Transparente Notenbank Draghi will EZB-Protokolle veröffentlichen

Einige Direktoriumsmitglieder der EZB hatten es bereits gefordert, nun meldet sich auch Präsident Draghi zu Wort: Die Protokolle der streng geheimen Treffen des EZB-Rats sollen öffentlich werden - wie die der meisten anderen Notenbanken.
Mario Draghi: Der Präsident spricht sich für Transparenz aus

Mario Draghi: Der Präsident spricht sich für Transparenz aus

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Frankfurt am Main - Mehr Transparenz in der EZB - dieses Vorhaben will nun auch der Präsident der Zentralbank, Mario Draghi, mit vorantreiben. Er hat sich dafür ausgesprochen, die Anregung der beiden Direktoriumsmitglieder der Notenbank, Jörg Asmussen und Benoît Coeuré, umzusetzen. Sie wollen, dass die bislang geheimen Sitzungsprotokolle der Europäischen Zentralbank in Zukunft öffentlich sind. "Ich halte das für einen notwendigen nächsten Schritt", sagte Draghi der "Süddeutschen Zeitung".

Daher werde das Direktorium dem EZB-Rat einen entsprechenden Vorschlag zur Diskussion und Entscheidung vorlegen. Draghi verwies darauf, dass er bereits im März 2012 über entsprechende Diskussionen in der EZB berichtet habe. In den USA ist es bereits Praxis, dass die Notenbank Fed die Dokumente veröffentlicht.

"Die Protokolle sollten enthalten, wer für was gestimmt hat und mit welcher Begründung", sagte Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Umstritten ist das Thema, da gefürchtet wird, dass nach der Veröffentlichung der Druck auf einzelne EZB-Vertreter steigen könnte. Asmussen sagte mit Blick auf die Debatte an der EZB-Spitze: "Jede Mehrheit startet als Minderheit. Die Diskussion im Rat dauert an."

mia/Reuters