Kampf gegen die Krise Draghi bereitet neues Notfallpaket vor

Die Europäische Zentralbank stellt neue geldpolitische Lockerungen in Aussicht. Entsprechende Maßnahmen seien "weit fortgeschritten und gut vorbereitet", sagt EZB-Chef Draghi. Der Dax steigt sprunghaft an.

EZB-Chef Mario Draghi: Leitzins bei 0,05 Prozent
AFP

EZB-Chef Mario Draghi: Leitzins bei 0,05 Prozent


Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet vorsorglich den Einsatz zusätzlicher geldpolitischer Instrumente vor, um die maue Konjunktur anzukurbeln. Der Rat habe den Stab der Notenbank mit dem Auftrag betraut, die Umsetzung weiterer, notfalls nötiger Maßnahmen rechtzeitig vorzubereiten, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Das Gremium sei sich einig in der Verpflichtung, bei Bedarf weitere unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen. Man sei in diesem Punkt "ziemlich weit fortgeschritten und gut vorbereitet". Dazu könnte nach früheren Äußerungen Draghis auch der massenhafte Ankauf von Staatsanleihen zählen.

Der Italiener setzte sich zugleich mit dem Ziel im Rat durch, die Bilanz der Notenbank um eine Billion Euro aufzublähen. Dies ergibt sich aus einer Formulierung in der gemeinsamen Erklärung des Rats, in der ein Bilanzniveau angestrebt wird, wie es Anfang 2012 erreicht wurde.

Staatsanleihenkäufe gelten als letztes Mittel zur Abwehr einer Deflation - also eines konjunkturschädlichen Preisverfalls. Viele Bankvolkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten weiter lockern wird. Einige Experten sehen den Ankauf jedoch kritisch. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hatte zuletzt als weiteres Mittel auch den Ankauf von Firmenanleihen ins Spiel gebracht.

Der Euro Chart zeigen fiel während der Draghi-Pressekonferenz zwischenzeitlich auf 1,24 Dollar, der Dax Chart zeigen stieg sprunghaft an. Die Notenbanker hatten im September den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt und seitdem auf diesem Niveau belassen. In den vergangenen Monaten hat die EZB zudem ein Maßnahmenbündel beschlossen, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Dazu gehören unter anderem spezielle Geldspritzen für die Banken und der Aufkauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen.

Seinen angeblichen Streit mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann kommentierte Draghi nicht. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte berichtet, Draghi vermeide es, das deutsche EZB-Ratsmitglied vorab in wichtige Beschlüsse einzuweihen. Draghi sehe Weidmann als notorischen Bremser. Draghi sagte dazu, es gebe eine "Vielfalt an Meinungen im EZB-Rat", aber nicht den in den Medien dargestellten Streit.

Zinssätze in den USA
Leitzins
Er legt denjenigen Zinssatz fest, zu dem sich Geschäftsbanken bei einer Zentral- oder Notenbank Geld beschaffen können. Je niedriger der Zinssatz ist, desto leichter können Kredite vergeben werden. Auf diese Weise sollen Unternehmen zu Investitionen angeregt werden.
Diskontsatz
Der amerikanische Diskontsatz heißt inzwischen offiziell "primary credit rate". Er liegt stets höher als der eigentliche Leitzins. Zu ihm können sich die Banken refinanzieren, wenn sie sich bei den anderen Banken kein Geld besorgen können oder wollen. Sie müssen dafür eine ganze Reihe von Sicherheiten hinterlegen.

ssu/dpa/Reuters



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braintainment 06.11.2014
1. Dr.
"Draghi vermeide es, das deutsche EZB-Ratsmitglied vorab in wichtige Beschlüsse einzuweihen. Draghi sehe Weidmann als notorischen Bremser." Was genau muss noch geschrieben und gesagt werden, um die Deutschen endlich wachzurütteln. DAS ist der Masterplan zur schleichenden Enteignung der deutschen Sparer bzw. zur großen Sause der überschuldeten Südeurostaaten.
Abronzius 06.11.2014
2. Draghi
Gegenüber dem Schaden , den Draghi beim deutschen Sparer und Steuerzahler anrichtet, ist Clemenceaus Versailler Vertrag nur ein laues Lüftchen.Da der Haftungsfall Ds noch nicht eingetreten ist, merkt es der leider einfältige deutschen Wähler noch nicht.Das stimmt nicht ganz, wer seine sieben Sinne noch zusammen hat, merkt,daß private Altersversorgung nicht mehr möglich ist, dank der finanziellen Repression der EZB.
THINK 06.11.2014
3.
Das wie vielte Nofallpaket wird jetzt aufgelegt? Die Finanzkrise von 2008 ist nicht beendet und wird erst durch eine radikale Reform (Schrumpfung + Regulierung) der Finanzindustrie beendet werden, was Hr. Draghi mit allen Mitteln verhindert. Hr. Draghi ist wie Hr. Junckers eine Fehlbesetzung, die einen fassungs- und ratlos macht.
Koana 06.11.2014
4. EZB = Euros zur Belustigung
Draghi enteignet gerade alle arbeitenden Menschen zu Gunsten derer, die große Vermögen in Sachwerten anhäufen können. Die Börsen sind nur ein kleiner Fingerzeig - von dieser Blase haben nur jene etwas die wissen wann sie platzt - und platzen wird sie erst, wenn auch der letzte Spargroschen umverteilt ist. Es wäre schön würde SPON mal eine Grafik veröffentlichen, in der die Umverteilung durch die EZB für jeden augenscheinlich wird. In Zahlen - aus dreistelligen Millionenbeträgen in Schrottpapieren die nun der Gemeinschaft am Hals hängen, wurden inzwischen hohe dreistellige Milliardenbeträge und der Goldman-Sklave mit dem goldenen Halsband und dem ausgeschlüften Gewissen wird dafür sorgen dass es bald Billionen sind. Danach - ja das Danach ist jenen egal, die die Beute im Keller stapeln!
Spiegelkritikus 06.11.2014
5. Draghi geht bis zum bitteren Ende
Draghi wird bis zum bitteren Ende weitermachen, um die längst gescheiterte Eurozone so lange wie möglich zu erhalten. Beim unausweichlichen Kollaps wird sich für die Deutschen herausstellen, daß sie weitgehend enteignet wurden: Ihre Ersparnisse sind verpufft bzw. von "maroden" Banken und Staatshaushaten aufgesogen. Das wird nicht lustig, aber Dummheit und Gleichgültigkeit rächen sich nun mal und werden bestraft. Dumm nur, daß das dann bezahlte Lehrgeld so viel war und auch die Altervorsorgen vernichtet hat. Noch könnte man das Schlimmste verhindern, aber dazu müßte der Michel informiert sein und unserer Politik einschließlich EZB Beine machen.
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