Drohende Umschuldung Griechischer Premier fürchtet Bankenkollaps

Griechenlands Regierungschef warnt mit einem Schreckensszenario vor einer Umschuldung - Giorgos Papandreou hält dann einen Zusammenbruch von Banken für wahrscheinlich. Doch er verbreitet auch Optimismus: Deutschland werde jeden geliehenen Cent zurückerhalten.
Griechischer Premier Papandreou: "Auch deutsche Banken könnten zusammenbrechen"

Griechischer Premier Papandreou: "Auch deutsche Banken könnten zusammenbrechen"

Foto: Vaios Chasialis/ AFP

Hamburg - Griechenlands Ministerpräsident hat vor drastischen Folgen einer Umschuldung seines Landes für die Finanzbranche gewarnt. "Eine Umschuldung würde wahrscheinlich den Zusammenbruch griechischer Banken nach sich ziehen", sagte Giorgos Papandreou in einem Interview mit dem "Stern". "Auch deutsche Banken könnten zusammenbrechen." Außerdem käme es zu einer "Lawine spekulativer Angriffe" auf andere europäische Länder. "Diesen Preis könnten wir in Europa nicht zahlen."

Gleichzeitig wies Papandreou vor dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands zurück: "Wir werden jeden Cent zurückzahlen. Deutschland bekommt sein Geld zurück - und zwar mit hohen Zinsen", sagte der Regierungschef . "Der deutsche Steuerzahler wird mehr zurückerhalten, als er verliehen hat."

Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben deutsche Bankinstitute Forderungen in Höhe von 69 Milliarden Dollar gegenüber Griechenland.

Im vergangenen Jahr erhielt Griechenland 110 Milliarden Euro Kredite vom Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der EU, um einen drohenden Staatsbankrott zu verhindern. Im Februar mahnte der IWF die Umsetzung des griechischen Reformprogramms an. Papandreou konterte die Kritik: "Kein Land in Europa, keine Regierung hat in den vergangenen zehn Monaten so viele Veränderungen angestoßen wie Griechenland."

Papandreou beklagt "Terror der Märkte"

Man werde in den kommenden vier Jahren Staatseigentum im Wert von 50 Milliarden Euro privatisieren, bestätigte der Ministerpräsident. So wolle das Emirat Katar fünf Milliarden Euro in den Ausbau des Geländes des ehemaligen Athener Flughafens investieren. Das vom IWF geforderte Privatisierungsprogramm ist in Griechenland auf harte Kritik gestoßen.

Rating-Agenturen haben Griechenland in den vergangenen Wochen erneut herabgestuft. Zu den wachsenden Zweifeln an der Kreditfähigkeit Griechenlands sagte Papandreou dem "Stern", die Finanzmärkte neigten im Moment zu "Überreaktionen": "Ständig werden Schreckensszenarien gemalt. Manchmal scheint es, als sei man einem regelrechten Terror der Märkte ausgesetzt."

Die Staatsverschuldung Griechenlands beträgt zurzeit 148 Prozent der Wirtschaftsleistung. Sie wird in den kommenden beiden Jahren auf 160 Prozent steigen. Griechenland wurde 2000 in die Eurozone aufgenommen. Im Herbst 2009 stellte sich heraus, dass dafür Statistiken über den Verschuldungsgrad des Landes massiv gefälscht wurden.

fdi/Reuters/dpa
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