Minus zum Jahresbeginn Dritte Coronawelle erwischt deutsche Wirtschaft

Der Corona-Lockdown lässt erneut die deutsche Wirtschaftsleistung schrumpfen. Von Januar bis März betrug das Minus laut einer ersten Schätzung 1,7 Prozent. In anderen EU-Ländern lief es besser.
Viktualienmarkt in München

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Foto: Ralph Peters / imago images

Die dritte Corona-Welle hat die deutschen Wirtschaft im ersten Quartal schrumpfen lassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von Januar bis März wegen des erneuten Lockdowns um 1,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag zu seiner Schnellschätzung mitteilte. Deutschland ist damit schlechter ins Jahr gestartet als andere große Euro-Länder. Frankreich schaffte ein überraschend kräftiges Wachstum von 0,4 Prozent, während die spanische Wirtschaft um 0,5 Prozent schrumpfte.

Grund für das Minus waren die erneuten Corona-Beschränkungen im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie. »Davon war besonders der private Konsum betroffen, während die Warenexporte die Wirtschaft stützten«, teilten die Statistiker mit. Zuvor war die deutsche Wirtschaft zwei Quartale in Folge gewachsen, und das etwas stärker als bislang angenommen: Im Schlussvierteljahr 2020 um revidiert 0,5 Prozent, im vorangegangenen Sommer sogar um 8,7 Prozent.

»Das heftige Wiederaufflammen der Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal erneut einbrechen lassen«, sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaft, Claus Michelsen. »Der Silberstreif am Horizont ist der Impfschutz, der voraussichtlich in den Sommermonaten ausreichen wird, um die Corona-Pandemie in Deutschland zu stoppen.« Der Erholungsprozess könne dann schnell einsetzen, wenn die privaten Haushalte ihre Ersparnisse aus der Pandemiezeit ausgeben.

Hoffnung auf Schub nach dem Lockdown-Ende

Europas größte Volkswirtschaft wurde zu Jahresbeginn gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen. Geschlossene oder nur eingeschränkt geöffnete Geschäfte belasteten den privaten Konsum. Zugleich hatten viele Verbraucher größere Käufe auf das Jahresende 2020 vorgezogen, um Preisersparnisse aufgrund der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer mitzunehmen.

Die eigentlich boomende Baubranche wurde von Minustemperaturen behindert. Die Auftragsbücher der exportabhängigen Industrie sind zwar wegen der höheren Nachfrage etwa aus China voller als vor Ausbruch der Pandemie. Doch wurde die Produktion etwa in der Autobranche durch Knappheiten bei Vorprodukten wie Halbleitern behindert.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft ab Frühjahr wieder auf Wachstum schaltet. »Der weitere Ausblick ist immer noch zwiegespalten«, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle jedoch einschränkend. »Auf der einen Seite bleiben die Risiken der Pandemie hoch. Insbesondere weil sich der Lockdown immer weiter in das zweite Quartal hineinschiebt, könnte die wirtschaftliche Dynamik im laufenden Quartal hinter den Erwartungen zurückbleiben.«

Auf der anderen Seite dürfte die deutsche Binnenkonjunktur nach der Befreiung von den Lockdown-Fesseln einen kräftigen Schub erfahren. Dieser werde durch die hohen Auftragsbestände, die abgearbeitet werden müssten, und die leer gefegten Lager, wie wieder befüllt werden müssten, noch verstärkt werden.

Die Bundesregierung geht in ihrer gerade angehobenen Prognose von 3,5 Prozent Wachstum im Gesamtjahr 2021 aus. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaftsleistung Deutschlands um 4,9 Prozent eingebrochen. Der Staat versucht, das Corona-Tief mit Hilfsmilliarden abzufedern.

dab/dpa/Reuters
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