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03. September 2011, 16:49 Uhr

Drastische Warnung

Rating-Riese würde Euro-Bonds als Ramsch bewerten

Vielen gelten sie als letzter Ausweg aus der Euro-Krise: Gemeinsame Staatsanleihen könnten überschuldete Länder wie Griechenland vor Attacken der Finanzmärkte bewahren. Jetzt warnt die Rating-Agentur Standard & Poor's, sie würde Euro-Bonds eine katastrophale Note ausstellen.

Alpbach - Warnschuss von einer der wichtigsten Rating-Agenturen: Standard & Poor's würde gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten mit dem Rating des schwächsten Mitgliedslandes bewerten. Das sagte der Leiter des Länderbereichs Europa bei S&P, Moritz Krämer, an diesem Samstag auf dem europäischen Forum in Alpbach.

"Wenn wir einen Euro-Bond haben, bei dem Deutschland 27 Prozent garantiert, Frankreich 20 und Griechenland zwei Prozent, dann läge das Rating des Euro-Bonds bei 'CC', was der Kreditwürdigkeit Griechenlands entspricht." Diese Note steht bei S&P für extrem spekulative Anleihen und liegt nur eine Stufe über dem Zahlungsausfall - siehe Tabelle:

Bei einer solchen Bewertung müssten auch für Euro-Bonds extrem hohe Zinsen gezahlt werden, da viele institutionelle Anleger bei einer solchen Note einen Kauf ausschließen. Da würden laut S&P also auch die Top-Bewertungen von Deutschland und Frankreich nicht helfen. Beide werden von den drei großen Rating-Agenturen mit der Spitzennote "AAA" bewertet.

Der Grund für die negative Bewertung liegt laut der Rating-Agentur darin, dass es nach jetzigem Stand eine gemeinsame Garantie und keine einzelne Gewährleistung der Mitgliedsländer gebe. "Vielleicht könnte dies auf eine andere Art strukturiert werden", schlug Krämer vor und betonte zugleich, S&P führe derzeit keine Gespräche mit der Europäischen Union. "Es ist nicht unsere Aufgabe, bei der Strukturierung oder Beratung zu helfen."

Die Länder der Euro-Zone streiten seit längerem darüber, wie sinnvoll gemeinsame Anleihen sind. Kanzlerin Angela Merkel lehnt Euro-Bonds ab und begründet dies damit, dass sie bei einzelnen Staaten zu weniger Haushaltsdisziplin führten. Italien hingegen wirbt für eine gemeinsame Aufnahme von Staatsschulden, weil es zu einem mittleren Zinsniveau für alle Euro-Länder führen würde. Auch Griechenland hat sich bereits für Euro-Bonds eingesetzt.

S&P-Mann Krämer sagte nun, er habe die Idee von Euro-Anleihen so verstanden, dass sie sich an den deutschen Länder-Jumbos orientierten. Darunter versteht man Anleihen, die die Bundesländer gemeinsam ausgeben, wobei sie jeweils für ihren eigenen Anteil die Garantie übernehmen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, deutsche Bundesländer würden gemeinsam Jumbo-Pfandbriefe ausgeben. Diese Information beruhte auf Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Pfandbriefe werden jedoch stets von Banken ausgegeben. Gemeint sind in diesem Zusammenhang gemeinsame Anleihen mit dem Namen "Gemeinschaft deutscher Länder", diese werden auch als Länder-Jumbos bezeichnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

cte/Reuters

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