Drohender Staatsbankrott Irland schließt EU-Finanzhilfen nicht mehr aus

Irlands Finanznot wird größer - jetzt schließt die Regierung in Dublin nicht mehr aus, die EU um Unterstützung zu bitten. Einem Zeitungsbericht zufolge will das Land Gelder für seine maroden Banken beantragen - und damit einen Antrag auf staatliche Hilfe vermeiden.

Irlands Ministerpräsident Cowen: Die Luft wird dünner
REUTERS

Irlands Ministerpräsident Cowen: Die Luft wird dünner


Dublin - Seit Tagen windet sich Irland. Jede Meldung, das Land brauche finanzielle Hilfe, wies die Regierung in Dublin vehement als Spekulation zurück. Bisher. Nun aber schließt Irland finanzielle Hilfen durch die Europäische Union (EU) nicht mehr aus. "Die Dinge entwickeln sich Tag für Tag", sagte Justizminister Dermot Ahern dem irischen Fernsehsender RTE am Sonntagabend. Er antwortete auf die Frage, ob er garantieren könne, dass Irland keine Finanzhilfen der EU in Anspruch nehmen werde. Insidern zufolge könnte das Land Hilfen von 45 bis 90 Milliarden Euro beantragen.

Am Wochenende hatten sich die Gerüchte verdichtet, Irland stehe unmittelbar vor einem Antrag auf Staatshilfe. Der Fernsehsender BBC hatte gemeldet, Irland sei bereits in vorbereitende Verhandlungen für ein Hilfspaket mit EU-Diplomaten getreten. Das allerdings bezeichnete Ahern als reine "Erfindung". "Es gibt keine laufenden Verhandlungen", sagte der Justizminister. Am Montag erklärte die Regierung in Dublin lediglich, sie stehe wegen der wirtschaftlichen Probleme des Landes "in Kontakt" mit "internationalen Kollegen".

Irland ist durch die Finanzkrise besonders hart getroffen worden. Wegen milliardenschwerer Rettungsmaßnahmen für sein marodes Bankensystem musste es sich in eine Rekordverschuldung stürzen. Daneben belasten die aktuellen Gerüchte das Land auch finanziell: Die Zinsen für zehnjährige irische Staatsanleihen waren in der vergangenen Woche auf ein Rekordniveau geklettert. Denn Investoren fürchten, an den Kosten eines möglichen Bankrotts des Landes beteiligt zu werden - obwohl entsprechende EU-Regeln noch gar nicht gelten.

Irland will 50 Milliarden in seinen Bankensektor pumpen

Nun prüft Irland einem Zeitungsbericht zufolge, für seine notleidenden Banken Hilfen aus dem EU-Rettungstopf in Anspruch zu nehmen. Der Schritt könne eine Möglichkeit sein, Staatshilfen zu vermeiden, schrieb die Zeitung "Irish Independent" unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle. Finanzminister Brian Lenihan könne schon am Dienstag bei einem Treffen mit seinem Amtskollegen in Brüssel anfragen, ob dies machbar sei, schrieb die Zeitung. Irland hat angekündigt, 50 Milliarden Euro in den Bankensektor zu pumpen.

Lenihan will am Dienstag in Brüssel die anderen EU-Finanzminister treffen. Eine EU-Quelle sagte dem öffentlichen irischen Fernsehsender RTE: "Alle wichtigen Spieler sind beteiligt, die EU-Kommission, die Iren, die Deutschen, der Internationale Währungsfonds, die Europäische Zentralbank. Alle schauen darauf, wie die Anleihemärkte reagieren."

yes/Reuters/dapd

insgesamt 79 Beiträge
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tlogor 15.11.2010
1. Danke Frau Merkel!
Das war vorauszusehen. Irland, Portugal, Spanien, usw. die schon mit deutschem Steuergeld und dem zu starken Euro aufgeblasen wurden. Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Mutti zahlt. Dank Niedriglöhnen und Höchststeuern kann Deutschland das "problemlos" übernehmen. Deutschland hat dank Mutti keine Probleme, jedenfalls im Moment nicht. Es boomt angeblich, obwohl wir das Vorkriesenniveau noch nicht erreicht haben.
donbilbo 15.11.2010
2. Gut
Gut, dass deutsche Vertreter bei den Gesprächen dabei sind. Dann können sie die Umverteilung deutscher Steuergelder nach Irland direkt mit dem Platinfüller unterschreiben bevor noch jemand auf die Idee kommt, das Volk zu fragen.
Hythlodeus 15.11.2010
3. wir weden nicht darum herumkommen....
auc dort ein Stabilisierung der Staatsfinanzen zu unerstützen. Eines bite ich zu beachten. Auch dieser Staat hat durch Schaffung gesetzlicher Grundlagen, die das Aussaugen anderer Volkswirtschaften ermöglichten (Dublin-Docks)auf das Pferd Finanzspekualtionsmöglicheit in großem Stil gesetzt....und verzockt. Der kurzfristige Erfolg dieser gemeinschaftsschädlichen Politik ( keltischer Tiger / jetzt Teppichvorleger) wurde zur arroganten Darstellung der tollen Position Irlands genutzt ( repect the irisch vote). Es wurde kräftig auf die Hand, die Irland am Fressen hielt, getreten. Durfte von dort so toll gemacht werden, weil es die Großen in de EU sich nicht erlauben können, den kleinen EU- Mitläufern rechtzeitg auf die Finger zu klopfen und einen respektableren, alle mehr nützenden Umgang miteinander abzufordern.
Der Emigrant 15.11.2010
4. Bitte nicht mit der Portokasse winken
Was soll mit den lächerlichen 50 Mrd. bewirkt werden? Und warum heißt es immer, Irland werde gerettet? Vor kurzem in einem Kommentar auf ntv: Irland braucht 533 Mrd. Die werden von der EU (=D, weil kein anderer mehr was hat) geliefert. Die Gläubiger sind Großanleger in D, welche damit gerettet werden. Zahlen wird der deutsche Steuerzahler. Schneller wäre der direkte Weg: Deutscher Steuerzahler -> deutsche Großanleger.
coriolanus, 15.11.2010
5. Eskalation?
Zitat von sysopIrlands Finanznot wird größer -*jetzt schließt*die Regierung in Dublin nicht mehr aus, die EU um*Unterstützung zu bitten. Einem Zeitungsbericht zufolge*will das*Land*Gelder für seine maroden Banken beantragen - und damit einen Antrag auf staatliche Hilfe vermeiden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729112,00.html
Griechenland Irland Portugal? Spanien? Belgien? Italien? ... ?
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