Drohender Subventions-Kahlschlag Solar-Aktien brechen ein

Miese Stimmung an der Börse: Solar-Aktien sind mit Verlusten von bis zu zwölf Prozent aus dem Handel gegangen und haben den TecDax mit in die Tiefe gerissen. Die Regierung will die Förderung für neue Sonnenstromanlagen im April um bis zu 17 Prozent kürzen.

Solarzellen: Drohende Förderkürzung im April
DPA

Solarzellen: Drohende Förderkürzung im April


Hamburg - Die Pläne der Bundesregierung zur Kürzung der Solarstromförderung haben an der Börse für ein Beben gesorgt: Titel aus der Branche gingen am Freitag mit herben Verlusten aus dem Handel. Die Aktie von SMA Solar Chart zeigen verlor mehr als zwölf Prozent. Titel von Q-Cells verbilligten sich um fast neun Prozent, Aktien von Solarworld Chart zeigen verloren mehr als fünf Prozent. Das starke Minus der Sonnenstrom-Titel zog den gesamten TecDax Chart zeigen in die Tiefe: Der Indikator schloss am Freitag gut 2,5 Prozent im Minus.

Die Solarbranche fürchtet derzeit massiv um ihre Existenz. Das Bundesumweltministerium hatte am Mittwoch mit Solarunternehmen und Verbraucherschützern über eine Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom beraten. Bisher erhielten die Betreiber einer Solaranlage bis zu 43 Cent pro Kilowattstunde Strom, die sie in die Netze einspeisen.

Zu Jahresbeginn ist die Förderung für neue Solarstromanlagen um zehn Prozent gekürzt worden, Anfang 2011 ist eine weitere Kürzung um zehn Prozent geplant. Die Regierung diskutiert aktuell darüber, die Vergütung für Dach- und Freiflächenanlagenim April zusätzlich um 16 bis 17 Prozent zu senken. Das Bundeskabinett soll im Februar über eine Vorlage von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) entscheiden.

Analysten bewerteten diesen Plan für die Branche durchweg negativ. "Die Nachricht ist für den gesamten Solarsektor negativ zu bewerten", schrieb Analyst Michael Tappeiner von der Unicredit in einem Kommentar. Analysten der LBBW sprachen von einer "verheerenden Nachricht".

Kommt die Kürzung, dürfte die Branche einem enormen Konsolidierungsdruck ausgesetzt werden: Sven Kürten von der DZ Bank sagte, Q-Cells, Solon, Solarworld und SMA Solar würden unter der angedachten Kürzung besonders leiden. Analyst Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck dagegen sagte, Solarworld könnte der größte Gewinner des Subventions-Kahlschlags sein. Das Unternehmen besitze die notwendigen Größenvorteile.

Kurzfristig könnte eine drastische Kürzung die Nachfrage am Sonnenstrom-Markt sogar steigern. Experten der Citigroup zufolge könnte es im ersten Quartal dieses Jahres zu einem Ansturm auf Solaranlagen kommen. Verbrauche würden sich noch schnell eine Sonnenstromanlage aufs Dach montieren, um sich noch die vollen Zuwendungen zu sichern.

Solar-Lobby fürchtet um 50.000 Jobs

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) warnte die Bundesregierung vor einer zu schnellen Absenkung der Solarstromförderung. "Eine zusätzliche Reduktion der Fördersätze für Photovoltaikanlagen im zweistelligen Prozentbereich noch in diesem Jahr würden große Teile der deutschen Solarwirtschaft nicht überleben", erklärte der BSW-Solar am Freitag. Der Branchenverband sieht 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr.

Experten dagegen kritisieren, dass der Solarboom zu viele Fördergelder verschlingt - und dass die Solar-Lobby nun versucht, die üppige Förderung auf Kosten der Verbraucher zu verteidigen. Nach den Planungen des BSW sollten in Deutschland 2009 Solaranlagen mit einer Leistung von 682 Megawatt installiert werden. Nun muss die Lobbyorganisation zugeben, dass es tatsächlich rund 3000 Megawatt waren - also viermal so viel wie erwartet. Im gleichen Umfang schnellten die Förderkosten in die Höhe: von 2,4 auf 10,4 Milliarden Euro.

Mit anderen Worten: Die Subventionen pro Kilowattstunde können noch so schnell sinken, bei einer steigenden Strommenge fällt dies kaum ins Gewicht. Im Gegenteil - die Gesamtkosten für die Verbraucher steigen. "Teile der Solarindustrie haben in den vergangenen Jahren viel zu geringe Zuwachsraten in Umlauf gebracht", sagt Anne Kreutzmann von der unabhängigen Branchenzeitschrift "Photon". "So wurde versucht, die Kosten kleinzurechnen."

Dax schließt unter 5900 Zählern

Nicht nur Anleger von Technologieaktien mussten zum Wochenende herbe Verluste hinnehmen. Wieder aufkeimende Ängste vor einem Rückfall in die Krise haben auch den Dax Chart zeigen deutlich ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex schloss 1,9 Prozent niedriger bei 5875 Punkten und büßte damit auf Wochensicht 2,7 Prozent ein.

Auf der Stimmung lasteten mit Enttäuschung aufgenommene Quartalsergebnisse der US-Bank JPMorgan sowie Daten zur verhaltenen Stimmung der US-Verbraucher. Größte Dax-Verlierer waren die Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen, die 3,7 Prozent auf 48,50 Euro abrutschten. Die kurze Gewinnerliste wurde von Merck Chart zeigen mit einem Plus von 1,6 Prozent auf gut 66 Euro angeführt.

Auch die Stimmung an den amerikanischen Börsen ist mies. Der Dow Jones Chart zeigen gab bis zum Handelsschluss in Europa gut ein Prozent nach. Der S&P500 büßte 1,1 Prozent auf 1135 Punkten ein, der Nasdaq Chart zeigen verlor 1,1 Prozent auf 2291 Zähler.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 283 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Internetnutzer 27.10.2009
1. Solar
Wie heißt das Lied: Wunder gibt es immer wieder, aber keiner wird sich wundern, wnn es nicht funktioniert.
Reziprozität 27.10.2009
2.
Zitat von sysopFernab des Wissenschaftsbetriebs will ein Schweizer Forscher eine extrem effiziente Solarzelle entwickelt haben. Von einem Privatinvestor sammelte er dafür Millionen ein. Allerdings sind entscheidende wissenschaftliche Belege höchst umstritten. Was halten Sie von diesem Solarzellwunder?
Meinen Sie die Grätzel-Zelle? Die ist doch eigentlich eher ein alter Hut und nicht besonders effizient.
Reziprozität 27.10.2009
3.
Gibt es eventuell einen Link auf den entsprechenden Artikel? Ich habe in SpOn eben nichts dazu gefunden.
Maschinchen, 27.10.2009
4.
Zitat von ReziprozitätGibt es eventuell einen Link auf den entsprechenden Artikel? Ich habe in SpOn eben nichts dazu gefunden.
Hier eine Pressemitteilung: http://www.pressebox.de/pressemeldungen/somont-gmbh/boxid-298844.html
Reziprozität 27.10.2009
5.
Zitat von MaschinchenHier eine Pressemitteilung: http://www.pressebox.de/pressemeldungen/somont-gmbh/boxid-298844.html
Vielen Dank! Das was da in der Pressemitteilung steht passt allerdings wenig zu dem was hier in Post #1 geschrieben wurde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.