zu geben. Diese waren im Jahr 2014 drastisch gesunken. Mit der Förderbremse sollte das Überangebot am Markt abgebaut und der Preis wieder stabilisiert werden.

Geht es nach den Vorstellungen von Saudi-Arabien und Russland, könnte die Förderbremse noch viele Jahre bestehen bleiben. Von Insidern hieß es zuletzt, Saudi-Arabien als weltgrößter Ölexporteur sei mit einem Ölpreis von 80 bis sogar 100 Euro je Fass (159 Liter) zufrieden.

An diesem Freitag kommen Politiker der Opec in Saudi-Arabien zusammen, um darüber zu sprechen, ob sich alle Mitglieder des Bündnisses an die Förderbeschränkungen halten. Seit Monaten werden die Kürzungsziele übererfüllt, der Ölpreis steigt immer weiter. Zusätzlich heizt die gut laufende Weltkonjunktur die Nachfrage nach dem wichtigen Rohstoff an. Hinzu kommt politische Unsicherheit, etwa durch den Konflikt zwischen Iran und den USA.

Während sich Produzenten und Rohstoffhändler über höhere Ölpreise freuen, könnten sie die gute Stimmung an den Aktienmärkten eintrüben. Denn steigende Rohstoffpreise erhöhen die Produktionskosten der Unternehmen und schmälern damit ihre Gewinnaussichten. Zusätzlich steigt die Inflation und damit die Chance auf höhere Zinsen in der Zukunft.

hej/dpa/Reuters

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